Unfassbaren Vorwürfen muss sich eine 62-Jährige zusammen mit ihrer Tochter vor dem Landgericht stellen.
Mordauftrag durch Schwiegermutter?Kölner: „Das reißt mir das Herz raus“

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Mutter und Tochter beim Prozessauftakt mit ihren Anwälten Nicolas A. Frühsorger, Dominik Weiß und Abdou A. Gabbar (v.l.) im Kölner Landgericht
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Ein Luxusleben mit Ehefrau und Kind auf Mallorca wandelte sich für einen Kölner Unternehmer zum schlimmsten Albtraum. Trennung, Streit ums Sorgerecht, dann wird es kriminell. Die Schwiegermutter soll auf der Urlaubsinsel nach einem Auftragskiller gesucht und bereits Geld bezahlt haben, so steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Köln. Auch ihre Tochter – die Noch-Ehefrau der „Zielperson“ – sei in den Plan involviert gewesen. Nachdem beide Frauen beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen schwiegen, sagte nun der Geschädigte aus. Im Zeugenstand wurde es hochemotional.
Kölner Unternehmer berichtet von Luxusleben auf Mallorca
Im Jahr 2018 habe er seine Ehefrau kennengelernt, in einer Diskothek auf Mallorca, erzählte der Kölner Geschäftsmann. Sie lebte damals in Berlin, er pendelte. „Ich glaube, wir waren beide auf Wolke sieben. Es war wunderschön“, berichtete der Zeuge in blumigen Worten. Später folgte sie ihm nach Köln, er machte ihr den Heiratsantrag – auf Mallorca. Schon in der Jugend hatte er davon geträumt, sich dort ein Domizil zu kaufen. „Ich bin sozial schwach aufgewachsen“, sagt er. Nun konnte er sich das leisten. Zuletzt habe man dort in einer 500-Quadratmeter-Villa mit riesigem Pool gelebt.
„Wir hatten ein Traumleben“, sagte der Unternehmer. Restaurants, Schmuck, Reisen, „die beste Zeit meines Lebens.“ Doch mit der Schwangerschaft seiner Frau seien die ersten Probleme aufgetaucht. Seine Frau sei unzufrieden geworden – mit sich, mit ihrem Körper. Nach der Geburt sei es schlimmer geworden. Das Leben auf Mallorca habe für seine Frau den Reiz verloren – obwohl ihre Eltern zwischenzeitlich auf die Insel gezogen waren. Dass er regelmäßig beruflich nach Deutschland pendeln musste – stets drei bis vier Tage Köln, dann zurück auf die Insel – habe für immer mehr Streit gesorgt.
Seine Frau habe dann den Wunsch geäußert, mit dem inzwischen geborenen Sohn zurück nach Deutschland zu ziehen. Dem habe er zugestimmt, „auch wenn ich gerne auf Mallorca geblieben wäre“. In Köln habe seine Frau als Arzthelferin gearbeitet, der Sohn sei in die Kita gegangen. Doch schnell sei die Situation eskaliert. Es sei zu Polizeieinsätzen gekommen, durch ungerechtfertigte Vorwürfe seiner Frau, so der Geschäftsmann. Schließlich sei das Jugendamt eingeschaltet worden. Es kam zur Trennung. Zuletzt habe es eine Umgangsregelung für den gemeinsamen Sohn gegeben.
Köln: Gastronom berichtet von Mordauftrag der Schwiegermutter
Eine Zeitlang sei Ruhe eingekehrt – bis seine Frau mit dem Kind zurück nach Mallorca wollte, erklärte der Unternehmer. Das habe er nicht gewollt, trotz des vorhandenen Anwesens auf der Insel. Als er einige Tage dort verbracht habe, habe er schließlich einen mysteriös klingenden Anruf bekommen. Ein ihm bekannter Gastronom, ein Pizzabäcker aus der Nähe von El Arenal, habe sich gemeldet, er solle dringend vorbeikommen. „Ich dachte, das ist vielleicht eine Falle, denn meine Frau hat mal bei ihm gekellnert“, berichtete der Kölner. Auch habe der Gastronom ihn zuvor mal des Drogenkonsums bezichtigt.
Im Lokal angekommen, sei er aus allen Wolken gefallen. „Deine Frau und deine Schwiegermutter wollen dich umbringen“, habe der Gastronom berichtet, „die wollen heute kommen und Geld bezahlen“. Er habe das nicht geglaubt. Doch später habe ihm der Pizzabäcker eine Voicemail geschickt, auf der die Stimme der Schwiegermutter zu hören gewesen sei. „Da wurde klar gesagt, dass ich getötet werden soll.“ Er habe dann eine Kamera in dem Lokal installiert – die zeichnete ein weiteres Treffen im Lokal auf, bei dem die Schwiegermutter einen Geldumschlag übergeben hatte.
Köln: Schwiegermutter und Ehefrau wurden verhaftet
Laut Anklageschrift war der Gastronom zum Schein auf die mutmaßliche Anfrage der 66-Jährigen nach einem Auftragskiller eingegangen. „Ich wusste aber nicht, ob sie noch weitere Täter beauftragt hat“, berichtete der Gastronom, er habe Todesängste ausgestanden. Er sei nach Deutschland zurückgereist, habe Anzeige bei der Polizei erstattet und seinen Sohn in Sicherheit gebracht.
Kurz darauf wurden seine Ehefrau, die zuletzt in Frechen wohnhaft war, und später seine Schwiegermutter verhaftet. Unter Tränen sagte der Unternehmer, wie sehr ihn die Situation belaste. Nicht nur, weil er um sein Leben fürchten musste, sondern auch, weil seinem Sohn so die Mutter genommen wurde: „Das reißt mir das Herz raus.“ Der Geschäftsmann weinte und sagte, er warte jeden Tag auf den Satz seines Sohnes: „Was ist mit Mama?“ Bisher sei die Frage bei dem Kind aber noch nicht aufgekommen.
Der Prozess vor dem Landgericht muss nun klären, was die Schwiegermutter auf Mallorca wirklich im Schilde führte – und ob es durch Sprachbarrieren zwischen ihr und dem Gastronomen womöglich zu Missverständnissen gekommen ist. Denn auch von einer möglichen bloßen Abreibung ist die Rede. Die Ehefrau des Geschäftsmanns streitet einen Mordplan dem Vernehmen nach ebenfalls ab. Ein Urteil in dem strittigen Verfahren vor dem Schwurgericht soll frühestens im August fallen.
