Jubel in München, Enttäuschung in Köln und Nordrhein-Westfalen – so fallen die Reaktionen auf die Olympia-Entscheidung aus.
Reaktionen auf Olympia-Entscheidung„Hatte drei Sekunden Zeit mich vorzubereiten“

Copyright: Marijan Murat/dpa
Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister von Köln, zusammen mit Darja Varfolomeev, Olympiasiegerin der rhythmischen Sportgymnastik, in Baden-Baden.
Aktualisiert:
München ist der Kandidat für eine deutsche Bewerbung um Olympia und Paralympics für 2036, 2040 oder 2044. Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden im Duell mit Köln-Rhein-Ruhr durch.
Das verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert, der sich einen Zettel-Fauxpas leistete und so den Sieger schon kurz vorher verriet. Während in Bayern gejubelt wird, herrscht in Köln und Nordrhein-Westfalen am Samstag Enttäuschung pur. So fallen die Reaktionen aus:
Torsten Burmester (SPD)
„Ich habe den Umschlag gesehen, auf dem München stand, kurz bevor die Entscheidung bekannt gegeben wurde. Ich hatte dann drei Sekunden Zeit, mich vorzubereiten. Da merkt man natürlich erst mal, dass man verloren hat. Aber man merkt auch, dass man sehr viel geleistet hat“, sagte der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester mit Blick auf eine Panne auf der Bühne – und würdigte das gemeinsame Engagement in Köln und NRW.
„Wir, NRW, alle Beteiligten, sind zu einem Team zusammengewachsen, das eine hervorragende Bewerbung konzipiert hat“, sagte Burmester. „Wenn ich mal Markus Söder zitieren darf: ‚Ihr habt uns alles abverlangt und wir haben gezittert.‘ Wir haben sie in Bedrängnis gebracht, haben aber letztlich verloren, das akzeptiere ich. Aus Niederlagen wird man stärker“, fügte der SPD-Politiker hinzu.
Deshalb sei es wichtig, „dass wir all das, was wir in Köln und der Region an Energie für den Sport geschaffen haben, in eine Initiative überführen“, erklärte Burmester weiter. „Ich möchte das ‚Veedel in Bewegung‘ nennen. Wir müssen dafür sorgen, den Sport weiter zu den Menschen zu bringen, in die Vereine, damit das alles nicht verloren geht, was wir jetzt an Begeisterung für den Sport erreicht haben.“
Hendrik Wüst (CDU)
„Ich bin sehr, sehr stolz auf den gemeinsamen Weg, den wir mit Köln gegangen sind“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. „Wir haben nichts liegen lassen, wir haben ein sehr, sehr überzeugendes Konzept vorgelegt. Wir haben immer wieder nachgesteuert, ganz im Sinne der Sportler.“ München sei „die Nasenspitze vorn“ gewesen, so Wüst. „Glückwunsch dazu. Und jetzt holen wir gemeinsam die Spiele nach Deutschland. Da gehen wir voll ins Geschirr für die deutsche Bewerbung.“

Copyright: AFP
Markus Söder (CSU) zusammen mit Hendrik Wüst (CDU) auf der Bühne in Baden-Baden.
Mona Neubaur (Grüne)
Die stellvertretende NRW‑Ministerpräsidentin Mona Neubaur erklärte in Köln: „Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam einen richtig, richtig harten Wettbewerb sozusagen bis zur letzten Sekunde angenommen und ein tolles Konzept vorgelegt, auf das wir als NRW stolz sein können. Es verbindet Kommunen, es verbindet Vereine, es verbindet unsere Spitzenverbände im Sport, im paralympischen Sport. Dass wir jetzt unterlegen sind – das weiß man als Sportland –, das ist natürlich mit Enttäuschung verbunden.“
„Natürlich ist das Austragen von Olympischen Spielen und das Mitfiebern – schaffen wir es, uns im internationalen Wettbewerb durchzusetzen – immer sozusagen etwas, wo man richtig Bock drauf hat, mitzumachen“, erklärte Neubaur weiter.

