Kanzler Merz weiht die neue Elite-Schule an der Kölner Uni ein, währenddessen formiert sich draußen lauter Protest der Studierenden.
Kanzler Merz besucht Uni KölnStrenge Regeln sogar für Applaus – draußen tobt Protest
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Was für ein riesiger Aufwand an der Kölner Universität: Für den Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde alles abgeriegelt. Er kam, um eine neue Denkfabrik zu eröffnen, und hatte eine deutliche Ansage dabei.
Der Albertus-Magnus-Platz war hermetisch abgeriegelt, überall Polizeiwagen. Nur mit einem speziellen Ausweis kam man überhaupt auf das Gelände. Sprengstoffspürhunde durchsuchten vor dem Hauptgebäude sogar die Ausrüstung der Journalisten.
Der Grund: Bundeskanzler Friedrich Merz war da. Er hielt die zentrale Rede bei der feierlichen Einweihung der Adenauer School of Government (ASG).
Im Anschluss an seine Ausführungen und eine Fragerunde mit den Anwesenden verließ er den Saal als Allererster – eine Vorsichtsmaßnahme. Sogar der Beifall unterlag strengen Regeln: Applaudieren war dem Publikum nur im Sitzen gestattet.
Friedrich Merz in Köln: Kanzler sieht Nachholbedarf bei Governance-Schools in Deutschland
Merz wurde in seiner Ansprache deutlich: „Hier entsteht ein Ort, eine Ausbildungsstätte für strategische Urteilskraft. Unsere demokratische Praxis wird besser werden in Prozess und Ergebnis, wenn es Orte der Reflexion über politische Prozesse gibt.“ Der Kanzler betonte, dass gerade jetzt, an einem „historischen Wendepunkt“ mit unvorhergesehenen „geopolitischen und geoökonomischen Machtverschiebungen“, gutes Regierungshandeln entscheidend sei.
Es komme darauf an, „dass es uns gelingt, möglichst gerechte, möglichst effektive und effiziente und mutige politische Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.“
An der Kölner Hochschule sollen künftig Studierende und Top-Wissenschaftler Antworten auf die drängenden Themen unserer Zeit finden. Dabei geht es um Klima, Gesellschaft, Sicherheit und den rasanten Wandel durch Künstliche Intelligenz, betrachtet aus den Blickwinkeln von Jura, IT und Ökonomie.
„Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in diesem Bereich endlich aufholen“
Dann folgte die deutliche Kritik von Merz: „In Deutschland haben wir keine Tradition der großen Strategieschulen. Keine Tradition der sogenannten Governance-Schools. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in diesem Bereich endlich aufholen, dass wir beginnen, Entscheidungsträger auszubilden, die strategisch handlungsfähig sind, in einer Welt, die noch komplexer und noch schneller wird“.
Trotz aller Schwierigkeiten sei die Bundesrepublik ein „großartiges Land, das das Ergebnis von vielen guten Entscheidungen ist“.
Adenauer School of Government in Köln soll experimentelles Reallabor werden
Axel Ockenfels, der Leiter der ASG und ein bekannter Ökonom, brachte es auf den Punkt: „Gutes Regieren, gutes Verwalten, Führen und Gestalten gehört zum programmatischen Kernanliegen der ASG. Eine der größten Hochschulen Deutschlands bietet ein experimentelles Reallabor für die radikale Straffung von Verwaltungsapparaten.“ Was er damit konkret meinte, verriet Ockenfels jedoch nicht.

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V.l.: Prof. Axel Ockenfels (ASG-Direktor), Friedrich Merz, Rektor Joybrato Mukherjee und Prof. Markus Ogorek (stellvertretender Leiter der ASG).
Die ASG, die im letzten Juni ins Leben gerufen wurde, gilt als Prestigeprojekt der Universität. Ihr Ziel ist es, die kommenden Chefs in Politik und Behörden auszubilden. Die Einrichtung will Top-Forschung und Lehre zusammenbringen und soll ein Aushängeschild für den Kölner Wissenschaftsstandort sein, aber auch nach NRW und Deutschland hinausstrahlen. Kernstück wird ein Masterstudiengang auf Englisch sein, der zum Wintersemester 2027/28 beginnen soll. Geplant sind zudem Events für die gesamte Uni und die Öffentlichkeit in Köln.
Finanziert wird das Ganze durch eine großzügige Spende der Alfred Landecker Foundation. Die Stiftung unterstützt die ASG dauerhaft mit zehn Millionen Euro pro Jahr. Auch der Stiftungsvorsitzende Peter Harf war bei der Feier anwesend.
Aktuell ist die ASG noch in den Gebäuden der WiSo-Fakultät untergebracht. Mittelfristig soll aber ein eigener Bau in der Nähe des Hauptcampus entstehen.
Redner gedachten an früheren OB und Kanzler Konrad Adenauer
Die Aula war proppevoll. Neben Studierenden und Uni-Mitarbeitern waren auch viele Prominente gekommen: Angehörige der Adenauer-Familie, OB Torsten Burmester, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Köln-Bonn Ulrich Voight, Polizeipräsident Johannes Hermanns und Gerald Böse von der Kölnmesse.
Doch nicht alle feierten mit. Während drinnen die Reden geschwungen wurden, gab es draußen auf den Uniwiesen eine Demonstration. Der AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) hatte zum Protest gegen den Kanzlerbesuch aufgerufen. In einer Erklärung wurde die „unsoziale“ Politik der Regierung kritisiert, die Studierende, Arbeitslose, Pflegekräfte und Schüler treffe. Ein Polizist vor Ort schätzte die Zahl der Demonstrierenden auf rund 2500. (red)
