Die Kölner Schauspielerin Meltem Kaptan wurde für ihre Rolle in dem Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ mit dem Silbernen Bären bei der Berlinale ausgezeichnet.
Gefängnis-DramaErkannt? Kölner TV-Star räumt bei Berlinale Preis für beste Hauptrolle ab

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Eine Szene aus dem Film: Meltem Kaptan als Rabiye Kurnaz steht mit Alexander Scheer, der den Anwalt Bernhard Docke spielt, vor dem Weißen Haus.
Es ist eine große Ehre für die Kölner Schauspielerin Meltem Kaplan (41). Gleich mit ihrem ersten deutschen Kinofilm wurde sie am Mittwochabend (16. Februar) mit dem Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle bei der 72. Berlinale ausgezeichnet. Ihren Erfolg teilte sie zuerst mit der Frau, die sie in dem Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ dargestellt hat.
In dem Film von Andreas Dresens geht es um die Geschichte von Murat Kurnaz – dem Mann also, der in Bremen aufgewachsen ist und nach den Terroranschlägen vom 11. September ohne Anklage jahrelang in Guantánamo festgehalten wurde. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive der Mutter Rabiye Kurnaz, dargestellt von Kaptan.
Berlinale: Kölner Schauspielerin Meltem Kaptan mit Silbernen Bären ausgezeichnet
Fernsehzuschauer kennen die Entertainerin aus Formaten wie „Ladies Night“ oder anderen Shows, etwa an der Seite von Jürgen von der Lippe oder Enie van de Meiklokjes. Sie hat auch schon in einem türkischen Kinofilm mitgespielt.

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Freude pur: Meltem Kaptan mit dem Silbernen Bären der Berlinale.
In Dresens Film zeigt Kaptan ihr ganzes Können, schreibt die „Deutsche Presse-Agentur“. Sie zeichnet mit Humor und voller Energie das Porträt einer bodenständigen Frau, die bis zur Erschöpfung um Gerechtigkeit für ihren Sohn kämpft. Sie verleiht Kurnaz' Mutter Kontur, Charakter und Seelentiefen.
Nach der Preisverleihung sagte Kaptan, sie werde ein paar Tage brauchen, um alles zu verarbeiten. Das alles sei wie eine Dampfwalze gewesen, aber im positiven Sinne. Nach dem Pressetrubel wollte die Schauspielerin als erstes Kurnaz' Mutter Rabiye anrufen. „Ich glaube, sie ist gerade sehr glücklich“, so Kaptan. „Mir war es wichtig, dass sie den Film annimmt und dass sie das als Hommage versteht für ihre Lebensleistung“, sagte sie der „Deutschen Presse-Agentur“.
Auf welche Rollen hätte Kaptan als nächstes Lust? „Ich bin offen für alles Mögliche.“ Es müsse sie berühren, es sei eine Bauchsache. Bei der Besetzungspolitik im deutschen Film sieht sie einen Wandel weg vom Klischee: Es seien nicht mehr diese ganz klassischen Rollen, in denen ein Türke immer den Gangster spiele. „Wir haben ja auch schon türkische Anwälte.“ Das Glas sei halbvoll, es gehe in die richtige Richtung. „Aber da kann noch ganz viel passieren.“
Wo der Berlinale-Bär hinkommt, weiß Kaptan noch nicht genau. „Ich bin ja so ein Dekomädchen. Ich dekoriere ja sehr gerne. Und Silber kann man gut dekorieren. Das passt. Also, ich glaube, der findet seinen Platz.“ (aa, mit dpa)

