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Kölner LutherkircheGemeinde verhandelt mit neuem Pächter – trotz Protest

Die Lutherkirche in der Südstadt wurde entwidmet.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die Lutherkirche in der Südstadt wurde entwidmet.

Trotz Protest und 13.000 Unterschriften: Die Kölner Lutherkirche ist Geschichte, die Entwidmung des Gotteshauses ist beschlossene Sache.

Die Wut in der Kölner Südstadt kocht. Trotz massivem Widerstand gegen die Schließung des Gotteshauses, hat die Kirchenleitung einen neuen Partner gefunden, der als Pächter das Areal übernehmen und umgestalten soll.

Das „Kölner Initiativenhaus für Menschenrechte und Demokratie“ soll in die Lutherkirche in der Südstadt einziehen. Damit startet der von diversen Demokratie-Gruppen unterstützte Verein einen weiteren Anlauf, um sein ambitioniertes Vorhaben an einer prominenten städtischen Adresse zu verwirklichen.

13.000 Stimmen gegen das Aus: Petition „Rettet die Lutherkirche“

Schon seit 2018 ist das Initiativenhaus auf der Suche nach einem festen Standort im Stadtzentrum. Ein vielversprechender Plan platzte vor zwei Jahren: Die Idee, das Fort X im Agnesviertel zu einem Hub für gemeinnützige Projekte umzugestalten, scheiterte. Zwar hatte das Initiativenhaus eine Zusage im städtischen Bewerbungsprozess erhalten. Die Verwaltung selbst verbockte jedoch das anschließende Vergabeverfahren, da Vorgaben aus Bebauungsplan und Landschaftsschutz missachtet wurden.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, führt der gemeinnützige Verein die Gespräche gemeinsam mit zwei privaten Geldgebern als Partner der evangelischen Gemeinde von Köln. Diese sieht sich aktuell massivem Gegenwind ausgesetzt. Die Bewegung „Rettet die Lutherkirche“ verlangt die Bewahrung des „kulturellen Herzens der Kölner Südstadt“.

Während einer Zusammenkunft mit Kirchenvertretern in der Antoniterkirche wurde eine Petition mit 13.000 Namen übergeben. Am Wochenende machten die Gegner der Kirchenführung bei der Entwidmungszeremonie vor dem Eingang lautstark ihrem Ärger Luft.

Laut der Petition sind durch das Aus „zahlreiche kulturelle und soziale Projekte, die hier ihre Heimat gefunden haben“ in Gefahr. In den vergangenen Jahren avancierte die Lutherkirche zum zentralen Treffpunkt der Weltmusik-Community in Köln. Neben Gottesdiensten wurden im Kirchenschiff unzählige Konzerte und Events abgehalten. All das drohe zu verschwinden.

Nur der Turm der Lutherkirche könnte nach einem Umbau stehenbleiben. Der Kirchenraum steht nicht unter Denkmalschutz.

Copyright: Thilo Schmülgen

Nur der Turm der Lutherkirche könnte nach einem Umbau stehenbleiben. Der Kirchenraum steht nicht unter Denkmalschutz.

Die Evangelische Kirche entgegnet, dass Kulturangebote auch in anderen Gotteshäusern existieren und vieles aus der Lutherkirche etwa in die Kartäuserkirche verlagert werden könnte. Dem widerspricht die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ vehement. Kulturmanager Jan Krauthäuser bringt es auf den Punkt: „Etwas, das sich über lange Jahre an einem Ort verwurzelt hat, lässt sich nicht einfach an einen anderen Ort verpflanzen“.

Trotz des lauten Widerstands hat die Kirche eine klare Entscheidung getroffen: Verhandelt wird vorerst ausschließlich mit dem Initiativenhaus und den privaten Investoren, die es unterstützen. „Wir freuen uns sehr, mit dem passenden Partner in die Entwicklung zu starten“, äußerte sich Pfarrer Markus Herzberg, der Vorsitzende des Presbyteriums der Kölner evangelischen Gemeinde. Die Gespräche fänden nun auf exklusiver Basis statt. „Die Richtung steht, und wir gehen in die Ausgestaltung eines Ortes, der nah an den Menschen lebendig und vielfältig bleibt.“ Es ist eine Kombination aus sozialem Wohnungsbau und „einem Ort der Begegnung“ geplant, dessen Gestaltung dem Initiativenhaus obliegen soll.

