Ein Vorschlag, der für Zündstoff sorgt. Der Chef von Deutschlands größtem Wohnungskonzern will die Mietregeln komplett umkrempeln. Für viele – auch in Köln – könnte das Wohnen bald deutlich teurer werden.
Miet-Hammer auch in Köln drohtVonovia-Chef will Mieten für viele Wohnungen freigeben

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Vonovia-Chef Luka Mucic fordert eine Reform der Mietpreisbremse. Links von ihm die Aufsichtsratsvorsitzende Clara C. Streit (Archivbild).

Der Chef des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia, Luca Mucic, hat einen Vorschlag gemacht, der es in sich hat. Er will die Mietregulierung radikal reformieren und die Mieterinnen und Mieter quasi in drei Klassen aufteilen. Sein Plan: Nur noch ein Drittel der Wohnungen soll streng reguliert und an sozial Bedürftige mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden.
Für die anderen zwei Drittel der Mieterinnen und Mieter sollen die Regeln dagegen fallen. Das bedeutet: Die Mietpreisbremse und die Kappungsgrenzen würden für sie nicht mehr gelten. Die Mieten könnten also deutlich freier und damit wahrscheinlich auch stärker steigen. Allein in Köln vermietet Vonovia insgesamt rund 7000 Wohnungen.
Vonovia-Chef: „Stärker sozial differenzieren“
Mucic begründet seinen Vorstoß damit, dass die bisherige Mietpreisbremse sich seiner Ansicht nach „nicht als wirklich tauglich erwiesen“ habe, um den Mangel an neuen Wohnungen zu beheben. „Ich glaube, dass wir stärker sozial differenzieren müssen“, sagte der Manager. Mit der neuen Regelung sollen Investitionen in den Neubau für Unternehmen wieder attraktiver werden.
Doch was passiert mit den Leuten, die keinen Wohnberechtigungsschein haben, sich die steigenden Mieten aber trotzdem nicht leisten können? Auch dafür hat der Vonovia-Chef eine Idee: ein sogenanntes Härtefallmanagement. Für Mieter, die durch die freie Preisbildung in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sollen „sozial ausgewogene Einzelfallregelungen“ geprüft werden.
Doch komplett ohne Regeln soll es auch in Zukunft nicht gehen. Eine ersatzlose Streichung der Mietpreisbremse lehnt Mucic entschieden ab. Zwar sei sie ein künstlicher Eingriff in den Markt, der die Preise beschränkt. „Aber da muss man den Wahrheiten ins Gesicht sehen. Ohne das haben Sie ein noch massiveres soziales Problem“, warnte der Manager.
Den brisanten Vorschlag machte Mucic bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf – also direkt hier bei uns in NRW. Der Vorstoß des Managers dürfte auch in Köln und der Region für hitzige Debatten sorgen, wo bezahlbarer Wohnraum seit Jahren ein riesiges Thema ist.
Vonovia ist ein echtes Schwergewicht auf dem Wohnungsmarkt: Ende März managte der Konzern allein in Deutschland fast 471.000 seiner Wohneinheiten. Die durchschnittliche Monatsmiete betrug dabei 8,26 Euro je Quadratmeter – ein Plus von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. (dpa/red)
