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„Leute, das ist doch nicht normal!“Harald Lesch warnt im „Kölner Treff“

Astrophysiker Harald Lesch wendet sich im „Kölner Treff“ an die Fernsehzuschauer.

Copyright: WDR (Screenshot)

Astrophysiker Harald Lesch wendet sich im „Kölner Treff“ an die Fernsehzuschauer.

Aktualisiert:

Heiß, heißer, Klimakrise. Harald Lesch war zu Gast im Kölner Treff — und hatte eine klare Botschaft: Die Lage ist ernst. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Während viele Menschen die sommerlichen Temperaturen genießen, schlägt Astrophysiker, Wissenschaftsjournalist und Klimaerklärer Harald Lesch („Terra X“) am Freitagabend (29. Mai) Alarm. Im WDR-Talk „Kölner Treff“ mit den Moderatoren Susan Link und Micky Beisenherz redete Lesch Klartext – und ließ keinen Zweifel daran, dass die aktuelle Hitzewelle kein Grund zur Freude ist.

Beisenherz eröffnete das Gespräch mit einer provokanten Beobachtung: Man erlebe Lesch „immer ein bisschen unzufrieden“, wenn Teile der Gesellschaft anders auf die Wirklichkeit blickten als er. Ein konkretes Beispiel: Wenn alle aktuell sagen „Tolles Wetter, herrlich heiß“ – was sagt Lesch dann?

„Leute, das ist doch nicht normal!“

Die Antwort kam prompt: „Leute, das ist doch nicht normal! Das darf doch nicht wahr sein. Im Mai so eine Hitzewelle über Europa. Stellt euch vor, so eine Hitzewelle im Sommer, wenn es noch heißer ist. Das wird eine Katastrophe.“

Lesch verwies auf dramatische Zahlen: In den letzten 30 bis 35 Jahren habe sich das Klima in Europa völlig verändert, die Ausschläge nach oben und unten würden immer stärker. In Portugal seien zuletzt über 40 Grad gemessen worden. „Wir liegen in weiten Bereichen über acht Grad über dem Durchschnitt. Bei uns sollten überall die Alarmglocken schellen.“

Extreme Temperaturschwankungen als Gesundheitsrisiko

Beisenherz hakte nach: Viele würden doch einwenden, vor zwei Wochen sei es noch fürchterlich kalt gewesen – was solle das Ganze dann bedeuten?

Für Lesch ist genau das der Kern des Problems: „Das ist ja das Schlimme. Diese hohen Sprünge in der Temperatur, das ist auch ein hoher Stress für unsere Gesundheit. Es gibt einen hohen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und unserer Gesundheit, der Zunahme der Allergien, der Krankheitserreger usw.“ Vor allem Förster und Bauern, so Lesch, könnten bestätigen, wie sich die Lage verändert habe.

Besonders drastisch sei die Lage beim Thema Wasser. „Beim Thema Wasser haben wir eine wahnsinnige Verschlechterung über längere Zeit“, sagte Lesch. Weil der Niederschlag ausbleibe, seien in Bayern viele Seen nur noch bei einem Drittel des ursprünglichen Wasserstandes. „Das sind natürlich alles keine guten Nachrichten. Das heißt für uns, wir brauchen Wasserrückhaltemaßnahmen. Wenn das Wasser kommt, dürfen wir es nicht wegströmen lassen, sondern müssen es halten.“

Regentanz vom bayerischen Ministerpräsidenten?

Beisenherz ließ es sich nicht nehmen, die Lage mit einem Augenzwinkern zuzuspitzen: „Wann fängt der bayerische Ministerpräsident an, einen Regentanz aufzuführen?“

Lesch, ohne zu zögern: „Zuzutrauen ist ihm alles.“ Gelächter im Studio. Dann aber wieder ernst: „Aber wir merken es in ganz Deutschland an allen Ecken und Enden.“

Das 1,5-Grad-Ziel von Paris? „Das ist erledigt“

Lesch sprach auch über die „große Entscheidung“ von Paris: Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich fast alle Staaten der Welt darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel, so Lesch, habe man inzwischen faktisch aufgegeben. „Da haben sich alle von verabschiedet, das ist erledigt.“

Deutschland liege bereits bei fast 2,5 Grad Erwärmung, Europa erwärme sich weltweit mit am stärksten. „Da gibt es dramatische Warnzeichen.“

Die gute Nachricht: Erneuerbare boomen

Doch Lesch hat auch eine überraschend positive Botschaft. Bei den erneuerbaren Energien sei Deutschland „viel besser, als es augenscheinlich laut Berichterstattung so der Fall ist“. Als Beispiel nannte er Bayern: Dort speise sich bereits über 75 Prozent des Stroms im Netz aus erneuerbaren Quellen. Seine Frage: „Warum macht die Regierung in Bayern nicht damit Werbung?“

Beisenherz quittierte das mit einem Lachen: „Dann ist Söder eigentlich ein Grüner?“

Lesch sieht die Entwicklung als globalen Trend: „Auf der ganzen Welt und auch bei uns haben die Erneuerbaren einen unglaublichen Schwung genommen.“ Was Regierungen entschriden, spiele dabei inzwischen immer weniger eine Rolle – denn der Markt habe längst entschieden: Fotovoltaik und Batterien seien viel billiger herzustellen als alles andere. Dazu kämen die explodierenden Kosten für fossile Energieträger wie Öl und Gas. „Das müsste uns klarmachen: Wir sollten den Strom selbst machen.“

„Die Wärmepumpe ist das allerbeste, was die Physik zu bieten hat“

Dann wandte sich Lesch direkt an die Fernsehzuschauer: „Die Wärmepumpe ist das allerbeste, was die Physik zu bieten hat. Aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme zu machen, das ist exakt das, was eine Wärmepumpe ist. Sie ist nicht ideologisch, sie ist rein technisch und hat mit keinem Parteiprogramm etwas zu tun. Und wenn Sie sich überlegen, was Sie für eine Heizung nehmen wollen, dann wissen Sie Bescheid.“

Wenn Politiker das Schlagwort „Technologieoffenheit“ ins Feld führen, kann Lesch nur lachen. Für ihn ist das Wort eine Bankrotterklärung: „‚Technologieoffenheit‘ ist Blödsinn und nichts anderes als ein Ausdruck für technologische Ahnungslosigkeit. Es ist immer ein Hinweis auf die Frage: Können wir nicht alles so lassen, wie es ist?“

Sein Fazit als Physikprofessor: „Die Natur ist kein Parteimitglied. Alles, was in der Natur passiert, kann durch die Wissenschaft gut verstanden werden und wir können es auch technisch nutzen. Das ist so gut verstanden, dass wir in Koalitionsvereinbarungen nicht so tun können, als könnte man sich darüber hinwegsetzen.“ (mg)

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