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Arzt aus Frechen warntDieser Fehler kann gefährlich werden: „Keine gute Idee“

Ein Dachdecker trinkt Wasser unter der sengenden Sonne bei über 30 Grad auf dem Dach eines Hauses im Rhein-Sieg-Kreis.

Copyright: Benjamin Westhoff/dpa

Ein Dachdecker trinkt Wasser unter der sengenden Sonne bei über 30 Grad auf dem Dach eines Hauses im Rhein-Sieg-Kreis.

Ein Arzt aus Frechen warnt vor einem beliebten Abkühl-Fehler, der bei der aktuellen Gluthitze gefährlich werden kann.

Deutschland ächzt unter der Gluthitze, der Körper läuft am Limit. Benjamin Orth, ein Mediziner aus Frechen, erklärt, worauf jetzt jeder achten muss und wie man die Alarmsignale des Körpers richtig deutet, bevor es zu spät ist.

Unser Organismus ist eine feinjustierte Maschine, die pausenlos schuftet, um die Temperatur konstant bei circa 37 Grad zu sichern. Die momentane Hitzewelle macht das zu einer enormen Belastung. „Wir schwitzen mehr, verlieren mehr Flüssigkeit und Salze, die Blutgefäße weiten sich und das Herz muss deutlich mehr leisten. Das merkt man irgendwann auch dann, wenn man eigentlich gesund ist“, erklärt Orth in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Wer bei der Hitze besonders aufpassen muss

Besonders gefährdet seien Senioren, Kleinkinder sowie Personen mit andauernden Leiden, speziell am Herzen oder den Nieren. „Viele ältere Menschen verspüren zudem weniger Durst und trinken deshalb zu wenig“, so der Arzt. Wenn dann noch Arzneien eingenommen werden, die den Wasserhaushalt oder die Wärmeregulierung stören, könne die Hitze rasch zu einer ernsten Bedrohung werden.

Eine feste Temperaturgrenze gebe es nicht. Viel wichtiger sei, wie lange die Hitzewelle andauert und wie der eigene Organismus damit fertig wird. „Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Konzentrationsprobleme oder Muskelkrämpfe. Wer merkt, dass der Kreislauf schlappmacht, sollte das ernst nehmen.“

In seiner Praxis erlebe er an solchen Tagen einen Ansturm: Viele Patienten klagten über Benommenheit, Kreislaufschwäche, Kopfweh oder Abgeschlagenheit. Bei Senioren zeige sich das oft durch Desorientierung oder sogar durch Stürze. Zudem verschlimmerten sich bei der Gluthitze häufig vorhandene Leiden an Herz oder Lunge.

Achtung, Hitzschlag! Das sind die Alarmzeichen

Wenn ein Mensch plötzlich desorientiert ist, das Bewusstsein eintrübt, starkes Fieber bekommt, sich übergeben muss oder gar krampft, dürfe man keine Sekunde zögern. „Das sind Warnsignale, die sofort ärztlich abgeklärt werden müssen. Ein Hitzschlag ist ein echter medizinischer Notfall.“

Wie viel man trinken muss, sei von Person zu Person verschieden, eine pauschale Antwort gebe es nicht. „Wer stark schwitzt, braucht deutlich mehr Flüssigkeit als an einem normalen Tag. Wasser, Tee und Saftschorlen sind völlig ausreichend. Wichtig ist vor allem, regelmäßig zu trinken und nicht erst dann, wenn sich bereits starker Durst bemerkbar macht.“ Auf Alkohol sollte ganz verzichtet werden.

Viele machen den Fehler und möchten ihr normales Programm trotz der Gluthitze einfach durchziehen. Davor warnt der Arzt: „Sport in der Mittagshitze, schwere Gartenarbeit oder stundenlange Aufenthalte in der prallen Sonne sind keine gute Idee.“ Dabei werde oft die Flüssigkeitszufuhr vernachlässigt und erste Alarmsignale wie Benommenheit und Abgeschlagenheit würden einfach übersehen.

„Ich würde aber eher zu kühlem, als zu eiskaltem Wasser raten“

Und was ist mit der ersehnten Erfrischung? Eine kühle Dusche oder ein Fußbad wären hilfreich. Orth: „Ich würde aber eher zu kühlem, als zu eiskaltem Wasser raten. Eine kühle Dusche, ein Fußbad oder feuchte Tücher im Nacken oder auf Armen und Beinen werden oft als angenehmer empfunden und belasten den Kreislauf weniger als ein Kälteschock.“

Der Experte fasst die drei goldenen Regeln für Hitzetage zusammen. Erstens: ausreichend trinken. Zweitens: Körperliche Anstrengungen auf das notwendige Minimum reduzieren und möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen. Drittens: auf ältere Angehörige und Nachbarn achten. „Die meisten hitzebedingten Notfälle entstehen nicht plötzlich, sondern weil Warnzeichen über Stunden und Tage ignoriert wurden“, erklärt Orth. (red)

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