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„Kölner Treff“Wie lange noch? Kölner TV-Arzt teilt seine große Sorge

Der Kölner TV-Arzt Heinz-Wilhelm “Doc” Esser war am Freitagabend zu Gast im "Kölner Treff".

Copyright: WDR (Screenshot)

Der Kölner TV-Arzt Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser war am Freitagabend zu Gast im „Kölner Treff“.

Der „Kölner Treff“ am Freitagabend (5. Juni, WDR) wurde für viele Zuschauerinnen und Zuschauer auch zur Medizin-Stunde – mit einem Schuss Bühnenhumor. Mit dabei: der Kölner TV-Arzt Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser.

„Doc Esser“ ist Arzt und aus dem WDR einem breiten Publikum als Gesundheitsexperte bekannt. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie. Neben seinem Klinikalltag ist Esser auch als Autor und Entertainer aktiv – er macht Musik und steht auf der Bühne.

„Arzt aus Leidenschaft“ – aber nicht nur

Im Gespräch mit Moderatorin Susan Link machte Esser klar, dass er seinen Beruf mit voller Überzeugung lebt: Er sei „Arzt aus Leidenschaft“. Gleichzeitig erklärte er, warum er nebenbei so viel anderes macht. „Wenn ich nur das eine machen würde, würde ich mich sehr schnell langweilen, deshalb ist die Mischung perfekt“, sagte Esser.

Susan Link hakte nach – könne er Patientinnen und Patienten denn noch gut zuhören, wenn er sich schnell langweile? Esser konterte: „Ich gehöre tatsächlich noch zu denen, die sprechende Medizin machen. Das kann ich mir tatsächlich auch leisten.“ Patienten hätten bei ihm „immer die Möglichkeit, ihre Sorgen loszuwerden“.

Sorge vor weniger Zeit für „sprechende Medizin“

Doch wie lange bleibt das so? Esser verwies im „Kölner Treff“ auf die aktuelle Debatte um die geplanten Reformen im Gesundheitswesen. „Das geht im Moment noch, wir werden sehen, wie das in einem halben Jahr und einem Jahr ist, wenn Frau Warken weitermacht“, sagte er mit Blick auf Bundesgesundheitsministerin Nina Warken.

„Da haben viele Kollegen eben Sorge, dass diese sprechende Medizin noch weniger werden wird“, so Esser.

Nina Warken ist Bundesministerin für Gesundheit. In der öffentlichen Debatte steht sie unter anderem wegen eines Reformpakets zur Stabilisierung der Finanzen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Kritik. Kritikerinnen und Kritiker warnen vor zusätzlicher Belastung von Praxen und Patientinnen und Patienten – und vor noch weniger Zeit für die Behandlung im Gespräch.

Broken-Heart-Syndrom: Wenn Gefühle krank machen

Esser machte in der Sendung deutlich, warum das Gespräch aus seiner Sicht medizinisch unverzichtbar ist. Er betonte, er könne Menschen dadurch „deutlich ganzheitlicher“ sehen als nur auf die Kernbereiche.

Als Beispiel nannte er das Broken-Heart-Syndrom – und schilderte Fälle aus der Praxis: Frauen seien mit Herzinfarkt-Symptomen zu ihm gekommen, auch das EKG habe dafür gesprochen. „Da besteht Lebensgefahr, ein akuter Herzinfarkt.“

Doch bei weiteren Untersuchungen der Herzkranzgefäße habe sich gezeigt, dass da „gar nichts“ gewesen sei, so Esser.

Dann, sagte er, habe man Zeit, mit den Betroffenen zu sprechen – und die Ursachen hätten oft tief im Emotionalen gelegen: „Und dann hat man Zeit, sich mit den Frauen zu unterhalten. Bei der einen war der Partner unerwartet gestorben, bei der anderen Frau war es eine schwere Diagnose, die sie einige Tage zuvor bekommen hatte. Eine weitere Frau wurde über Jahre ganz lange gemobbt.“

Sein Fazit: „Die Frauen haben aufgrund der emotionalen Instabilität mit einem Broken-Heart-Syndrom reagiert. Deshalb finde ich das so wichtig, dass uns als Ärzten die Möglichkeit gegeben wird, uns länger mit den Patienten zu beschäftigen.“

„Lachen ist die beste Medizin“

Neben ernstem Fachwissen zeigte Esser auch Entertainer-Qualitäten. Lachen sei nicht nur ein Spruch, sondern habe messbare Effekte, erklärte er. Man brauche 300 Muskeln für einen ordentlichen Lachanfall, sauerstoffreiches Blut werde in die Lunge gepumpt, das Herz pumpe kräftig.

„Dann kommt der Parasympathikus, das ist der Chillnerv. Mein ehemaliger Chef, der Lauterbach, deshalb hat er das Kiffen legalisiert“, unkte Esser. Karl Lauterbach war Bundesgesundheitsminister und trieb die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland politisch voran. Seit der Reform ist der Besitz in begrenztem Umfang für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Esser setzte noch einen drauf: „Hätte er gar nicht gebraucht, wenn er einfach gesagt hätte: Lacht mal wieder statt Kiffen. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, der Parasympathikus übernimmt, der Blutdruck senkt sich.“

Der Applaus im Studio zeigte: Auch wenn es im „Kölner Treff“ viel zu lachen gab, blieb vor allem eine Botschaft hängen – dass gute Medizin Zeit braucht. Und manchmal eben auch ein bisschen Humor. (mg)

Tödlicher Unfall in der Nacht auf der A3 (Symbolbild).
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