Im vorangegangenen Bieterprozess blieben am Schluss offenbar zwei aussichtsreiche Bewerber übrig. Gerüchten zufolge war neben dem Initiativenhaus mit seinen privaten Partnern auch der Kölner Immobilienentwickler Christoph Kahl im Spiel. Dessen Unternehmen Jamestown ist dafür bekannt, historische Gebäude wie den Chelsea Market in New York zu modernisieren und anschließend mit Profit zu veräußern. Für die Kirche schien er jedoch nicht der geeignete Kandidat für weitere Gespräche zu sein, angeblich auch, weil er einen Erbpachtvertrag ablehnte.

Zündstoff in der Südstadt: Verhandlungen sorgen für Unmut

Die Gespräche mit dem Initiativenhaus und seinen Förderern könnten in der ohnehin angespannten Atmosphäre rund um die kirchlichen Sparmaßnahmen für Streit sorgen. Dass nun zwei Akteure aus dem gemeinnützigen und zivilgesellschaftlichen Sektor quasi gegeneinander antreten, sorgt nicht nur in der Südstadt für ungläubiges Kopfschütteln.

„Wir nehmen den Protest ernst“, versichert Andreas Müller, Vorstandsmitglied des Initiativenhauses und Geschäftsführer des Vereins „Democracy International“. Die Zukunft des Kirchenraums als großer Veranstaltungsort ist jedoch ungewiss. „Wenn man ihn erhalten kann, wäre das für uns eine spannende Lösung“, meint Müller. Eine Realisierung sei aber von Baugutachten und dem finanziellen Aufwand abhängig. Konkretes könne man dazu noch nicht sagen. Klarheit erhofft man sich bis Oktober. Matthias Kämper, der Finanzkirchmeister der Ev. Gemeinde Köln, rechnet damit, dass „zumindest Teile des Kirchenschiffes“ bewahrt werden könnten. Demnach würde es auch künftig einen – wenn auch vermutlich kleineren – Veranstaltungsort geben.

Für den Demokratie-Verein existieren finanzielle Obergrenzen, denn seine Tätigkeit und das geplante Großprojekt werden durch Spenden, Stiftungen und Sponsoring getragen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das „Initiativenhaus für Menschenrechte und Demokratie“, das hauptsächlich von der „Europäische Demokratie Stiftung“ getragen wird, einer Gründung von Daniel Schily. Als Neffe des früheren Bundesinnenministers Otto Schily ist er Erbe einer wohlhabenden Industriellenfamilie und Teilhaber am Technologieunternehmen Voith. Das 1867 ins Leben gerufene Unternehmen zählt mit einem jährlichen Umsatz von beinahe fünf Milliarden Euro zu den größten Familienkonzernen in Europa. Der gelernte Lehrer setzt sein Kapital als Förderer für zivilgesellschaftliche Vorhaben ein. Sein Ziel ist die Stärkung von Bürgerbeteiligung, und er macht sich unter anderem für mehr direkte Demokratie mittels Bürgerentscheiden stark.

Betsy de Torres und Jan Krauthäuser von der Initiative „Rettet die Lutherkirche“ vor dem Gespräch mit der Kirchenleitung: Sie übergaben den Verantwortlichen der Evangelischen Gemeinde Köln eine Petition mit 13.000 Unterschriften.

Copyright: Arton Krasniqi

Betsy de Torres und Jan Krauthäuser von der Initiative „Rettet die Lutherkirche“ vor dem Gespräch mit der Kirchenleitung: Sie übergaben den Verantwortlichen der Evangelischen Gemeinde Köln eine Petition mit 13.000 Unterschriften.

Die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ lässt sich von den jüngsten Beschlüssen der evangelischen Gemeindeführung nicht entmutigen und will weiterkämpfen. Laut Krauthäuser erwägt man, eine Stiftung oder eine gemeinnützige GmbH ins Leben zu rufen, um als potenzieller Gesprächspartner agieren zu können. Gemeinsam mit dem Verein „Südstadtleben“ hat er in der Vergangenheit unzählige Konzerte, Festivals und weitere Events in der Lutherkirche auf die Beine gestellt.

Sollten die Gespräche zwischen der Kirche und dem Initiativenhaus samt Partnern platzen und der Bieterprozess für einen Erbpachtvertrag neu aufgerollt werden, will die Initiative ihren Hut in den Ring werfen. „Wir können nicht auf die Kirche oder den Staat zählen. Wir müssen das selber machen.“ Die Unterredung mit den Kirchenverantwortlichen letzte Woche sei zwar „sehr gut“ verlaufen, das Resultat sei aus seiner Perspektive jedoch „dürftig“. (red)

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