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Wie bitte?Neue Kölner 200-Millionen-Schule bekommt keine Klimaanlage

Auf dem Gelände des früheren Autohauses Strunk an der Neusser Straße soll bis 2031 ein neues Gymnasium gebaut werden – ohne Klimaanlage.

Copyright: Arton Krasniqi

Auf dem Gelände des früheren Autohauses Strunk an der Neusser Straße soll bis 2031 ein neues Gymnasium gebaut werden – ohne Klimaanlage.

Trotz Protesten von Eltern und Lehrern: Kölns 200-Millionen-Neubau wird ohne Klimaanlage geplant. Das hat die Stadt Köln bestätigt. 

Die Stadt bleibt dabei, obwohl Eltern und Lehrkräfte wegen der Affenhitze in den Klassenräumen auf die Barrikaden gehen. Ein nagelneues Gymnasium wird ohne Klimageräte geplant. 

Klassenzimmer wie Saunen, Schüler und Lehrpersonal am Limit ihrer Konzentration, Unterricht fällt reihenweise aus: Vor den Sommerferien sorgte eine wochenlange Hitzewelle in zahlreichen Kölner Bildungseinrichtungen für Zustände, die kaum noch auszuhalten waren.

Keine Klimaanlage für geplante Schule, auch nicht für die Turnhalle

Wegen der immer häufigeren Hitzetage verlangen Elternvertretungen und Gewerkschaften im Bildungsbereich auch für Köln die Installation von Klimageräten. Die Regierung in Frankreich hat als Reaktion auf die Hitze Ende Juni eine Investition von 130 Millionen Euro beschlossen, damit Schulen und Kitas zügig mit Kühltechnik versorgt werden. In der Domstadt hingegen sind solche Anlagen nicht mal bei Neubauprojekten eingeplant.

Eine Sprecherin der Kölner Verwaltung bekräftigte nun gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass sogar das zukünftige Gymnasium in Nippes, dessen Eröffnung in fünf Jahren ansteht, ohne eine Klimatisierung auskommen muss. Ein Investor soll die Bildungseinrichtung bauen, wofür die Stadt über die kommenden 30 Jahre eine Miete von über 200 Millionen Euro entrichten wird.

Sowohl das Hauptgebäude als auch die zugehörige Dreifach-Turnhalle sollen keine Kühlung bekommen. Laut der Sprecherin der Stadt würden diese „grundsätzlich nicht in Schulen und Sporthallen eingebaut. Eine mechanische Be- und Entlüftung hingegen ist vorgesehen“.

Weiterhin erklärte sie, es seien „bestimmte Luftwechselraten einzuhalten, damit die Fenster nicht geöffnet werden müssen. Die Luft wird aber nicht temperiert.“ Die angestrebte Temperatur im Inneren „werde auch in den Sommermonaten durch die Dämmung der Gebäudehülle und Verschattung der Fensterflächen erzeugt“.

Trotz Hitze: Stadt Köln will wegen CO₂-Emissionen und Kosten keine Klimaanlagen

Die städtischen Energieleitlinien sind der Anlass für die Ablehnung von Klimageräten. Laut diesen Vorgaben soll ihr Einsatz vermieden werden, da sie CO₂ ausstoßen, hohe Anschaffungs- und Betriebskosten nach sich ziehen, die Stromversorgung strapazieren und die Umgebung aufheizen, erläutert die Stadt. Abweichungen von dieser Vorschrift seien „auf ein Minimum zu begrenzen“ und beispielsweise für Kitas, Museumsdepots oder Event-Locations wie die Aula einer Schule erlaubt.

Für den Neubau in Nippes sei eine Klimatisierung nicht notwendig, unterstreicht die Sprecherin der Stadt. „Bei einem nach den Energieleitlinien errichteten Neubau mit mechanischer Be- und Entlüftung ist die Situation auch an den extremen Tagen beherrschbar.“

Zwar könne dieses Verfahren „nicht die Leistung einer Klimaanlage erreichen, reicht in gut gedämmten Gebäuden aber aus“. Zugleich gibt sie zu: „Bei Außentemperaturen über 30 Grad Celsius kann, wenn die Nachtabkühlung fehlt, über einen gesamten Tag hinweg nur eine Klimaanlage Raumtemperaturen unter 26 Grad erzeugen.“ Theoretisch wäre die Nachrüstung beim gerade vergebenen Bauvorhaben noch eine Option. Dies sei aber „mit Mehrkosten und Zeitverlust verbunden, die die Stadt Köln als Mieterin tragen müsste“, fügt die Sprecherin hinzu.

Gewerkschaft spricht von teils unzumutbaren Arbeitsbedingungen in Kölner Schulen

Der Verzicht auf eine Kühlung sorgt bei Eltern und Lehrkräften angesichts der letzten Hitzewelle für heftigen Unmut. „Wir hatten in vielen Kölner Schulen zuletzt tagelang mehr als 30 Grad, in oberen Etagen sogar bis zu 40 Grad. Das sind unzumutbare Arbeitsbedingungen, sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für das Lehrpersonal“, erklärt Ulrich Redeker (39). Er engagiert sich im Arbeitskreis Gesundheit beim Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ist Lehrer an einer Hauptschule in der Stadt.

„In vielen älteren Schulgebäuden in Köln ist die Lage im Hochsommer unerträglich“, moniert Redeker. Es brauche schnell Abhilfe – durch Klimageräte, die Entsiegelung von Schulhöfen, zusätzliche Schattenspender und mehr Grün. „Es darf nicht sein, dass dauernd Unterricht ausfallen muss, weil es in den Klassenzimmern zu heiß ist. Und dass die Stadt Köln selbst bei Schulneubauten keine Klimaanlagen einbaut, ist schlicht unbegreiflich.“

Sogar der Oberbürgermeister Torsten Burmester (63, SPD) äußerte gegenüber unserer Redaktion Verständnis. Er könne „den Wunsch zum Einbau von Klimaanlagen und weiteren Maßnahmen zum Hitzeschutz an Schulen völlig nachvollziehen. Aktuelle Hitzewellen führen zu Raumtemperaturen, die schulisches Lernen kaum möglich machen.“

Darauf angesprochen, ob die Energierichtlinien der Stadt im Hinblick auf den Schutz vor Hitze angepasst werden müssten und ob er sich persönlich dafür starkmachen würde, antwortete Burmester: „Unsere eigenen Leitlinien müssen der Stadtverwaltung ermöglichen, schnell und zielgerichtet auf akute Situationen zu reagieren. Schließungen von Schulen und Kitas müssen verhindert werden.“

„Zweiklassengesellschaft“ wegen Klimaanlage?

Die Befürchtung von Eltern und Lehrpersonal, dass die Installation von Kühltechnik in Neubauten eine „Zweiklassengesellschaft“ schaffen könnte – mit manchen Kindern in gekühlten Räumen und anderen, die Hitzefrei erhalten –, wies der Oberbürgermeister zurück: „Dass neue Schulgebäude anderen Standards entsprechen als alte, ist nicht vermeidbar.“

Eine solche Spaltung entstehe dadurch nicht zwangsläufig. „Grundsätzlich ist jeder Schulstandort individuell zu betrachten und wird entsprechend individuell entwickelt. Dabei müssen wir immer die angespannte Haushaltslage im Blick haben.“ (red)

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