Große Gala, aber Riesen-Frust: Die Kölner Bühnen werden nach 14 Jahren von Technik-Pannen geplagt.
Technik-ChaosOpern-Gala von teuren Pannen überschattet
Aktualisiert:
Die Hiobsbotschaft platzt mitten in die Feier-Vorbereitungen. Das Technik-Chaos ist schlimmer als gedacht und trifft nicht nur die Oper, sondern alle Kölner Bühnen.
Die Kölner Bühnen-Sanierung: ein jahrelanges Drama mit explodierenden Kosten, ständigen Verzögerungen und Personalchaos. Am Donnerstagabend sollte damit endlich Schluss sein. Eine prunkvolle Gala mit rund 1250 geladenen Gästen am Offenbachplatz war geplant, um einen Haken hinter die unendliche Geschichte zu machen. Doch kurz vor dem Festakt die kalte Dusche: Eine Serie von gravierenden technischen Defekten wurde bekannt. Diese neuen Probleme gefährden nun den Start der Premieren und werden die Bühnen noch lange nach der Eröffnung in Atem halten. Ein schwerer Dämpfer für diesen für Köln so bedeutenden Tag.
Krisen-PK enthüllt das ganze Desaster
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) betonte bei der Eröffnung, wie sehr die Bühnen 14 Jahre lang gefehlt hätten. Er sagte, jetzt sei „die Zeit des Wartens vorbei: Der Offenbachplatz gehört wieder den Kölnerinnen und Kölnern. Jetzt beginnt die Zeit des Gestaltens.“
Nur kurz zuvor mussten die Bühnen-Chefs bei einer hastig einberufenen Pressekonferenz einräumen: Das Chaos bei der Technik ist weitaus größer als bislang kommuniziert. Das Opernhaus ist nicht allein betroffen, auch das Schauspiel, die Kinderoper sowie das Kleine Haus haben massive Probleme. Laut Kulturdezernent Stefan Charles wird dieser Zustand auch noch „eine Weile“ andauern. Einen genauen Zeitplan konnte er nicht vorlegen. Schauspielintendant Kay Voges wurde deutlich: „Ja, wir haben zu kämpfen. Wir kämpfen jetzt, wo die Bauarbeiter den Platz verlassen haben, ein spielfähiges Theater daraus zu machen.“

Copyright: Uwe Weiser
OB Torsten Burmester auf der Bühne der neuen Kölner Oper
Jürgen Marc Volm, der externe Projektleiter der Sanierung, bezeichnete die Probleme als „Kinderkrankheiten“, die bei so riesigen Bauvorhaben normal seien. Doch er musste auch zugeben, dass die Anlagen nicht immer verlässlich funktionieren. So fiel bei den Hauptproben im Schauspielhaus, die am Dienstag und Mittwoch stattfanden, das wichtige Inspizientenpult – die Schaltzentrale für Kommunikation und Organisation – für 20 Minuten komplett aus. Laut Voges behalf man sich mit Funkgeräten. Ein Zuschauer würde einen solchen Vorfall nicht bemerken.
Ein weiteres Sorgenkind ist die Brandmeldeanlage. Offenbar ist sie zu sensibel eingestellt, was zu Fehlalarmen und Feuerwehreinsätzen führt. Ein internes Dokument der Bühnen, das unserer Redaktion vorliegt, beschreibt ein Horrorszenario: Es besteht die Gefahr, dass die Premieren bei grellem Sicherheitslicht stattfinden müssen. Voges dazu: „Ich hoffe so sehr, dass wir feuerfrei und alarmfrei dieses Wochenende überstehen.“ Man müsse die Häuser „unter Kontrolle“ bekommen, auch wenn Theater immer ein Risiko sei, so der Intendant.
Doch damit nicht genug. Nach Informationen unserer Redaktion gibt es noch mehr Ärger: Im Opernhaus sollen sich Türen oft nicht öffnen lassen, weil die elektronischen Transponder nicht funktionieren. Angeblich mussten deswegen sogar schon Türen aufgebrochen werden. Eine offizielle Stellungnahme dazu gab es auf Nachfrage nicht.
Garantie für Pannen-Technik ist abgelaufen
Opernintendant Hein Mulders hatte schon vor ein paar Tagen im „Deutschlandfunk“ Alarm geschlagen und den Finger in die Wunde gelegt: „Bühnenpodien, Technik, Drehscheibe, Obermaschinerie: Da hakt es im Moment, das muss ich auch ehrlich sagen.“
Bei der Pressekonferenz am Donnerstag war er sichtlich bewegt und den Tränen nahe. „Ich bin ein bisschen emotional“, gestand er mit stockender Stimme. „Man hat eine Riesenverantwortung, und man will, dass es einfach klappt.“ Die „Rosenkavalier“-Premiere müsse aber nur geringfügig modifiziert werden, versicherte er. Dies betreffe eher die technischen Abläufe als den Inhalt der Inszenierung. Mulders zieht in Erwägung, das Publikum vor der Vorstellung über die Pannen zu unterrichten.
Die mögliche Ursache für das ganze Schlamassel ist ein echter Hammer: Projektleiter Volm erklärte, dass ein Großteil der Bühnentechnik schon 2017 installiert wurde. Damals ahnte wohl niemand, dass die Inbetriebnahme erst „dann 2026 wird“. Die Folge ist ein finanzielles Desaster: Für einen Anteil von 80 Prozent der Technik ist die Gewährleistung abgelaufen. Das bedeutet, die Bühnen bleiben auf den Reparaturkosten sitzen. Lediglich für die übrigen 20 Prozent will Volm prüfen, ob man sich Geld zurückholen kann. (red)
