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+++ Eilmeldung +++ Hiobsbotschaft für alle Karnevalisten Ehemalige Hofburg stellt den Betrieb ein

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Exklusiv

Hiobsbotschaft für alle KarnevalistenEhemalige Hofburg stellt den Betrieb ein

Außenaufnahme des Pullman-Hotels in Köln.

Das Pullman-Hotel in der Helenenstraße ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Treffpunkt für die Karnevalisten der Stadt.

Aktualisiert

Diese Nachricht hat die jecke Szene aufgewühlt. Das Pullman-Hotel stellt Ende des Jahres den Betrieb ein. Zahlreiche Vereine suchen deshalb nach Alternativen für ihre Sitzungen, die Anfang 2027 steigen.

Das ist eine echte Schock-Nachricht für Kölns Karnevalsgesellschaften. Am Donnerstagabend (15. Januar 2026) haben zahlreiche Präsidenten eine Mail mit einer echten Hiobsbotschaft erhalten.

Das Pullman-Hotel in Köln stellt Anfang Dezember 2026 seinen operativen Betrieb ein. Der Pachtvertrag mit der Immobilie endet zum 31. Dezember. „Unser Bedauern über diesen Schritt können wir kaum in Worte fassen“, heißt es in der Mitteilung. „Ihr Gastgeber zu sein, war uns stets eine große Freude, und wir haben diese Aufgabe mit viel Herzblut erledigt.“

Pullman-Hotel stellt Anfang Dezember 2026 den operativen Betrieb ein

Wie die Immobilie zukünftig genutzt wird, entscheidet der schwedische Investor Pandox. Der hatte das Hotel im Frühjahr für rund 66 Millionen Euro von Art-Invest Real Estate gekauft; die Übernahme wurde im April 2025 abgeschlossen. Die Firma AccorInvest blieb vorerst der Hotelbetreiber, ist nun aber Ende des Jahres raus.

47 Jahre lang war das Hotel in der Helenenstraße die traditionelle Hofburg des Kölner Dreigestirns. Michael Gerhold war Anfang 2018 der letzte Prinz, der mit seiner Entourage das „Zuhause auf Zeit“ dort bezogen hatte. Marc Michelske war dann der erste Prinz, der Anfang 2019 mit dem Trifolium ins Dorint am Heumarkt eingezogen ist.

Das Pullman blieb aber dennoch eine wichtige Adresse im Kölner Sitzungskarneval. Bis zu 30 Veranstaltungen gehen dort pro Session über die Bühne. Am Freitagabend steigt die Prunk- und Kostümsitzung der Grosse Braunsfelder KG. Die wollte eigentlich ausgelassen das 50. Jubiläum der Gesellschaft feiern.

Stattdessen hatten die Verantwortlichen wenige Stunden vor der Sitzung einen Termin mit General Manager Sabine van der Wolf. „Wir hatten eigentlich einen Vertrag bis 2029, der jedoch beidseitig kündbar war. Jetzt gehen wir davon aus, dass wir für 2027 Alternativen benötigen, aber die sind in Köln dünn gesät“, heißt es von den Braunsfeldern.

Der Treue Husar auf der Bühne im Pullman-Hotel.

Der Treue Husar ist Stammgast im Pullman-Hotel. Die Gesellschaft feiert dort unter anderem den Korpsappell.

Betroffen von der Nachricht sind auch andere Gesellschaften wie der Treue Husar, die Nippeser Bürgerwehr, Schmuckstückchen, Bürgergarde, Goldmarie, Große Allgemeine, Fidele Burggrafen oder Löstige Paulaner. Alle Vereine wissen nun nicht mehr, wo sie ihre Veranstaltungen Anfang 2027 ausrichten sollen.

„Die geplante Schließung Ende 2026 hat uns überrascht und betroffen gemacht. Auch deshalb, weil wir wissen, dass diese Entscheidung für das engagierte Team im Haus ebenso kurzfristig kam. Wir stehen solidarisch an der Seite der Mitarbeitenden, mit denen uns über viele Jahre Vertrauen, Verlässlichkeit und ein herzliches Miteinander verbinden“, sagt Markus Simonian, Präsident der Treuen Husaren zu EXPRESS.de.

„Unsere Mädchensitzung, die Kostümsitzung und der Korpsappell sind seit Langem fest mit dem Pullman verbunden – für uns, für unsere Gäste und für viele andere im Kölner Karneval. Umso schwerer fällt es, nachzuvollziehen, dass eine so weitreichende Entscheidung ohne Rücksicht auf gewachsene Bindungen und bestehende langfristige Verträge getroffen wurde.“

Eine Tanzgruppe beim Auftritt im Pullman.

Auch wenn der Saal im Pullman nur Platz für rund 900 Gäste bietet, war er bei vielen Gesellschaften für die Sitzungsformate beliebt.

Bisher gibt es keine gesicherten Informationen, was der Investor mit der Immobilie im Herzen der Stadt vorhat. „Das Hotel hat eine starke Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs und der Innenstadt. Das Hotel ist in gutem Zustand und bietet durch Renovierung und Neupositionierung beste Möglichkeiten für ein deutliches Wachstum des Nettobetriebsertrags und des Immobilienwerts“, sagte Liia Nõu, CEO von Pandox, beim Kauf.

Die Vereine rechnen deshalb damit, dass nach dem Pullman-Abschied erst einmal umgebaut und das Konzept überarbeitet wird. Aktuell bietet das Haus 275 Zimmer und große Tagungsräume. Ob der künftige Betreiber jedoch weiterhin auch den Karnevalisten ein Zuhause bieten will, steht in den Sternen.

Pandox besitzt bereits drei Hotelimmobilien mit insgesamt 720 Zimmern in Köln: das Radisson Blu Cologne, das Leonardo Hotel Köln Bonn Airport und das Leonardo Royal Hotel Köln – Am Stadtwald. Dort gibt es keine Karnevalsveranstaltungen.

Treuer Husar: „Schließung hat uns überrascht und betroffen gemacht“

„Unabhängig von der Enttäuschung über den Prozess richten wir den Blick nach vorn“, sagt Berthold Diller, 1. Vorsitzender des Treuen Husaren. „Wir stehen im engen Austausch mit dem Hotelteam. Dabei geht es uns um konkrete Lösungen, um Planungssicherheit und um Verlässlichkeit für unseren Verein und unsere Veranstaltungen. Wir werden uns aktiv dafür einsetzen, tragfähige Wege zu finden.“

Geschätzte 400 Künstlerbuchungen für die kommende Session hängen durch das Pullman-Aus nun ebenfalls in der Luft. Auch die Radeberger Gruppe, die bisher Bierlieferant des Hotels war, fürchtet Konsequenzen. In der jecken Szene stehen die Telefone nicht mehr still. Es gilt, schnell Alternativen zur ehemaligen Hofburg zu finden.