Problem-Viertel? Eigelstein und Ebertplatz: Kölner Star-Pianistin redet Klartext

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Pianistin Olga Scheps in der  ZDF-Show „Götz Alsmanns Nachtmusik"  in Köln.

Köln – Sie ist eine der populärsten und erfolgreichsten Pianistinnen und dabei eine Kölner Kultur-Botschafterin der ganz besonderen Art: Denn obwohl Olga Scheps (33) in den Musik-Metropolen der Welt unterwegs ist, schlägt ihr Herz für Köln und die Kölner – das zeigt sie auch im großen EXPRESS-Interview.

EXPRESS: Sie spielen mit den berühmtesten Orchestern in den größten Häusern der Welt. Was zwingt Sie dazu, bei „Musik in den Häusern der Stadt“ nächste Woche in einem Wohnzimmer aufzutreten?

Olga Scheps: Mich zwingt gar nichts, das mache ich freiwillig und unwahrscheinlich gern. Es ist ein wunderbares Festival. Das Publikum und ich sind ganz nahe beieinander, wir sitzen nach dem Konzert zusammen, reden miteinander. Ich freue mich immer, wenn ich nach dem Auftritt gleich das Feedback vom bekomme.

Kein Unterschied, ob Sie in der Philharmonie vor 2000 oder in einem Wohnzimmer vor 60 Leuten spielen?

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Die Anzahl der Zuhörer ist für mich nicht entscheidend. Ich bin überall gleich aufgeregt und konzentriert und kann nicht mal sagen, ob das im kleineren Rahmen mehr ist als im großen. Das Konzert-Feeling ist immer da.

Beeinflusst es Sie, wenn Sie in Köln spielen – oder ist Ihnen egal, wo Sie auftreten?

Wenn ich in Köln spiele, habe ich dieses Gefühl von Heimspiel, denn dann sind besonders viele Menschen da, die ich persönlich kenne und die mich kennen. Da bin ich schon besonders aufgeregt, aber eigentlich bin ich immer in dieser bestimmten Konzert-Aufregung, egal wo auf der Welt ich spiele. Adrenalin ist immer da.

Sind die Kölner ein gutes Konzert-Publikum?

Sie sind ein sehr ehrliches Publikum. Wenn sie begeistert sind, zeigen sie es mit stehenden Ovationen, wenn ihnen etwas nicht gefällt klatschen sie sehr kurz und verlassen eventuell sogar noch vor den Zugaben den Saal.

Warum leben Sie in Köln und nicht in Musik-Metropolen wie New York, London oder Berlin?

Ich bin zum Studieren aus Wuppertal nach Köln gezogen, weil hier eine sehr gute Musikhochschule ist, und nach dem Studium bin ich hier geblieben. Mir gefällt die Mentalität der Menschen hier, sie sind kontaktfreudig und aufrichtig. Und die Lage Kölns ist für eine reisende Musikerin ideal, die Stadt liegt ja mitten in Europa. Es gibt drei Flughäfen in der Nähe und einen großen Hauptbahnhof. Und ich mag das Viertel in dem ich seit so vielen Jahren schon wohne.

Olga Scheps: Star-Pianistin schätzt Kölner Kiosk-Kultur

Wir treffen uns hier am Eigelstein. Warum gerade hier?

Ich lebe hier, seit ich 18 bin, also schon seit 15 Jahren. Ich bin erst nur wegen der Musikhochschule gekommen, doch dann habe ich ganz schnell angefangen, den Eigelstein und das schöne Veedel drumherum zu lieben. Es gibt viele schöne Ecken, man kann überall um jede Uhrzeit lecker und schnell essen, es gibt schöne Cafés. Und mein Proberaum ist jetzt auch nicht weit. Zu meiner Studienzeit musste ich mich fast nie verabreden. Ich ging raus und habe immer Mitstudenten, Freunde und Bekannte getroffen. Und es hat rund um die Uhr immer etwas auf. Ich habe auch gelernt, die Büdchen zu schätzen. Super, dass man rund um die Uhr alles Mögliche kaufen kann. Das gibt es nicht in vielen Städten.

