Ehrenfeld ist mit seinen Clubs ein Kölner Hotspot für Partyleute. Vom „Club Okay“ hat wohl noch keiner gehört. Ralf Brée hat die Geschichte dazu.
Köln-NostalgieEhrenfelder Original kennt alle Veedels-Geschichten

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Das Foto der Venloer Straße in Blickrichtung Kreuzung Leyendecker Straße entstand wahrscheinlich Ende der 1970er Jahre. Wo BMW Schäfer war (rechts vorne), befand sich zuvor der „Club Okay“.

Genau gegenüber von seinem Geschäft, vor dem Ralf Brée (61) täglich steht und sein Zigarettchen raucht, war eine Tankstelle, „die betrieben zwei Italiener“ – weg! Die Mieten im Neubau dort – hoch! Die Straßenbahnen fuhren vor seiner Nase, die fahren jetzt unter der Erde.
Den legendären Imbiss „Strohhuts Eck“ konnte er von hier aus sehen, jetzt sieht er: McDonald’s. Ralf ist ein „Veedelsmensch“. Er sieht Ehrenfeld seit 44 Jahren kommen und gehen – für die EXPRESS.de-Reihe „Kölner Typen“ haben wir ihn besucht.
Kaufmann Ralf Brée vom „Antik-Shop“ steht seit 44 Jahren an der Venloer Straße
Geboren im Klösterchen in der Südstadt, zog Ralf mit seiner Familie nach Mülheim, dann nach Widdersdorf, schließlich nach Ehrenfeld. Man sieht ihn fast täglich an seinem „Antik-Shop“ für Gebrauchtmöbel und Antiquitäten, wie er beobachtet, was auf der Straße passiert. Er ist Kaufmann schon seit seinem 17. Lebensjahr.
Sein Laden selbst erzählt schon Geschichte: Wo heute britische Standuhren aus dem 19. Jahrhundert, Gemälde, Kupferstiche und alte Sekretäre stehen, befand sich früher das Autohaus BMW Schäfer (eine Rampe für Autos und das große Schaufensterglas erinnern daran). Vorher befand sich an der Adresse ein Tanzlokal mit dem Namen „Club Okay“.

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Ralf Brée, wie man ihn nahezu täglich sieht. Er steht vor seinem „Antik-Shop“ an der Venloer Straße 360 in Ehrenfeld. Hier befand sich vorher ein Autohaus, davor ein Tanzclub.
Durch seinen Stiefvater, der in dem Metier tätig war, rutschte Ralf Brée schon in jungen Jahren in den Gebrauchtmöbelhandel und blieb dabei. In die frühe Zeit fiel ein spektakulärer Auftrag: Die Brücker Wohnung des 1985 in die DDR übergelaufenen Verfassungsschutzbeamten Hansjoachim Tiedge († 2011 bei Moskau) musste aufgelöst werden – die Möbel wanderten nach Ehrenfeld.
Seine Kundschaft hat sich über die Jahrzehnte verändert. „Ein bisschen was Vernünftiges, Altes, Schönes“, so beschreibt der Händler, wonach seine heutigen Käufer suchen – meist Menschen im mittleren Alter mit gutem Einkommen. Studierende und WG-Bewohner kämen dagegen kaum noch vorbei: „Die kaufen sich im Handel ein Regal für 70 Euro, und dann ist gut.“ Schmunzelnd schiebt er hinterher: „Oder sie kaufen ein Bild nur für den Rahmen. Dann schmeißen sie das Bild nachher raus.“
Noch deutlicher wird der Wandel, wenn Ralf von der Venloer Straße selbst erzählt. Früher ein Arbeiterviertel mit Fachgeschäften für fast alles – ein Eisenwarenladen, in dem man einzelne Schrauben kaufen konnte, ein Porzellangeschäft, ein TV- und Radiohändler, dazu, wie er sagt, „Kneipen ohne Ende, 50 waren es hier bestimmt“. Die meisten sind verschwunden. „Alles hat sich erneuert – ja, die Zeit dreht sich!“
Was bleibt, ist die Erinnerung. Neben seinem Laden, heute ein Kiosk, war früher mal ein Zoogeschäft. Und es gab einen Spielwarenhändler mit dem Namen Frankenstein.

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Ralf Brée mit historischen Fotos, die aus einer Wohnungsauflösung stammen: Sie zeigen Franz Liszt um 1885 in Weimar.
Immer wieder kommen frühere Anwohner vorbei, die vor Jahrzehnten weggezogen sind und das alte Veedel noch einmal sehen wollen. Manche bringen sogar alte Fotos der Straße mit: „Hier war ich früher mal vor 30 Jahren drin“, hört Ralf dann öfter – manchmal von Menschen, die als Kinder mit ihrer Mutter im Laden waren und nun selbst wiederkommen.
Kürzlich erst hat ihm ein Bekannter ein Schwarz-Weiß-Foto der Venloer Straße geschickt, auf dem noch das BMW-Autohaus zu sehen ist. Es war einmal in Ehrenfeld.
