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Monster-Hitze rollt auf Köln zuExperten warnen vor „stillem Killer“

Hitze in der Region Hannover

Copyright: Julian Stratenschulte/dpa

Durch den Klimawandel werden Hitzetage häufiger und intensiver.

Die Hitze rollt auf Köln zu und ist ein „stiller Killer“. Sie greift nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche an.

Die Hitzewelle rollt an und bringt Temperaturen über 30 Grad nach Köln und in die Region. Das ist nicht nur Zeit für Freibad und Biergarten, sondern auch eine echte Belastung. Für Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen kann die Hitze sogar lebensgefährlich werden.

„Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit“, warnt die Epidemiologin Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München. Was passiert da im Körper? Die Hitze weitet die Blutgefäße. Der Blutdruck fällt ab, das Herz muss ackern, um das auszugleichen. Für Menschen mit Vorerkrankungen steigt die Gefahr für einen Herzinfarkt oder Rhythmusstörungen. Und wer zu viel schwitzt, trocknet aus. Das kann im schlimmsten Fall zum Kollaps oder zu Blutgerinnseln führen.

Diese Kölner und Kölnerinnen sind besonders in Gefahr

Laut Schneider trifft es vor allem Menschen mit Problemen an Herz, Niere oder Lunge, aber auch Diabetiker und Demenzkranke. „Ältere Menschen sind insgesamt am anfälligsten, da ihre Anpassungsfähigkeit an Hitze und ihr Durstempfinden oft eingeschränkt sind“, so die Expertin.

Der Geriatrie-Forscher Kilian Rapp vom Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart ergänzt: „Personen, die ans Bett gebunden oder dement sind, sind zu so elementaren Maßnahmen nicht mehr in der Lage.“ Einfach mehr trinken oder in einen kühlen Raum gehen – für sie ist das unmöglich.

Auch die Wohnsituation ist entscheidend. Wer unterm Dach oder alleine wohnt, ist laut Rapp stärker gefährdet. Eine riesige Belastung ist die Hitze auch für werdende Mütter, erklärt Petra Arck vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, da sich die Durchblutung der Gebärmutter verändern kann.

Und unsere Pänz? Gehören ebenfalls zur Risikogruppe. „Weil sich ihr Körper noch entwickelt, sie mehr Zeit im Freien verbringen und sie im Verhältnis mehr körperlich aktiv sind und eine höhere Atemfrequenz haben als Erwachsene“, erklärt Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München.

Die Hitze, der „stille Killer“: So tödlich ist der Sommer

Man nennt die Hitze den „stillen Killer“. Der Grund: Sie taucht selten direkt als Todesursache in der Statistik auf. Stattdessen berechnet das Robert Koch-Institut (RKI) die sogenannte Übersterblichkeit. Das Ergebnis ist erschreckend: Allein im vergangenen Jahr starben in Deutschland schätzungsweise 2.500 Menschen an den Folgen der Hitze. In heißeren Sommern war die Zahl sogar noch viel höher.

Die meisten Todesfälle werden dabei nicht als Hitzschlag erfasst. „Die häufigsten, in Statistiken festgehaltenen hitzebedingten Todesursachen seien Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen“, erklärt Veronika Huber vom Institut des Spanischen Nationalen Forschungsrats. Doch die Todesfälle sind nur die sichtbare Spitze. Bei Hitze steigt auch das Risiko für Schlaganfälle und Migräne, und Symptome von Multipler Sklerose oder Epilepsie können sich verschlimmern, wie die Neurologin Ameli Breuer von der Berliner Charité erklärt.

Kurze Zündschnur? So greift die Hitze unsere Psyche an

Aber auch wer kerngesund ist, spürt die Auswirkungen. „Wahrscheinlich hat jeder schon mal am eigenen Leib erlebt, wie sich Hitze auf die psychische Gesundheit auswirken kann: Wir können uns schlechter konzentrieren, schlafen schlechter oder werden reizbarer oder sogar aggressiv“, sagt Sebastian Karl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim.

Besonders fies: Tropische Nächte, wenn das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt. Das schlägt auf die Psyche und die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag. Hans Knoblauch vom Universitätsklinikum Ulm warnt sogar: „Bei Hitze reagieren Menschen potenziell schneller gereizt, was sich unter anderem in einer Zunahme von häuslicher Gewalt, Fouls beim Sport und aggressiverem Fahrverhalten im Verkehr niederschlagen kann.“ Bei der laufenden WM, wo die Hitzebelastung als außergewöhnlich hoch gilt, könnte das eine Rolle spielen.

Konkrete Hitzewellen lassen sich nur kurzfristig vorhersagen. Doch der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht tendenziell von einem Sommer aus, der wärmer wird als der Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. „Unsere aktuelle saisonale Klimavorhersage zeigt eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent für mehr heiße Tage, also Tage mit einer Maximumtemperatur über 30 Grad“, so Amelie Hoff vom DWD. Das ist keine Überraschung: Durch den Klimawandel hat sich Deutschland bereits um rund 2,5 Grad erwärmt – deutlich stärker als der globale Durchschnitt.

Die besten Tipps: So kommen Sie gut durch die Hitze-Tage

Was also tun? Das Wichtigste: Viel trinken, deutlich mehr als sonst! „Bei hohen Umgebungstemperaturen kann der Körper selbst in Ruhe pro Stunde etwa 500 bis 700 Milliliter Flüssigkeit über Schweiß verlieren – oft unbemerkt“, erklärt Hanns-Christian Gunga von der Charité. Sein Tipp: „Etwa alle 20 bis 30 Minuten circa 200 Milliliter trinken.“ Ein einfacher Check ist die Waage: Ein Gewichtsverlust von zwei bis drei Kilo an einem heißen Tag deutet auf massiven Flüssigkeitsmangel hin.

Haltet eure Wohnung kühl, am besten mit Rollläden oder Markisen von außen. „Nächtliches Lüften kühlt die Wohnung und bringt Frischluft“, rät Experte Rapp. Sucht zwischendurch immer wieder kühle Räume auf, um eurem Körper eine Pause zu gönnen. 

Gefordert ist aber nicht nur jeder Einzelne. Auch die Politik muss handeln und die Bevölkerung schützen, etwa durch Hitzeaktionspläne in den Kommunen. Doch hier gibt es laut Experten noch großen Nachholbedarf. (dpa/red)

Drei Polizeikräfte stehen vor einem Haus, der Bereich davor ist mit Flatterband abgesperrt.
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