Copyright: Thomas Frey/dpa
Mona Neubauer (Grüne), Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, spricht bei der Kölner Olympia-Party zur DOSB-Entscheidung.
„Ich glaube, dass das, was jetzt an Strukturunterstützung für unseren Sport in Nordrhein-Westfalen – also Übungsleiter, Pauschalen für die vielen Tausende, Hunderttausende von Trainerinnen und Trainern in den Vereinen – dass wir da sozusagen eine Stärkung reingegeben haben, dass wir die Sportstätten, dass wir Schwimmbäder wirklich sanieren und in Schuss bringen und das bleibt. Diese Zusage, die Struktur für den Sport in Nordrhein-Westfalen zu modernisieren, das bleibt“, betonte die Grünen-Politikerin. „Und bei den Infrastrukturprojekten will ich hoffen, dass wir, wo immer möglich, über die Stadtgrenzen hinweg eine Region auch werden, in der wir die Dinge dann in der Geschwindigkeit umsetzen.“
Friedrich Merz (CDU)
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich auf der Plattform X: „Olympia gehört nach Deutschland. München ist unser Kandidat für die Bewerbung, ganz Deutschland steht dahinter“, schrieb der Bundeskanzler und fügte hinzu: „Wir wollen die Olympischen und Paralympischen Spiele zu uns holen – für Gänsehaut, große Erfolge, unvergessliche Momente und ein ganzes Land, das mitfiebert.“
Markus Söder (CSU)
Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich erfreut über den Zuschlag für die Landeshauptstadt. „München macht‘s! Wir gehen als deutscher Bewerber in das Rennen um Olympische und Paralympische Spiele. Das ist ein riesiger Erfolg für das Sportland Bayern und die ganze Republik“, schrieb Söder in den sozialen Netzwerken kurz nach der Entscheidung. „Es ist eine große Ehre und zugleich ein großer Ansporn“, hieß es weiter. „Danke allen Bewerbern für ihren Einsatz und den fairen Wettstreit.“
Nun heiße es: „Mit München für Olympia in Deutschland“, erklärte der CSU-Politiker weiter. „Wir wollen den einzigartigen Spirit von Olympia neu erleben und der Welt ein hervorragender Gastgeber sein“, hieß es weiter von Söder, der mit Blick aufs Münchner Oktoberfest hinzufügte: „Olympia, Paralympics und danach alle gemeinsam auf die Wiesn – das wäre doch was!“
Sportausschuss der Stadt Köln
Glückwünsche an München kamen derweil aus Köln: „Im Namen des Sportausschusses der Stadt Köln gratuliere ich München zu diesem Erfolg“, erklärte der Ausschussvorsitzende Oliver Seeck und dankte allen, die sich für die Kölner Bewerbung eingesetzt haben, ausdrücklich für ihren Einsatz. Köln und die Rhein-Ruhr-Region seien mit einem „starken Konzept“ angetreten, betonte Seeck. „Dieser Einsatz war nicht vergebens, denn er hat gezeigt, welche Kraft und Begeisterung für den Sport in unserer Region und in Nordrhein-Westfalen stecken.“
Nach „einem fairen und intensiven Wettbewerb“ sei es nun an der Zeit, geschlossen hinter dem deutschen Kandidaten zu stehen, hieß es weiter. Die Olympia-Bewerbung habe dem Sport in Köln dennoch einen „enormen Stellenwert verschafft und viele Menschen begeistert“, betonte Seeck. „Diese positive Bedeutung des Sports für Köln müssen wir jetzt, auch ohne den Zuschlag, unbedingt erhalten und weiter mit Leben füllen.“
Britta Heidemann (Olympiasiegerin)
„Als der Umschlag schon vor der Verkündung zu sehen war, war das einen kurzen Moment sogar ein bisschen lustig“, sagte auch Britta Heidemann, Kölnerin und Olympiasiegerin im Fechten, mit Blick auf die Panne auf der Bühne. „Ich bin natürlich erst einmal etwas enttäuscht gewesen. Aber uns war klar, dass München auch eine gute Bewerbung hat“, so Heidemann. Mit der Entscheidung für München können sie „gut leben“, erklärte die Kölnerin. „Ich denke, dass auch München ein super Konzept und eine tolle Strahlkraft hat. In NRW haben wir trotz allem eine knappe Milliarde Euro freigesetzt für Sport und Sportstätten, die können wir gut gebrauchen“, betonte die Sportfunktionärin.
Jörn Stobbe (FC-Präsident)
„Natürlich sind wir enttäuscht, dass Köln nicht den Zuschlag erhalten hat – gerade, weil unsere Bewerbung so überzeugend war“, sagte derweil Jörn Stobbe, Präsident des 1. FC Köln, am Samstag. Das Bewerbungsteam um Oberbürgermeister Torsten Burmester und die beteiligten Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen habe in den vergangenen Monaten „herausragende Arbeit“ geleistet, betonte Stobbe.

Copyright: Marijan Murat/dpa
Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), öffnet den Umschlag: München ist der deutsche Olympia-Kandidat.
Für Köln bedeute die Entscheidung keineswegs das Ende der Ambitionen. „Im Gegenteil: Die Bewerbung hat eindrucksvoll gezeigt, über welches Potenzial unsere Sportstadt im Schulterschluss mit ganz Nordrhein-Westfalen verfügt“, erklärte der FC-Präsident und übermittelte seine Glückwünsche nach Bayern: „Wir nehmen die Entscheidung sportlich und gratulieren München herzlich zur Ernennung als deutsche Kandidatenstadt.“
Stefan Löcher (Manager der Lanxess-Arena)
Auch Stefan Löcher äußerte sich zur Entscheidung: „Ich bin unfassbar traurig, weil wir eine extrem tolle, gemeinschaftliche, über Partikularinteressen hinausdenkende Ausschreibung gemacht und als Underdog deutlich aufgeholt haben“, sagte der Manager der Lanxess-Arena. „Ich glaube, wir können uns in keiner Weise vorwerfen, dass wir nicht professionell, mit viel Herz für den Sport, aufgetreten sind. Umso trauriger bin ich jetzt.“
„Ich gönne es natürlich München“, fügte Löcher hinzu. „Lassen Sie uns jetzt Vollgas geben, damit Deutschland den Zuschlag für Olympia bekommt. Aber für unsere Region hätte es unglaublich viel bedeutet: natürlich Infrastruktur, den Sport nach vorne zu bringen, die Menschen und die Gemeinschaft nach vorne zu bringen.“
Enttäuschung auch in Leverkusen
Auch Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel (CDU) ist enttäuscht: „Natürlich ist man jetzt erst mal traurig. Wir haben in Leverkusen, tolle Vereine und tolle Athleten und für die hätte ich mir gewünscht, Olympia zu Hause erleben zu dürfen.“ In Leverkusen hätten olympische Fußballspiele stattfinden sollen, sagte Hebbel.
Leverkusens Landtagsabgeordneter Rüdiger Scholz ist ebenfalls enttäuscht. „Es tut mir leid für die Zehntausenden Ehrenamtler, die sich die vergangenen Wochen und Monate für Köln/Rhein-Ruhr eingesetzt haben. Ich finde, wir hatten die bessere Bewerbung. Aber jetzt gilt: alle gemeinsam, um Olympia nach Deutschland zu holen.“ Auch Hebbel betonte: „Wir stellen uns jetzt komplett in den Dienst von München, damit Deutschland die Spiele bekommt.“ (red)
