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„Quälerei für Mitarbeiter“Kölner Gastro reagiert auf Hitze – andere Öffnungszeiten

Die Pizzeria PiZz am Friesenwall reagiert auch auf die Hitze.

Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker

Die Pizzeria PiZz am Friesenwall reagiert auch auf die Hitze.

Wegen der extremen Hitze in Köln passen immer mehr Restaurants und Biergärten ihre Öffnungszeiten an.

Köln schwitzt und stöhnt! Die Affenhitze zwingt auch die Gastronomie in die Knie. Wirte verkürzen die Öffnungszeiten, um ihre Teams zu schützen – denn bei der Bullenhitze bleiben auch die Gäste aus.

Die Thermometer klettern fast auf 40 Grad und ein Ende der Hitzewelle ist nicht in Sicht. Diese extreme Wärme stellt viele Berufsgruppen vor massive Probleme. Ob auf dem Dach, auf der Straße oder bei der Post – die Leute leiden.

Gastro-Betriebe passen ihre Öffnungszeiten an

Aber auch in den Küchen und Biergärten der Stadt ist die Belastung enorm. Kochen bei 35 Grad ist eine brutale körperliche Anstrengung, genauso wie das Bedienen unter freiem Himmel. Das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit warnt: Wer unter solchen Bedingungen in der Küche schuftet, schwitzt pro Stunde bis zu zwei Liter aus.

Anna Heller vom Brauhaus Heller zieht jetzt die Konsequenzen aus der extremen Wetterlage. Sie hat die Öffnungszeiten für ihre Außenbereiche gezielt angepasst, verrät sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ihr Biergarten im Volksgarten macht jetzt erst um 17.00 Uhr auf, nicht schon um 14.00 Uhr. Im Schwimmbad Riehl startet der Betrieb ebenfalls um 17.00 Uhr statt wie bisher um 13.00 Uhr. Auf Instagram postet sie dazu: „Ein kleines ‚Hitzefrei‘ für unser Personal“. Gegenüber unserer Redaktion berichtet sie von gemischten Gefühlen bei ihrem Team: „Viele sind total dankbar, nicht in der Brüllhitze draußen herumlaufen zu müssen, manche bedauern aber natürlich, dass ihnen dadurch Stunden entgehen“, so Heller.

Das Beispiel von Anna Heller findet in Köln viele Nachahmer. Laura Bechthold, die Chefin des Club Astoria im Westen der Stadt mit Gaststätte, Terrasse und Biergarten, handelt ebenfalls. Wegen der hohen Temperaturen öffnete ihr Biergarten erst um 16.00 Uhr statt um 12.00 Uhr, also vier Stunden später. Ihre Begründung ist deutlich: „Das ist auch sonst Quälerei für die Mitarbeiter“. Auch im Rheinauhafen hat das Brauhaus Johann Schäfer die Zeiten in der Küche reduziert. Laut dem Brauhaus zeigen die Besucher dafür Verständnis.

Auch Daniel Rabe, der die Bagatelle in der Südstadt führt, hat auf die Hitze reagiert. Er hat nicht nur die Arbeitsabläufe angepasst und die Küchenzeiten verkürzt. Rabe legt sogar noch einen drauf: Bis Sonntag fließen von ihm täglich 250 Euro als sogenannter „Klimabonus“ in den gemeinsamen Topf für das Trinkgeld. Gleichzeitig appelliert er an die Besucher, sich beim Bezahlen spendabel zu zeigen. Rabe schreibt: „Service und Küche betreiben an solch heißen Tagen einen irre anstrengenden Job, das ist körperlicher Dauerstress“.

Die Liste der Betriebe, die wegen der Temperaturen handeln, wächst weiter. Der Mainzer Hof an der Maternusstraße, das Bistro Wallczka an der Kyffhäuserstraße, die Fette Kuh an der Bonner Straße, Haus Knott in Porz sowie die Pizzeria PiZz am Friesenwall haben ebenfalls reagiert. All diese Lokale haben ihre Betriebszeiten diese Woche verkürzt. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Die Botschaft dahinter ist aber bei allen identisch: Diese Belastung ist für das Personal unzumutbar.

Von Donnerstag bis Samstag öffnet das Bistro Wallczka später.

Copyright: Arton Krasniqi

Von Donnerstag bis Samstag öffnet das Bistro Wallczka später.

„Viele Gastronomen in Köln haben schon die Initiative ergriffen und in Anbetracht der Hitze Zeiten reduziert, und das ist auch durchaus sinnvoll“, bestätigt Maike Block, die als Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied für die IG Gastro spricht. „Am Ende muss das natürlich aber jeder selbst wissen.“

Laut Block hat diese Maßnahme einen doppelten Vorteil: Sie schont die Mitarbeitenden und richtet sich gleichzeitig nach dem veränderten Verhalten der Gäste. Denn bei dieser Affenhitze bleiben die Leute einfach weg. „Mittags setzt sich hier niemand in die pralle Sonne“, pflichtet Laura Bechthold bei. Anna Heller stimmt ihr zu: „Die Gäste kommen gerade einfach später, wenn es draußen wieder angenehmer wird.“ Erst am Abend, wenn die Temperaturen sinken, füllen sich die Terrassen wieder.

Ventilatoren, Wassermelone, Kühlwesten

Zusätzlich zu den geänderten Öffnungszeiten werden viele Betriebe kreativ, um für etwas Linderung zu sorgen. Bei der Fetten Kuh gibt es beispielsweise zu jedem Burger eine kühle Gazpacho dazu. In anderen Lokalen verschaffen sich die Angestellten mit Ventilatoren oder eisgekühlten Handtüchern im Nacken Erleichterung. Gekühlte Drinks und Wassermelone sind in den meisten Kölner Küchen aktuell sowieso Standard. Laura Bechthold hat für ihr Team sogar probeweise Kühlwesten geordert.

Auch Gert Dillien und Heiko Hörnecke sind mit solchen kleinen Tricks gegen die Hitze vertraut. Dillien behält die regulären Öffnungszeiten für das Deutzer Brauhaus, das Gilden im Zims und das Servus Alpina bei. Er hat jedoch „zusätzliche Getränke und Softdrinks bestellt, damit unsere Leute immer auch genügend Zucker bekommen“. Außerdem hat er die Servicebereiche, die sogenannten Stationen, verkleinert. Das bedeutet, jeder im Service ist für weniger Tische zuständig. Ein Umstand, der im Frühling vielleicht stört, ist jetzt ein riesiger Pluspunkt: Sowohl das Zims als auch das Servus befinden sich im Schatten.

Immer online nachschauen

Heiko Hörnecke vom Brauhaus Quetsch in Rodenkirchen spielte kurz mit dem Gedanken, die Öffnungszeiten zu verkürzen. Er entschied sich jedoch dagegen und sorgt stattdessen mit Eis und kalten Getränken für sein Personal. „Hier bei uns geht aber auch meist ein Lüftchen. Zudem bieten wir ohnehin nur bis 21 Uhr Küche an“, lautet seine Erklärung.

Ein letzter Ratschlag: Wenn Sie in den kommenden Tagen einen Ausflug in einen Kölner Biergarten oder auf eine Restaurant-Terrasse planen, werfen Sie vorher einen Blick auf Instagram, Facebook oder die Homepage des Betriebs. Damit stellen Sie sicher, dass Sie nicht umsonst losziehen und vor einer geschlossenen Tür landen. (red)

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