Angriff vor Kölner Disco Eklat um 3 Uhr nachts: Polizei auf der Jagd nach dem Roonburg-Täter

„Generation Sohn/Tochter“ Kölner Wirte verzweifelt: So tief steckt die Gastronomie in der Krise

Interview mit dem Betreiber der Monkeys Cocktail Bar Filinta Adsiz zu den neuen Regeln in der Corona-Krise.

Filinta Adsiz, Betreiber der Cocktailbar „Monkeys“ in Köln, ist mit der Personalsituation unzufrieden. Das Foto zeigt Adsiz am 21. Oktober 2020.

In der Kölner Gastronomie weitet sich die Personalkrise aus. Viele sind nicht mehr groß wählerisch: Wer zwei Teller tragen und geradeaus laufen kann, ist schnell dabei.

Wer nichts wird, wird Wirt? Das geflügelte Wort nimmt heute niemand mehr in den Mund. Mittlerweile wird, wer nichts wird, nicht mal Kellner oder Kellnerin ...

Filinta Adsiz, Chef der Bar „Monkeys“ an der Venloer Straße in Köln, sucht auf dem Portal „Ebay Kleinanzeigen“ nach einem Barmann. Nach mehreren Wochen hatten sich gerade mal zwei Leute gemeldet.

Kölns Gastro-Krise: Monkey-Chef Filinta Adsiz hat einen Verdacht

„Ich habe das Gefühl, die jungen Leute heute glauben, mit dem Internet durchzukommen, Generation Instagram und Youtube. Früher brauchte man keinen zu suchen – es gab immer jemanden, der im Laden fragte, ob es einen Job gibt an der Bar. Immerhin lernt man da unter realen Bedingungen echte Menschen kennen. Interessiert heute offenbar nicht mehr so“, erzählt Filinta Adsiz.

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Thekenromantik ade? Ackern bis zum Morgen mit Beats, Bier und vielen Begegnungen? Der Barchef sagt, er habe den Verdacht, es herrsche gerade die „Generation Sohn/Tochter“ vor, die nach dem Abi an die Uni geht und von den Eltern ausreichend unterstützt wird und keine Nachtschichten braucht.

„Sushi Ninja“-Betreiber David Keuenhof: „Die Personalengpässe sind irre“

Ein anderes Beispiel ist „Sushi Ninja“.

„Sushi Ninja“ sucht mithilfe eines Plakats nach Personal.

Das Lokal „Sushi Ninja“ sucht händeringend nach Personal. 

David Keuenhof, Betreiber von drei Sushi-Filialen in Lindenthal, Ehrenfeld und Südstadt, beschreibt die Lage: „Die Personalengpässe sind irre. Sie betreffen meiner Meinung nach jeden Gastronomen. Wir versuchen es gerade über starke Gehaltserhöhungen hinzubekommen und ändern nichts an unserem Konzept (Qualität). Ich habe aber auch schon von vielen Ecken gehört, dass sie an der Qualität sparen müssen, weil sie die Preise nicht entsprechend der höheren Kosten anziehen können.“

Barmanager Ehsan Kasem („Wasserturm“) erzählt, er habe in seinen früheren Jahren in „Harrys New York Bar“ im Dorint regelmäßig vier bis fünf Bewerbungen bekommen. Er macht das heutige Desinteresse an den Erfahrungen durch Corona fest. Die Lockdowns hätten Gastrojobs als krisenanfällig entlarvt.

Der Manager der Bar „Botanik“, Ehsan Kasem, steht in seiner Lokalität und gestikuliert.

Ehsan Kasem ist der Manager der Bar „Botanik“ im Hotel im Wasserturm. Das Foto ist vom 5. August 2022.

„Ich habe viele Bekannte in der Szene und bekomme jetzt häufig auch kurzfristig Anrufe, ob ich mit Personal aushelfen könnte oder jemanden kenne.“

Personalmangel: Backwerk-Filiale musste früher schließen

Discokönig Yahya Firat macht zu hohe Transferleistungen des Staates für die fehlende Nachfrage nach Jobs verantwortlich: „Ich hatte Fälle von Leuten, die allein so 1600 Euro im Monat beziehen.“ Da sei die Bereitschaft, in einem Club zu arbeiten, gering.

Personalengpässe in der Urlaubszeit führten kürzlich im Backwerk am Ehrenfelder Bahnhof dazu, dass die Filiale für die Dauer einer Woche statt um 18 Uhr bereits um 16 Uhr schloss. Das Café Reichard ließ wegen fehlender Bedienungen die Terrasse geschlossen.

Laut einer Umfrage des Branchenverbands suchen mindestens 60 Prozent der gastgewerblichen Betriebe nach Fach- und Hilfskräften. Mathias Johnen, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein: „Eine Besserung grundlegender Art ist nicht erkennbar.“

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