Wahlkampf als Street Art? Umstritten: XXL-Reker auf Kölner Hauswand polarisiert

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Henriette Reker ließ in der Severinstraße ein riesiges Wandbild anfertigen.

Köln – Henriette Reker (63) fährt im Wahlkampf um das OB-Amt in Köln die ganz großen Geschütze auf. Gleich auf eine ganze Hausfassade hat die parteilose Oberbürgermeisterin ihr Abbild sprayen lassen – mehr als zehn Meter hoch.

Das Kölner Künstlerkollektiv „Coloured Boulevard“ hat die 63-Jährige dort in einer bunten Komposition abgebildet. Reker in schwarz-weiß gehalten vor einem gelb-orangenen Hintergrund, in dem weiße Luftblasen schweben.

Riesenwahlwerbung in der Severinstraße: Henriette Reker grüßt von der Hauswand

Mit dem gigantischen Wahlplakat macht Reker für die Wahl am 13. September eine klare Ansage in Richtung Konkurrenz und erntet im Veedel gemischte Reaktionen.

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Carlos Schmidt findet, das Bild von Henriette Reker passe nicht ins Veedel.

„Naja, ich weiß nicht", meint etwa Carlos Schmidt, den EXPRESS am Samstagmittag (5. September) vor dem Wandgemälde antrifft: „Mit dem bunten Look spricht das eher junge Leute an. Hier im Viertel wohnen aber vor allem alte.“ Am Publikum vorbei – so die Einschätzung des Passanten.

Kölner Oberbürgermeisterin: Henriette Reker macht Wahlkampf zur Street Art

Andere dagegen freuen sich über die künstlerische Umgestaltung der Wand, die zuvor mit Werbeschriftzug eines Elektro-Fachhandels geschmückt war.

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Peter aus Köln ist begeistert vom Reker-Bild auf der Severinstraße.

„Wäre schade, wenn es nach der Wahl wieder weg gemacht werden muss. Dafür war es zu viel Arbeit“, widerspricht etwa Peter, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, vom Wandbild aber begeistert ist: „Wer weiß, wenn Frau Reker gewinnt, kann es vielleicht sogar dort bleiben.“

Wahlkampf in Köln: Henriette Reker lässt sich an Hauswand pinseln

Wahlplakate im öffentlichen Raum müssen in der Regel nach der jeweiligen Wahl zeitnah von der entsprechenden Partei abgehängt werden. Für Wandgemälde auf privaten Häuserfassaden gilt das aber nicht.

Auch im Netz wird Rekers Kunst-Aktion sehr unterschiedlich aufgenommen. Während die einen sich über die optische Aufwertung freuen, wünschen sich andere, die OB möge sich stattdessen auf die Politik konzentrieren. 

Gemischte Reaktionen im Netz: Rekers Wahlkampf-Gemälde in der Severinstraße

„Wäre cool, wenn die sonstige Infrastruktur in Köln auch so gut aussieht wie Deine Wahlwerbung", kommentiert etwa ein User auf Twitter spitzfindig.

Immerhin: Im Wahlkampf 2020 scheint Reker auf einem guten Weg. Trotz der Konkurrenz um Andreas Kossiski (SPD), Jörg Detjen (Die Linke) und Christer Cremer (AfD) steuert Reker laut Umfrage von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger auf einen deutlichen Sieg hin: 61 Prozent der Teilnehmer würden sie demnach wählen. Die Entscheidung fällt am 13. September.

Letztlich hängt die Bewertung des Gemäldes wahrscheinlich auch sehr von der Einstellung des Betrachters zur Abgebildeten ab. Kunst ist eben politisch – insbesondere Wahlkampf-Kunst.

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