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Olga Scheps fühlt sich wohl in Köln und liebt vor allem die Kölner Büdchen-Kultur.

Haben Sie auch das Kneipenleben rund um die Eigelstein-Torburg genossen?

Natürlich. Ich habe immer schon gern in Gemeinschaft gespielt, Kicker, Tischtennis, Dart oder Billard. Wenn ich mit Freunden ausgegangen bin, landeten wir deswegen oft in den Spielhallen beim Tischtennis oder im „Durst“ am Kickertisch. Mittlerweile sind meine ehemaligen Mitstudenten auf der ganzen Welt verteilt, und wenn wir uns mal in den verschiedenen Städten der Welt begegnen, schwelgen wir in Erinnerungen und irgendwann heißt es dann: „Weißt du noch, damals am Eigelstein…?“ Sehr schön!

Der Eigelstein hat nicht nur Fans. Manche kritisieren die Unsicherheit und den immer noch nicht richtig funktionierenden Ebertplatz. Sie auch?

Nö, mir gefällt es hier, und ich fühle mich wohl. Und seit der Springbrunnen am Ebertplatz nach vielen Jahren wieder funktioniert, hat sich hier viel Gutes getan.

Kölner Star-Pianistin Olga Scheps: Seit vier Monaten stolze Mama

Der 11.11. steht vor der Tür. Sind Sie dabei?

Ich war einige Male dabei, aber in den letzten Jahren war ich in dieser Zeit oft auf Konzertreise. Dieses Jahr bin ich in dieser Zeit zwar in Köln, werde diese Woche aber zuhause mit meiner kleinen Familie verbringen. Bin ja jetzt Mama!

Das passt nicht ins Bild – eine Pianisten, die mal in der Philharmonie Chopin spielt und am nächsten Tag Straßenkarneval feiert. Kein Konflikt?

Ich kenne keine seriösen Menschen, die nicht auch Spaß haben. Nur seriös, ohne Spaß – das ist eine ganz bittere Pille. Ein Leben muss ja in Balance sein. Was kann ich dann erzählen, wenn ich nur ernst bin? Da ist mir Mozart ein Beispiel, der auch ein großer Spaßvogel war.

Ihr Sohn Maxim ist jetzt vier Monate alt. Reagiert er schon auf Musik?

Ja sehr. Wenn ich Cello mit Orchester anmache, hört er besonders aufmerksam zu, lächelt auch. Bei Klaviermusik hört er auch aufmerksam zu, bei Bach oder Satie. Orchestermusik mit Schlagzeugen war bisher nicht so seins, da hat er protestiert…

Hat er auf Ihre Musik reagiert, als er noch im Bauch war?

Ja sehr. Als ich schwanger war, habe ich eine lange Tour mit Rachmaninovs 2. Klavierkonzert gespielt. Beim Konzert selber war er ruhig, aber kaum war die laute und emotionale Musik vorbei, hat er angefangen zu treten.

War er schon mal hinter der Bühne bei Ihrem Konzert?

Nein, ich denke, er ist noch zu jung dafür. Während ich spiele oder probe bleibt er bei seinem Papa im Hotel, oder die beiden gehen spazieren.

Nachdem im Januar Ihr Album „Melody“ herausgekommen ist, erscheint Ende November Ihr Album mit dem Klavierquintett von Mieczysław Weinberg, einem jüdischen Komponisten, der den größten Teil seines Lebens fliehen musste. Wo lernt man Sie besser kennen – live oder auf einem Album?

Da gibt es keinen Unterschied. Auf der Bühne ist vielleicht mehr Spontanität, während man im Studio ein Stück manchmal mehrfach aufnimmt und sich hinterher für die bevorzugte Version entscheidet. Ich erzähle aber jedes Mal, egal wo ich spiele, im Studio oder live, über die Inhalte der Musik, und das mache ich aus vollem Herzen.

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