Der Streik und die Folgen. Nicht nur die Gastro war betroffen – allerdings sieht der Einzelhandel noch ein anderes Problem.
Nach dem StreikKölner Gastro stöhnt – Einzelhandel warnt vor viel größerem Problem

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Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Aachen-Düren-Köln (Archivfoto)
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Der Streik in Köln ist erst mal vorbei – Busse und Bahnen fahren wieder. Was bleibt: frustrierte Wirte und ein mahnender Einzelhandel!
Marin Schlüter, Vorstandsmitglied der IG Gastro und Betreiber der Gaststätte „Reissdorf am Hahnentor“ sprach gegenüber EXPRESS.de von heftigen Einbußen.
Kölner Gastro beklagt Einbußen wegen des Streiks
Am Freitag und Samstag hätten viele Gäste ihre Reservierungen abgesagt. Zudem beklagt der Wirt „einen Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent.“
Unzufrieden ist auch der Einzelhandel. Viele verzichteten vor allem am Samstag auf eine Shoppingtour in der Innenstadt.
„Selbstverständlich spürt der innerstädtische Handel Einschränkungen im ÖPNV unmittelbar. Wenn Bahnen und Busse nicht fahren, werden insbesondere spontane Besuche, Erledigungen nach Feierabend oder der klassische Innenstadtbummel erschwert. Das bleibt nicht ohne Effekt“, erklärt Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Aachen-Düren-Köln, gegenüber EXPRESS.de.
Gleichzeitig sei es ihm wichtig, sauber zu differenzieren: „Es handelt sich nicht um einen Streik der KVB als Unternehmen, sondern um einen Streik der Mitarbeitenden im Rahmen tariflicher Auseinandersetzungen. Als Handelsverband vertreten wir die Interessen der Handelsunternehmen in Köln, sind jedoch nicht in der Lage, Einfluß auf die Tarifpartner im ÖPNV zu nehmen“, so Hamel.
„Nach unserer Einschätzung sind die Auswirkungen eines zweitägigen Streiks spürbar, aber begrenzt. Viele Kundinnen und Kunden weichen auf das Auto aus oder nutzen alternative Angebote wie den regionalen Bahnverkehr, der regulär fährt.“
Hamel ergänzt: „Zudem haben die Kölnerinnen und Kölner in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass es zu Arbeitskampfmaßnahmen im ÖPNV kommt – entsprechend reagieren viele inzwischen pragmatisch.“
Deutlich schwerwiegender – die Erreichbarkeit der Innenstädte
Deutlich schwerwiegender für den Handel seien aus Sicht des Einzelhandels langfristige verkehrspolitische Rahmenbedingungen, die dauerhaft die Erreichbarkeit der Innenstädte verändern.
„Hier geht es nicht um zwei Tage, sondern um strukturelle Entwicklungen, die das Besuchsverhalten nachhaltig beeinflussen“, erklärt Hamel.
Seine Forderung: „Für uns bleibt entscheidend: Die Kölner Innenstadt muss für alle Verkehrsträger gut erreichbar bleiben – mit Bus und Bahn, mit dem Fahrrad und auch mit dem Auto. Nur so sichern wir Frequenz, Kaufkraft und letztlich die Attraktivität unserer Stadt.“


