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Meltem Kaptan„Ich achte jetzt mehr auf die kleinen Dinge im Leben!“

Interview mit Meltem Kaptan in Köln

Copyright: Alexander Schwaiger

Über den Dächern von Köln für unser Interview: Meltem Kaptan erzählte uns im März 2026 von ihren vielen Projekten dieses Jahr.

Aktualisiert:

Die Kölner Schauspielerin Meltem Kaptan hat mit uns über ihre Gefühle gegenüber Horst Schlämmer, die Herausforderungen unserer hektischen Zeit und die Lust am Singen gesprochen.

In Marburg ihren Magister gemacht, in den USA Musical und Schauspiel studiert, in Köln als Comedienne gestartet – und jetzt voll und ganz im Kino-Geschehen etabliert: Meltem Kaptan (45), Tochter einer Lehrerin und eines technischen Zeichners, hat eine besondere Karriere hingelegt, in der sie immer wieder von Tragödie zu Komödie springt.

Jetzt ist mal wieder Komödie angesagt: Im Hape-Kerkeling-Kino-Hit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ spielt sie eine Frau, die für ganz besondere Glücks-Gefühle zuständig ist. Wie es mit Hape war, was sie von Horst hält und was demnächst noch mit ihr kommt – verrät sie im großen EXPRESS-Interview.

Meltem Kaptan: Zusammenarbeit mit Hape war etwas Besonderes

Sie haben eine schöne Rolle im neuen Hape Kerkeling-Film: Erst spielen Sie eine perfekte Zugbegleiterin, dann werden Sie zur ebenfalls überaus perfekten Domina. Haben Sie gleich zugesagt, oder mussten Sie erst überlegen?

Meltem Kaptan: Natürlich hat mich die Rolle gereizt. Aber bei dieser Anfrage spielte auch Sympathie eine große Rolle, denn natürlich freute ich mich, mit Hape zusammenzuarbeiten. Das ist schon was Besonderes. Ich bin ja mit ihm aufgewachsen, er war einer der Humoristen, die mich geprägt haben. Seine Figuren waren und sind so liebevoll, so im Detail gestaltet.

Horst Schlämmer ist nicht jedermanns und erst recht nicht jederfraus Geschmack. Wie ist es bei Ihnen?

Meltem Kaptan: Ich mochte ihn immer, ich habe ihn von Anfang an in mein Herz geschlossen und konnte immer über ihn lachen. Und man kann sich seinem Charme nicht entziehen! Dazu kommt, dass ich das Thema des Films unglaublich spannend fand: Horst Schlämmer, der auf der Suche nach Glück ist.

Hape Kerkeling meint, und das lässt er Horst Schlämmer sagen, dass Deutschland Rücken hat. Sehen Sie das auch so?

Meltem Kaptan: Ja, ich denke, es ist wirklich so. Natürlich passiert viel Negatives in der Welt, vieles was uns Sorgen machen muss. Und natürlich sind die Leute überlastet, sowohl vom Weltgeschehen als auch von ihrer Umwelt. Das vermittelt alles keine Glücksgefühle. Aber bei all diesen Dingen, die uns belasten, übersehen wir oft die kleinen, schönen Momente im Leben und das Menschliche. Da geht vieles verloren, was ganz wichtig ist.

Meltem Kaptan und Horst Stellmacher

Copyright: Alexander Schwaiger

Meltem Kaptan am 18. März 2026 im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher.

Was meinen Sie damit?

Meltem Kaptan: Überall herrscht ein anderer, ein rauerer Ton. Alles muss schnell gehen! Es dürfen keine Fehler passieren! Man hört kaum noch Leute lachen, sieht kaum noch Leute lächeln. Alle sind gereizt, und wenn sie einen Fehler erleben, werden sie noch gereizter. Dazu kommen die Einflüsse der digitalen Welt. Wir müssen ständig erreichbar sein, ständig auf andere reagieren, dazu prasseln Tausende von Informationen herein. Wir leben in einer Zeit, in der wir kaum Gelegenheiten haben, nur mal für uns zu sein.

Was ist Ihr Glücks-Rezept?

Meltem Kaptan: Ich achte mehr auf die kleinen Dinge des Lebens, und das mache ich viel öfter als früher. Ich hatte früher z. B. viel mehr Lampenfieber und Versagensängste, und deswegen sind viele Sachen an mir vorbeigerauscht, die es sicher wert gewesen wären, genossen zu werden. Das lasse ich heute nicht mehr zu. Heute dehne ich kleine Momente bewusst aus und versuche, sie zu spüren – ich kann es z. B. viel mehr genießen, wenn ich eine Freundin umarme, es ist herzlicher, wärmer und inniger.

Wir haben uns vor sechs Jahren zum letzten Mal zum Interview getroffen. Damals zählten Sie zu den sogenannten „Geheimtipps der Comedy-Szene“. Kurz darauf legten Sie einen Raketenstart im Filmgeschäft hin: große Filme, große Preise. Wie ist es für Sie, in so kurzer Zeit so hoch gestiegen zu sein?

