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Streit in NippesMietergemeinschaft kündigt Widerstand gegen Abrisspläne an

Hans Jörg Depel, Geschäftsführer des Mietervereins Köln, steht der Hausgemeinschaft zur Seite.

Hans Jörg Depel, Geschäftsführer des Mietervereins Köln, steht der Hausgemeinschaft zur Seite.

In Nippes eskaliert ein seit drei Jahren schwelender Streit.

In Nippes brodelt es. Grund ist ein Streit zwischen einer Hausgemeinschaft und dem Eigentümer, der nun schon seit mehreren Jahren herrscht.

Einen „selten erreichten Grad von Unverfrorenheit“ nannte der Kölner Mieterverein den Vorgang bereits vor zweieinhalb Jahren. Damals hatte ein neuer Eigentümer den meisten langjährigen Mietparteien eines Mehrfamilienhauses in Nippes gekündigt. Damit nicht genug: er überzog sie mit Abmahnungen. Selbst eine schwer an Krebs erkrankte 84-jährigen Frau erhielt die Kündigung.

Eigentümer will Balkone und Dach abreißen

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses wehrten sich, schalteten Anwälte ein und minderten die Mieten, da Sanierungen nicht erledigt und Balkone dauerhaft unbenutzbar waren. Einer der Mieter, Clemens Erbach, verklagte den Eigentümer erfolgreich auf die Instandsetzung der Balkone. Doch eine neue Ankündigung des Eigentümers könnte dieses Urteil nun zunichtemachen.

Denn kurz vor Weihnachten erhielten die Mietparteien ein Schreiben. Darin kündigt der Eigentümer an, ab dem 1. März sämtliche Balkone abzureißen. Zudem sollen der Dachstuhl und die Dachwohnungen weichen, um das Gebäude um drei Etagen aufzustocken. Die Folge: u.a. würden sich Grundrisse ändern, in manchen Wohnungen ein Zimmer wegfallen, Fenster in Küche und Bad zugemauert. Auch das Treppenhaus soll an anderer Stelle neu gebaut werden, was mit erheblichem Lärm und Staub verbunden wäre.

Keine der Mietparteien hat diesen weitreichenden Maßnahmen zugestimmt; alle widersprechen. „Sollten die Arbeiten tatsächlich dennoch beginnen, werden wir ebenfalls raten, juristisch vorzugehen, erklärt Hans Jörg Depel, Geschäftsführer des Kölner Mietervereins.“

„Wenn man die Hartnäckigkeit dieses Vermieters betrachtet, kann man nur den Kopf schütteln. Da wird scheinbar jede Möglichkeit genutzt, um Mieter mürbe zu machen“, sagte Depel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zum Glück, so Depel weiter, habe das bei vielen nicht funktioniert. „Ein Mietverhältnis ist ein Dauerschuldverhältnis, das sollten beiden Parteien klar sein. Ein Mietverhältnis sollte nicht eskalieren. Hier allerdings denken wir: Auf einen groben Klotz gehört auch ein grober Keil.“

Clemens Erbach erinnert sich, dass der Streit vor drei Jahren begann, als der damalige neue Eigentümer das Haus einrüsten ließ. Geplant waren Dämmung, Dachstuhlerneuerung und Balkonsanierung. Monatelang lagerte Bauschutt im Garten, der dadurch unbenutzbar wurde. Es folgten Mieterhöhungen und Abmahnungen. Einige Parteien zogen aus, doch die verbliebene Hausgemeinschaft hält zusammen – nach der jüngsten Ankündigung erst recht.

„Das Dach wurde erst vor drei Jahren saniert, auch die Fassade ist gedämmt worden“, betont Erbach. Die Mieter seien daher nicht verpflichtet, sich an den Kosten für die erneute Modernisierung zu beteiligen. Er ist sich sicher, dass die Mieter nicht klein beigeben werden: „Wir sind in den vergangenen Jahren zusammengerückt und werden uns nicht kleinkriegen lassen.“

Die Mietparteien haben nun die Nachbarn über die Pläne informiert und warnen vor erneutem Lärm, Verschattung und dem Wegfall von Parkplätzen. Sie wollen den Druck auf die Bauaufsicht erhöhen, auch weil das Haus auf lockerem Untergrund mit hohem Grundwasserstand steht.

Pikant ist, dass die Stadt dem Antrag auf Abriss des Daches und Aufstockung um drei Geschosse bereits vor über einem Jahr zugestimmt hat. Der Eigentümer informierte die Mieterinnen und Mieter aber erst kürzlich darüber. So könnten sieben zusätzliche Wohnungen entstehen.

Laut Stadt ist die Entscheidung über einen weiteren Bauantrag für einen Anbau mit drei zusätzlichen Wohneinheiten noch offen. Der Eigentümer äußerte sich auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht zu seinen Plänen, muss aber weiterhin mit erheblichem Widerstand rechnen (red).

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.