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Buhrufe beim CSD in KölnCDU-Mitglied übel angefeindet: „Ich hatte Panik in den Augen“

Ein Mitglied der queeren CDU-Gruppe LSU spricht über die Anfeindungen auf dem Kölner CSD und kritisiert Kanzler Friedrich Merz.

Ein Mitglied der LSU spricht offen über den Zwiespalt zwischen der Politik seiner Partei und der Präsenz der CDU auf dem Kölner CSD. Dabei teilt er auch gegen den Kanzler aus.

Durch die Innenstadt von Köln zogen am letzten Sonntag (4. Juli) im Rahmen des Christopher Street Days insgesamt 90 Paradewagen. Ein Fahrzeug fiel besonders auf, da es mit lauten Unmutsbekundungen empfangen wurde.

Engagement ohne Wirkung? Die LSU auf dem Kölner CSD

Mit an Bord des Fahrzeugs der „Lesben und Schwulen der Union“ (LSU), einer Gruppierung aus dem Umfeld der CDU/CSU, war Peter Sturm-Breil. „Ich hatte Panik in den Augen“, vertraut der 66-Jährige unserer Redaktion an. „Junge und Alte haben einen Wagen beschimpft, der versucht, sich für ihre Rechte einzusetzen.“

„Für mich liegt der Widerspruch in der Tatsache, dass viele Zuschauer zu einer Demonstration gehen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt, um dann Teilnehmer dieser Demonstration bewusst zu beleidigen und auszugrenzen“, so die Einschätzung von Sturm-Breil.

Den Buhrufern scheint es nicht darum zu gehen, ob eine Organisation im CDU-Umfeld für queere Belange kämpft. Es gehe vielmehr darum, ob die Gesellschaft dies als glaubwürdig erachtet.

Sturm-Breil hebt hervor, dass LSU und CDU schon einiges bewirkt haben. Als Beleg dafür nennt er die Teilnahme des NRW-Innenministers Herbert Reul am Kölner CSD. Zugleich erkennt er eine Veränderung in der Partei, macht aber auch deutlich, wo die Grenzen dieses Wandels liegen.

„Merz ist kein gutes Aushängeschild“

„Natürlich können wir nicht so große Schritte machen, wie andere Parteien“, unterstreicht er. „Es ist ein schwerer Prozess in der heterogenen CDU.“ Trotzdem fühlt er sich der CDU weiterhin am stärksten verbunden. Der Kölner stellt klar: „Für mich ist die CDU die Volkspartei“.

Er räumt aber auch ein, dass die Parteispitze sein persönliches Engagement konterkariert. Über den Bundeskanzler urteilt er hart: „Merz ist kein gutes Aushängeschild“. In seinen Augen schadet der Kanzler einer Partei, in der es zahlreiche „gute Leute“ gebe, die einen offeneren Weg mitgehen würden.

Sturm-Breil befindet sich in einer Zwickmühle: zwischen seinem Einsatz bei der LSU und dem öffentlichen Bild der Christdemokraten. Diese Kluft in der Glaubwürdigkeit wurde durch die Reaktionen während der CSD-Teilnahme deutlich sichtbar.

Wie kann man sich für die Belange der queeren Community engagieren, wenn man einer Partei angehört, die in der jüngeren Vergangenheit wiederholt durch konservative Haltungen aufgefallen ist?

Dieses Dilemma spiegelt sich in über 800 Kommentaren wider, die unter einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die CDU-Präsenz beim CSD hinterlassen wurden. Die Vorwürfe zielen nicht nur auf bestimmte Personen oder Standpunkte, sondern auf das Fundament der Partei.

Ein Vorwurf wird dabei wiederholt geäußert: Die LSU sei Teil einer Partei, die – jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen – nicht jene Offenheit verkörpere, die beim CSD im Mittelpunkt stehen sollte.

Ein User schreibt dazu: „Trennt euch konsequent von eurer Parteispitze und sorgt dafür, dass eure Partei sich freimacht von Menschen, die queeres Leben als Zirkus bezeichnen. Dann werdet ihr auch mit offenen Armen wieder empfangen und wieder als Teil der Community gesehen und seid herzlich willkommen.“

Weitere Kommentare fallen noch bissiger aus: „Wir schränken eure Rechte immer weiter ein, aber seid bitte nicht gemein zu uns“, höhnt ein Kommentator. Ein anderer formuliert es so: „Alles, was die LGBTQAI-Bewegung erreicht hat, etwa eingetragene Lebenspartnerschaften für homosexuelle Paare oder die gleichgeschlechtliche Ehe, hat sie vor allem gegen CDU/CSU erkämpfen müssen – daran ändert auch eine Lesben- und Schwule Interessengemeinschaft innerhalb der CDU/CSU nichts. Buhrufe also voll berechtigt – ganz unabhängig von der Kritik an Friedrich Merz.“

Solche Reaktionen sind ein Zeichen für einen Frust, der weit über den CSD hinausgeht. Seit langer Zeit üben Fachorganisationen wie der CSD Deutschland e.V. oder der LSVD+-Verband Queere Vielfalt immer wieder Kritik an der Position der Union. Diese lehnt es ab, den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der „sexuellen Identität“ in Artikel 3 des Grundgesetzes zu verankern, äußert sich kritisch zum Selbstbestimmungsgesetz und votierte 2017 mehrheitlich gegen die „Ehe für Alle“.

Queere CDU-Mitglieder in der Zwickmühle

Peter Sturm-Breil setzt sich für die Rechte von queeren Menschen ein, und das im Rahmen einer Partei, die in der Außenwahrnehmung für viele aus der Community als unpassend erscheint. Sein Einsatz ist echt – doch er wird von vielen nicht gesehen.

Hier offenbart sich ein grundlegendes Problem: Ein Wandel im Inneren wirkt unglaubwürdig, solange die Politik, die nach außen dringt, im Gegensatz dazu steht. Peter Sturm-Breil kämpft gegen eine Kraft an, die stärker ist als sein persönlicher Einsatz. (red)

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