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Mordete Horror-Pfleger auch in Köln?Jetzt werden Gräber von weiteren Ex-Patienten geöffnet

Der Angeklagte Krankenpfleger (M) steht im November 2025 mit einem Aktenordner vor dem Gesicht neben seinem Anwalt Volker Breyer (r) im Gerichtssaal des Aachener Landgerichts.

Copyright: Oliver Berg/dpa

Der Angeklagte Krankenpfleger (M) steht im November 2025 mit einem Aktenordner vor dem Gesicht neben seinem Anwalt Volker Breyer (r) im Gerichtssaal des Aachener Landgerichts.

Aktualisiert:

Der Fall des Todes-Pflegers erreicht nun auch Köln. Obwohl Ulrich S. schon für zehn Morde verurteilt ist, kommen immer mehr schreckliche Details ans Licht.

Die Untersuchungen gegen den Ex-Krankenpfleger Ulrich S. haben jetzt auch in Köln eine neue, schreckliche Dimension erreicht. Wegen des Verdachts auf Mord hat die Staatsanwaltschaft bereits vier Exhumierungen von verstorbenen Patienten der Klinik angeordnet. Und es sollen noch weitere folgen.

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer, Sprecher der Kölner Behörde, erklärte, dass die sichergestellten Dokumente aus den Kliniken der Stadt in Merheim weiter analysiert werden. Dort war S. angestellt, bevor er zum Rhein-Maas-Klinikum nach Würselen ging. Es gebe bereits jetzt eine hohe Anzahl an weiteren Verdachtsfällen, so Bremer. Zusätzliche Ausgrabungen seien in Vorbereitung.

Köln rückt ins Zentrum des Grauens

Damit ist der Kölner Ermittlungsstrang viel mehr als nur ein Nebenschauplatz in einem Verfahren, das immer monströsere Ausmaße annimmt. Während in der Domstadt Gräber geöffnet werden, steigt in Aachen die Anzahl der Verdachtsmomente ins Unfassbare. Die dortige Mordkommission hat weit über 100 mögliche Opfer ausgemacht. Von diesen wurden schon rund 40 exhumiert.

Doch auch diese Zahl ist wohl nur ein vorläufiger Stand, der sich noch erhöhen könnte. Die Fahnder arbeiten sich nämlich auf der Zeitachse rückwärts vor. Laut einem Bericht der „Aachener Zeitung“ sind die Überprüfungen für das gesamte Jahr 2023 noch nicht abgeschlossen. Es fehlen also noch zwei Jahre, in denen Ulrich S. dort tätig war. Der Fall ist somit zu einem der größten Mordverfahren der deutschen Nachkriegszeit geworden.

Anfang November des vergangenen Jahres wurde der angeklagte Pfleger vom Landgericht Aachen bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt – wegen zehn Morden und 27 Mordversuchen. Die Taten soll er im Zeitraum von Dezember 2023 bis Mai 2024 auf der Palliativ-Abteilung in Würselen begangen haben. Das Gericht ist überzeugt, dass der heute 44-Jährige im Nachtdienst eigenmächtig überdosierte Sedativa spritzte, um ungestört zu sein.

Vorwiegend soll der Mann Midazolam eingesetzt haben, ein Sedativum und Narkosemittel, das in der Palliativmedizin hauptsächlich für Notfälle reserviert ist. Teilweise nutzte er auch Morphin. Das Urteil ist aber noch nicht final: Seine Anwälte legten Revision ein, weshalb sich nun der Bundesgerichtshof damit befassen muss. Bis zu einer Entscheidung, die erfahrungsgemäß dauert, gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Razzia in der Kölner Klinik Merheim

Für die Kölner Ermittlungen ist die Zeit vor dem Herbst 2020 von großer Bedeutung. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ war Ulrich S. circa sieben Jahre in Köln-Merheim beschäftigt und in unterschiedlichen Abteilungen eingesetzt. Bei Razzien im letzten Jahr wurden in Merheim, in der zentralen Klinikverwaltung und bei einem IT-Dienstleister Datenträger und Papiere beschlagnahmt. Dieses Material soll nun helfen, Dienstpläne, Medikamentenlisten und auffällige Krankheitsverläufe zu rekonstruieren.

Die Exhumierungen stellen dabei ein besonders drastisches, aber kriminalistisch logisches Mittel dar. In Würselen hatten rechtsmedizinische Analysen bei früheren Fällen Anzeichen für die Gabe von Medikamenten kurz vor dem Ableben ergeben, die nicht mit den Vermerken in den Krankenakten übereinstimmten. Genau solche Vergleiche sind jetzt vermutlich auch in Köln das Ziel.

Gab es schon in Köln deutliche Warnsignale?

Schon während seiner Zeit in Köln-Merheim gab es offenbar Anzeichen, dass mit Ulrich S. etwas nicht in Ordnung war – lange, bevor der Skandal in Würselen publik wurde. Eine ehemalige Pflegeschülerin sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, Ulrich S. habe sich extrem respektlos gegenüber Mitarbeitern und Patienten gezeigt und Medikamente gegeben, die auf diese Weise wohl nicht verordnet waren. Dies meldete sie sogar der damaligen Klinikführung.

Statt einer lückenlosen internen Untersuchung endete die Sache mit einer Kündigung, die für den Beschuldigten mehr wie ein geordneter Abgang wirkte als eine Warnung für spätere Arbeitgeber. Er bekam sogar ein Arbeitszeugnis, mit dem er sich dann in Würselen vorstellte.

Gegen andere Angestellte des Klinikums Merheim wird zurzeit nicht ermittelt. Das betrifft auch die Kollegen in Würselen, wo anscheinend niemand den massiv gestiegenen Verbrauch von Betäubungsmitteln während der Dienste von Ulrich S. registrierte.

Strafrechtlich könnten hier unter anderem fahrlässige Tötung, Körperverletzungsdelikte oder Verstöße gegen Dokumentations- und Abgaberegeln relevant sein. Das Krankenhaus sprach nach internen Prüfungen sieben Abmahnungen aus. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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