Eigentlich nur ein dröges Arbeitstreffen der NRW-CDU in Düsseldorf. Doch dann kam plötzlich der Kanzler – und die Stimmung kippte.
Merz in NRWKanzler holt sich Applaus ab – und bekommt Geschenk von Wüst

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Hendrik Wüst (r., CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, überreichte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Landesparteitag der CDU Nordrhein-Westfalen ein gelbes Rennradtrikot.
Da rollt die Kanzler-Kolonne vor dem Düsseldorfer Maritim Hotel an, und Hendrik Wüst quatscht noch mit einem jungen Gast. Friedrich Merz steigt aus, blickt sich um: „Wo ist der Ministerpräsident?“
Der kommt dann auch dazu. Kein herzliches Drücken, eher ein kühler Händedruck. Business as usual zwischen den beiden. „Habt Ihr schon angefangen?“, fragt Merz.
„Warme Dusche“ für Friedrich Merz
Und ob! Die Andacht, das Gedenken, die Begrüßung – alles schon durch. Eigentlich sollte der Landesparteitag unter dem Motto „Ideen für Morgen. Gemeinsam für NRW“ ein reines Arbeitstreffen sein. Bis Mittwoch hieß es noch, Merz komme nicht. Zu viel Stress mit dem Nato-Gipfel in Ankara, so die offizielle Begründung.
Aber dann kam in der Nacht zu Donnerstag die Einigung auf das große Reformpaket – und Merz schmiss seine Pläne um. „Dem Friedrich war wohl jetzt danach, sich von der Basis mal abfeiern lassen“, raunt ein Delegierter dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu. „Eine warme Dusche tut ihm gut. Er will sich in seinem Landesverband als der Steuermann feiern lassen, der die CDU wieder zu alter Stärke führt“, meint das Parteimitglied.
Die Stimmung bei vielen Delegierten ist jedenfalls top. Das Reformpaket sei eine echte Chance für einen „Wendepunkt“, glaubt der Landtagsabgeordnete Klaus Voussem. Auch Düsseldorfs OB Stephan Keller ist optimistisch: „Das Reformpaket ist ein gutes Zeugnis für die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung. Ich bin dafür, dass wir das jetzt erstmal so durchziehen.“
Gerüchte um „Kanzlertausch“: Wüst und Merz demonstrieren Harmonie
Jedes Treffen von Wüst und Merz wird argwöhnisch beäugt. Die Gerüchte über einen möglichen „Kanzlertausch“ sorgten zuletzt für mächtig Zoff hinter den Kulissen. In Düsseldorf? Pure Harmonie-Show! Da kann auch NRW-Innenminister Herbert Reul die beiden nicht aus der Fassung bringen. Der Leichlinger kündigte Wüst mit einem kleinen Seitenhieb an: „Jetzt spricht der wichtigste Redner für unsere Landespartei: Hendrik Wüst.“
Der Ministerpräsident verspricht Merz „die volle Rückendeckung“ der NRW-CDU für sein Reformprogramm. „Das ganze Paket kann sich wirklich sehen lassen“, ruft Wüst in den Saal. In Berlin seien „richtig dicke Bretter gebohrt“ worden. Das zeige, dass die politische Mitte auch bei harten Brocken noch Lösungen finden kann.
„Der Friedrich geht die Dinge voller Tatkraft an“, lobt Wüst den Kanzler. Dann zählt er die Erfolge seiner eigenen NRW-Regierung auf – aber ganz vorsichtig, bloß nicht so, dass es nach einem Angriff auf den Chef aussieht.
Merz punktet in NRW mit klaren Ansagen
Auch der Bundeskanzler gibt das Lob zurück. Er verspricht volle Unterstützung aus Berlin für die Landtagswahl im nächsten April. „Wir sorgen dafür, dass das Land in guten Händen bleibt“, so Merz.
Klar, Merz feiert sein Reformpaket als Meilenstein. Er zieht sogar den ganz großen Vergleich mit den CDU-Legenden Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Die hätten damals auch mutige Entscheidungen für Freiheit und Wohlstand getroffen. Und dann ruft er unter tosendem Applaus in den Saal: „Die besten Jahre Deutschlands liegen nicht hinter uns. Es liegen, wenn wir es richtig machen, sehr gute Jahre vor uns.“
Richtig laut wird der Applaus, als Merz einen Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch ankündigt. „Wir machen das jetzt hier, packen es an, wir setzen unsere Versprechungen um“, verspricht der Kanzler. Das Bürgergeld sei „Geschichte“. Und die Kommunen? Die sollen mehr Geld vom Bund kriegen. Wenn der Bund was bestellt, muss er auch zahlen. Ein kleiner Gruß an Wüst, der damit in Berlin ja „ein bisschen genervt“ habe.
Merz teilt aus: „Nörgler, wegtreten!“
Am Ende seiner Rede teilt Merz dann richtig aus – gegen alle Kritiker des Reformpakets: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten! Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit und wir bringen unser Land wieder auf das Level, auf das wir es verdient haben.“
Dieser Kampf-Modus kommt super an. Wüst, clever vorbereitet, gießt noch Öl ins Feuer der Begeisterung und schenkt Merz ein gelbes Trikot – das Trikot des Führenden bei der Tour de France! Der Kanzler strahlt, nimmt das Geschenk an und hält es sich lachend vor die Brust.
Nach der Mittagspause ist der Kanzler weg und es wird wieder gearbeitet. Der CDU-Bezirksverband bringt einen wichtigen Antrag zur Mobilität im Rheinland durch. Die Sperrung der Bonner Nordbrücke hat allen gezeigt: Die „Rheinspange 533“ muss her, und zwar schnell! Planung und Geld müssen jetzt Priorität haben.
Die neue Autobahn, knapp acht Kilometer lang, soll die A555 bei Wesseling mit der A59 verbinden und endlich den Großraum Köln-Bonn entlasten. Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei, ist überzeugt: „Die NRW-CDU stellt sich mit diesem Beschluss klar hinter die Unternehmen und die Menschen in unserer Region. Verlässliche Mobilität in der Power-Region Mittelrhein ist wichtig für ganz Nordrhein-Westfalen.“ (red)
