Einzigartig in Köln„Tesla-Taxi“ zieht alle Blicke auf sich – das ist seine irre Geschichte

Ein Taxi-Fahrer steht neben seinem Auto.

Der Kölner Taxi-Fahrer Recep Özdemir steht am Dienstag (4. April 2023) neben seinem Tesla vor der Zentrale des Taxi-Ruf in Köln.

In Köln gibt es neuerdings einen Tesla, der als Taxi durch die Stadt fährt. 

von Adnan Akyüz (aa)

In Köln gibt knapp 1200 Taxis. Doch seit wenigen Wochen fährt ein ganz besonderer gelber Flitzer durch die Stadt. Recep Özdemir (47) ist der erste Kölner Taxi-Fahrer mit einem vollelektrischen Tesla. EXPRESS.de hat mit ihm gesprochen.

Hinter dem irren Anblick steckt eine bemerkenswerte Geschichte. Recep Özdemir ist gelernter Orthopädietechniker, hat seinen gutbezahlten Beruf im Kölner Umland aufgrund einer Krankheit aufgeben müssen. Kurz vor der Corona-Pandemie vor drei Jahren fasste er sich ein Herz und machte sich als Taxi-Unternehmer selbstständig – anfangs noch mit einer Mercedes-E-Klasse.

Köln: Taxi-Fahrer nutzt Tesla und zieht alle Blicke auf sich

„Ich habe viel gelitten. Obwohl ich einen bestehenden Betrieb übernommen hatte, habe ich die 9000-Euro-Hilfe vom Staat nicht bekommen, weil ich keine eigenen Verdienste nachweisen konnte“, schildert der Kölner. Nach dem holprigen Start hat er aber nicht aufgegeben.

Alles zum Thema Lindenthal

Jetzt ist er ein Star unter den Taxi-Fahrern in Köln. Vor vier Wochen wurde sein Tesla Model Y (Listenpreis: 47.000 Euro) endlich geliefert. Wie der Kölner erzählt, gibt es bei Tesla, wie bei anderen Herstellern auch, extra einen Service für Taxi-Fahrer. „Das Auto wird vor der Auslieferung zu einer Spezialfirma in Oldenburg gebracht und dort für den Taxi-Betrieb umgerüstet. Dort können wir Fahrer es dann abholen“, schildert Özdemir.

Nehmen Sie hier an unserer EXPRESS.de-Umfrage teil:

Die typische Farbe sei aber kein Lack, sondern Folie. Genau wie die Umrüstung durch die Spezialfirma könne auch die Folie entfernt werden, so dass der Wagen – wenn er als Taxi ausgedient hat – wieder rückgerüstet werden kann, um ohne großen Verlust weiterverkauft werden zu können.

Und wie reagieren die Kundinnen und Kunden so? „Durchweg positiv. Viele sind erst sehr überrascht. Andere machen Fotos oder Selfies und stellen viele Fragen, wie der Taxi-Betrieb mit einem Elektrofahrzeug so klappt. Da ist man direkt im Gespräch“, erklärt der Kölner Taxi-Fahrer. Sein Wagen ist auf jeden Fall eine kleine Attraktion auf Kölns Straßen.

Kennen Sie alle?

Daten und Fakten zu Kölner Straßen

1/13

Wer das Tesla-Taxi mal ausprobieren möchte, kann sein Glück an Halteplätzen in Lindenthal, Sülz oder am Hauptbahnhof sowie am Breslauer Platz probieren. Wer ein „Umwelt-Taxi“ über die App des Taxi Rufs bestellt, hat auch die Chance den Tesla zu bekommen. Oder eines der vier vollelektrischen „London Taxis“.

Nach vier Wochen zieht Recep Özdemir auch einen Vergleich zwischen der E-Klasse und dem Tesla. Sein vorläufiges Fazit lautet: „Der Tesla ist wesentlich geräumiger, ein echtes Platzwunder im Innenbereich und viel gemütlicher. Ich bin nach meinen Schichten immer noch topfit.“

Ein Taxi steht auf einem Parkplatz neben anderen Autos.

Ein London-Taxi vor der Zentrale des Taxi-Rufs Köln, aufgenommen im März 2023 

Zudem spare er gut 50 Prozent an „Spritkosten“ und ist bis 2030 von der Steuer befreit. Und als Halter eines Elektrofahrzeug bekommt er sogar noch Geld dank der THG-Quote, indem seine eingesparten Treibhausgase „verkauft“ werden. Letztes Jahr waren es 400 Euro. Eine lohnende Investition für den Kölner.

Tatsächlich schaffe Özdemir „ohne Probleme“ seine Schichten, die schon mal bis zu zehn Stunden dauern können, wie er sagt: „Ich lade meinen Wagen privat über die Solaranlage meines Vermieters auf. Wenn ich mit 80 Prozent Akku morgens beginne, habe ich am Abend noch 30 bis 40 Prozent über. Das klappt ganz gut.“

Was noch nicht so gut klappt, sei die fehlende Infrastruktur in Köln. „Wir haben fast 100 Halteplätze für Taxis aber keine einzige mit Ladesäulen. Das ist ein großes Problem, weil viele Kolleginnen und Kollegen gerne auf Elektroantriebe umsteigen würden, sich aber noch nicht trauen“, sagt Özdemir.

Das Problem kennt auch Alexandar Dragicevic, Vorstand des Taxirufs Köln. Im Gespräch mit EXPRESS.de sagt er: „Wir fragen uns, warum Taxi-Fahrer vom Staat bei der Beschaffung nicht gefördert werden. Privatleute werden das. Wir fahren aber ein Vielfaches mehr und auch besonders oft durch Innenstädte. Gerade diese Bereiche sollen doch emissionsärmer werden. Wir würden gerne unseren Beitrag dazu leisten. Dafür benötigen wir aber auch ausreichend Ladesäulen, die es zurzeit leider noch nicht gibt.“

Bisher gebe 200 Taxis mit Hybrid-Antrieben. Die Intention des Taxirufs ist laut des Vorstands, dass der Taxi-Betrieb in Köln irgendwann mal komplett emissionsfrei gewährleistet werden kann.