Spur ins Milieu Ungeklärter Mord an Kölnerin Petra (†24): Jetzt gibt es neue Hoffnung für die Familie

Foto der 1989 in Köln ermordeten Petra Nell.

Petra Nell wurde 1989 getötet. Die Umstände sind noch immer unklar.

Wer tötete Petra Nell? Seit 32 Jahren ist der Mord an der damals 24-Jährigen Kölnerin ungeklärt. Jetzt aber kommt Bewegung in den Cold Case.

Die Geschichte der Petra Nell. Der Vater installiert Einbauküchen, die Mutter macht den Haushalt. Sie hat einen drei Jahre älteren Bruder. Die Familie lebt in der Südstadt, Kurfürstenstraße 12.

Petra besucht die Gesamtschule in Zollstock. In welche Kreise sie danach gerät, bleibt den Eltern und dem Bruder verborgen. Das „Acapulco“, eine von Petras Arbeitsstätten, ist nur wenige Minuten Fußweg von der Kurfürstenstraße entfernt. Es ist ein Saunaclub. Petra Nell arbeitet als Prostituierte.

Petra Nell: Mordfall aus Köln seit 32 Jahren ungeklärt

Später wird sie inserieren als Mannequin, Fotomodell oder Callgirl. Ihrem Bruder erzählt sie, sie würde in Discos jobben. Am Tag nach dem Verbrechen, als die Polizei die furchtbare Todesnachricht überbringt, bricht für Familie Nell die Welt zusammen.

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Petras Bruder Reiner Nell (60) sagt heute über ihren Tod: „Das ist eine Sache, mit der kannst du nie abschließen. Was mich neben dem Verlust meiner Schwester so mitgenommen hat, war, dass ich von alldem nichts wusste. Ich hätte sie da rausgeholt. Wenn sie es mir anvertraut hätte.“

Familie von Petra Nell hofft bis heute auf einen Fahndungerfolg

Auch Petras Tante, die im Kölner Süden lebt und ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Nichte hatte, hat nie mit dem Fall abgeschlossen – und hofft bis heute auf einen Fahndungserfolg.

Es war Dienstag, der 24. Oktober 1989. Der letzte Tag in Petras Leben. Nach 17.40 Uhr hatte sie ihrem Mörder in ihrer Wohnung in der Nikolausstraße in Sülz die Tür geöffnet.

Den Täter vermutete die Kriminalpolizei im Zuhälter-Milieu. Von Zeuginnen und Zeugen erfuhren die Polizeikräfte: Petra wollte aus dem Geschäft aussteigen, um mit ihrem neuen Freund ein neues Leben zu beginnen. Fürchtete ein Zuhälter um seine Einnahmen? Callgirls setzten am Tag bis zu 1000 Mark um.

Petra Nell erlitt schwerste Verletzungen durch Schläge, Tritte und mehr

Möglich, dass Petra Nell mit einer Strafaktion gezwungen werden sollte, weiter anzuschaffen – es aber zur Eskalation kam. Sie erlitt schwerste, tödliche Verletzungen durch Schläge, Tritte und durch zahlreiche Hiebe mit einer Schere.

Die Tante des Kölner Mordopfers Petra Nell liest in Zeitungsartikeln.

Die Tante von Petra Nell mit Zeitungsartikeln zum Tod ihrer Nichte. Das Foto wurde im Sommer 2021 aufgenommen.

Nachdem EXPRESS im November 2019 über den Fall berichtet hatte, erreichte die Redaktion in der Folgezeit eine möglicherweise bedeutsame Nachricht. Der anonyme Verfasser bestätigte die Kernaussage des Artikels.

Fall Petra Nell versandete trotz großen Aufwands bei Polizei und Staatsanwaltschaft

In diesem äußert der damals leitende Ermittler seine Überzeugung, den Täter aus dem Kreis des Kölner Milieus zu kennen. Doch die Beweislage war zu dünn. Etwaige DNA-Techniken zur Überführung von Tätern waren noch gar nicht entwickelt. Letztlich hatten die Ermittler nichts in der Hand, sie stießen auf echte oder angebliche Unkenntnis oder auf eine Mauer des Schweigens.

Der Fall wurde nicht geknackt und versandete – trotz „sehr umfangreicher Ermittlungen und über 100 Vernehmungen“, wie der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft Ulrich Bremer anhand der Akte Nell gegenüber EXPRESS konstatiert.

Mörder-Botschaft an EXPRESS: Lebt der Gesuchte bei Köln?

Nun aber nennt der Verfasser der Mörder-Botschaft an den EXPRESS aktuelle Informationen. Der Täter lebe bei Köln und betreibe zwei Facebook-Accounts. Dann behauptet der Verfasser: Der Mann agiere jetzt als Hochstapler, er nehme seit Jahren Frauen aus. Der Verfasser nennt weitere brisante Informationen, die unter anderem die Herkunft der Erkenntnisse erklärt. EXPRESS geht hier nicht ins Detail.

Die so zugetragene Geschichte erscheint stimmig und unglaublich zugleich. Zudem bringt der Verfasser einen Komplizen ins Spiel. Gingen oder fuhren an jenem Abend des 24. Oktober 1989 also zwei Männer in die Nikolausstraße 89?

Der Fall Petra Nell: Neue Mordkommission geht Hintergründen wieder nach

Wartete einer vor dem Haus, während der andere zur von den Ermittlern vermuteten Bestrafungsaktion Petras Wohnung aufsuchte? War das Pfeifen, das ein Nachbar laut eines damaligen Berichtes im „Kölner Stadt-Anzeiger“ gehört hatte, das Pfeifen des Komplizen, dem schwante, dass die Sache aus dem Ruder lief?

Der Fall Petra Nell liegt jetzt mit den Informationen des EXPRESS wieder ganz oben auf dem Tisch der Kölner Kriminalpolizei. Erst vor wenigen Monaten war eine eigene Mordkommission für Fälle dieser Art gegründet worden, die vom langjährigen Kriminalhauptkommissar und Mordermittler Markus Weber geleitet wird.

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