Reicht eine Sanierung nicht mehr? Die Stadt Köln schließt nicht aus, dass die Severinsbrücke abgerissen werden muss.
„Grenzzustand der Tragfähigkeit“Kölner Brücke am Limit: Droht jetzt sogar der Abriss?

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Blick auf die Severinsbrücke von unten, hier im Frühjahr.
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Sie gehört seit über einem halben Jahrhundert fest zum Stadtbild – doch es könnte sein, dass sie bald ganz abgerissen werden muss: die Kölner Severinsbrücke. Eine Sanierung ist womöglich nicht mehr drin. Die Stadtverwaltung kann jedenfalls nicht mehr ausschließen, dass das denkmalgeschützte Bauwerk von 1959 durch einen Neubau ersetzt werden muss. Kann die Brücke noch gerettet werden?
Nachzulesen ist das in Papieren für den Stadtrat, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Der soll in seiner Sitzung am 10. Dezember rund 3,8 Millionen Euro lockermachen. Mit dem Geld sollen Gutachten, Voruntersuchungen und materialtechnische Prüfungen bezahlt werden. Ziel: die Instandsetzung der Brücke vorbereiten.
Beide Rampen-Bauwerke nicht mehr zu retten
Für einen Teil ist das Urteil schon gefallen. Die Rampen-Bauwerke links und rechts des Rheins halten den Verkehrsmassen nicht mehr stand – sie sind verloren. In der Beschlussvorlage steht es schwarz auf weiß: „Zwar könnten einzelne gravierende Schwachstellen ertüchtigt werden, eine vollständige Anpassung an heutige Anforderungen ist jedoch weder wirtschaftlich noch technisch darstellbar.“
Und das Stück über dem Fluss, die sogenannte Strombrücke? Ob ihr dasselbe Schicksal droht, ist noch offen, die Untersuchungen laufen. Bei der Nachrechnung der einzelnen Tragelemente kam heraus, dass auch sie rein rechnerisch den „Grenzzustand der Tragfähigkeit“ erreicht haben. Vor allem die Fahrbahnplatte zeigt, wie andere Bauteile auch, „erhöhte Ermüdungsbeanspruchungen“.
Ganz genau wollen es die Fachleute jetzt wissen. Deshalb steckt seit April 2026 ein Monitoringsystem im Hohlkasten der Strombrücke. Sensoren sammeln dort Daten. Daraus lesen Ingenieure ab, wie stark der Verkehr an der Tragkonstruktion zerrt und ob sich Ermüdungseffekte zeigen.
Severinsbrücke: Expertisen erst 2027 und 2028
Sorgen machen auch die Tragseile. Dort wurden schon mehrmals „Defizite festgestellt, die auf Wassereintritte in Teilen der Konstruktion zurückzuführen sind“. Welchen Schaden das eindringende Wasser angerichtet hat, lässt sich bislang nicht sagen – dafür braucht es weitere Prüfungen. Die nötigen Gutachten sollen 2027 und 2028 folgen.

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Gehört seit über einem halben Jahrhundert zum Stadtbild Kölns: die Severinsbrücke.
Und wann rücken die Bautrupps an? Erst muss die Mülheimer Brücke fertig sein, voraussichtlich 2030. Danach sollen laut Stadt Instandsetzung oder Ersatzneubau starten. Den Job soll ein Generalunternehmer übernehmen.
Im April nannte Verkehrsdezernent Ascan Egerer erstmals eine finanzielle Hausnummer für das Mammutprojekt: 324,5 Millionen Euro soll alles kosten – so die Grobschätzung.
Bauweise wie bei der alten Leverkusener Rheinbrücke
Wer an die alte Leverkusener Rheinbrücke denkt, hat das Prinzip vor Augen. Die wurde zwischen 1961 und 1965 gebaut und ist inzwischen abgerissen. Wie die Severinsbrücke, Baujahr 1958/59, war sie eine Stahl-Schrägseilbrücke mit Hohlkasten-Überbau – in Köln mit einem A-förmigen Pylon. Genau da liegt der einzige Unterschied: In Leverkusen trugen zwei Pylone die Last, der Kölner Pylon dagegen steht asymmetrisch auf der rechten Rheinseite.
Der Haken an solchen Hohlkasten-Konstruktionen: Eine Grundsanierung geht nur, wenn die Brücke komplett dicht ist – also unter Vollsperrung.
Anfang Oktober kündigte die NRW-Landesregierung an, dass für Sanierung oder Erneuerung der Severinsbrücke teilweise Geld aus dem Sondervermögen des Bundes fließen kann.
OB Burmester hält sich Abriss der Rheinbrücken offen
Zwei Milliarden Euro liegen insgesamt bereit – für Rheinbrücken, die in der Verantwortung von Städten und Gemeinden stehen. Bedingung: Die Arbeiten müssen in den 2030er Jahren abgeschlossen sein. Das trifft außer auf die Kölner Brücke nur auf zwei weitere zu: die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf und die Brücke der Solidarität in Duisburg.
Bei den riesigen Summen und der klammen Haushaltslage wollte sich Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) schon im April nicht festlegen. Auch Abriss und Neubau von Rheinbrücken müsse man durchdenken können, so seine Haltung damals. Brisant: Bis auf die Zoobrücke stehen alle städtischen Brücken unter Denkmalschutz.
„Das ist immer ein Abwägungsprozess, weil die Brücken das Stadtbild prägen, aber wir müssen uns da alle Wege offenhalten“, erklärte Burmester seinerzeit.
Bei der Mülheimer Brücke sind die Kosten bereits auf rund eine halbe Milliarde Euro hochgeschossen – und ein Ende ist nicht in Sicht (wir berichteten). Experten machten dort den Denkmalschutz als Preistreiber aus. Die Stadt hielt dagegen und verteidigte die Sanierung: Mit dem Denkmalschutz hätten die Gesamtkosten demnach nichts zu tun.
Deutliche Worte fand im Vorjahr etwa Martin Mertens, Professor für Technische Mechanik, Baustatik, Holz- und Brückenbau an der Hochschule Bochum. Denkmalgeschützte Brücken seien eine „Katastrophe für Brückenbauer“, sagte er und legte nach: „Brücken haben eine Funktion zu erfüllen, es sind Verkehrsbauten und die heißen so, weil da der Verkehr drüberfließen muss.“
Drohen bei der Severinsbrücke also dieselben Probleme – falls sie am Ende doch nicht neu gebaut werden muss? Eins ist klar: Selbst um die Rampen abzureißen, braucht es grünes Licht vom Denkmalschutz. (red)