Meltem Kaptan: So einfach, wie es hier klingt, war es nicht. Es war ein langer, manchmal sehr beschwerlicher Weg. Ich musste viel Elan aufbringen, um Stufe zu Stufe weiterzukommen. Doch wenn ich wirklich aufgeben wollte, konnte ich doch nicht davon lassen. Mein großes Ziel war es, an einen Punkt zu kommen, von dem aus ich mir aussuchen kann, was ich mache. Ich wollte und will für etwas stehen.

Der große Erfolg ließ bei Ihnen auf sich warten. Hätten Sie ihn gern früher gehabt?

Meltem Kaptan: Das hängt davon ab wie man Erfolg für sich definiert. Ich stand schon mit 27 Jahren für „Nightwash“ auf der Bühne, habe mit 32 Jahren meine erste TV-Show moderiert. Aber klar, der Durchbruch als Schauspielerin kam erst später. Das macht aber gar nichts, ich genieße total, welche Bandbreite an Rollen ich im letzten Jahr gespielt habe: Mutter, Busfahrerin, Magd aus dem 17. Jahrhundert, Domina, Zugbegleiterin ... das alles kann ich mit meinen 45 Jahren spielen. Also: Alles gut!

Meltem Kaptan mit Ehemann Daniel Holl

Copyright: IMAGO/Future Image

Meltem Kaptan mit ihrem Ehemann, dem Anwalt Daniel Holl, 2025 beim Besuch der Premiere von „Die Schule der magischen Tiere 4“ in der Essener Lichtburg.

Sie drehen auch in der Türkei. Wie ist das für Sie?

Meltem Kaptan: Das Gute für meine Arbeit ist da, dass ich weder in Schrift noch in Wort auffalle. Dafür muss ich vor allem meiner Mama danken, die Türkisch-Lehrerin ist und meine Schwester und mich sehr gefördert hat, damit wir gut Türkisch sprechen können. Außerdem ist es von Vorteil, dass ich den privaten Bezug zur Türkei habe: Ich habe dort viele Freunde, ich habe mal in Istanbul studiert und meine Eltern leben die Hälfte des Jahres dort.

Was war das Ihr letztes großes türkisches Film-Projekt?

Meltem Kaptan: Die Biografie „Adile Naşit“, der Film über eine der größten Schauspielerinnen der Türkei, die von 1930 bis 1987 lebte und für ihr Land so was war wie Sophia Loren für Italien. Es war eine Rolle, die mir beim Spiel sehr viel abverlangt und sehr viel bedeutet hat.

Verraten Sie uns, wo wir Sie noch in diesem Frühjahr sehen werden …

Meltem Kaptan: Ende April kommt „Der Frosch und das Wasser“, ein Arthouse-Film von Thomas Stuber, in die Kinos. Es ist ein sehr stiller, sehr berührender Film um einen jungen Mann mit Down-Syndrom, der aus seinem Heim ausbricht und sich einer Reisegruppe anschließt. Ich spiele da seine Tourbegleiterin. Ein weiteres Kino-Projekt, das auch sehr ans Eingemachte geht, ist „Söhne“ mit Hanno Koffler, Serkan Kaya und Katharina Marie Schubert. Und schließlich bin ich demnächst im Münchener Tatort zu sehen, es ist der erste mit dem neuen Ermittlerteam Carlo Ljubek und Ferdinand Hofer.

Sie haben mit Comedy angefangen – ist das jetzt für Sie vorbei?

Meltem Kaptan: Ein Stand-up-Soloprogramm schaffe ich leider zeitlich nicht mehr, was ich sehr bedauere. Aber vielleicht komme ich bald mit etwas Neuem zurück, dann nicht mehr das klassische Stand-up, sondern ein besonderer Mix aus Lustigem und Traurigem.

Sie haben 2025 als Kuh „Muuhnika“ die zwölfte Staffel der ProSieben-Show „The Masked Singer“ gewonnen. Viele Fans glauben, dass jetzt eine musikalische Karriere folgt. Ist was geplant?

Meltem Kaptan: Stimmt, da ist was entfacht worden. Kann sein, dass da wirklich was kommt …

Meltem Kaptan: Musicals, „Muuhnika“ und Marburg

Meltem Kaptan (geboren 8. Juli. 1980 in Gütersloh), wuchs in Harsewinkel auf. Studium der Anglistik, Medienwissenschaft, Grafik/Malerei in Marburg und Istanbul. Schauspiel- und Gesangsausbildung in Istanbul und Washington. Ab 2003 Musicals in den USA, u. a. „West Side Story“, „Boy Meets Girl“ und „Sweeney Todd“. Ab 2006 als Comedy-Autorin und Sprecherin bei 1LIVE, viele TV-Auftritte. Von 2019 bis 2023 moderierte sie die TV-Show „Ladies Night“ (mit Daphne de Luxe und Lisa Feller).

2022 gewann sie für den Kinofilm „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ den Silbernen Berlinale-Bären für die beste Hauptrolle, außerdem den Deutschen Filmpreis und den Deutschen Schauspielpreis. Weitere Filme: „Alter weißer Mann“, „Die Schule der magischen Tiere“ (Folgen 3 und 4). Ende 2025 war sie Siegerin der 12. Staffel von „The Masked Singer“ als Kuh „Muuhnika“. Sie ist mit Rechtsanwalt Daniel Holl verheiratet und lebt in Köln.

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