Abo

Interview

Anna-Maria ZimmermannParty-Queen blickt zurück: „Die Gefahr, dass ich noch einmal abstürze...“

Anna-Maria Zimmermann posiert auf dem Roten Teppich.

Copyright: Imago/Star-Media

Party-Queen Anna-Maria Zimmermann freut sich auf ihre erste Solo-Tournee ihrer Karriere.

Anna-Maria Zimmermann sorgt seit zwei Jahrzehnten auf den Bühnen für gute Stimmung. Ihre Karriere drohte durch den Hubschrauberabsturz zu platzen. Im EXPRESS.de-Interview spricht sie darüber.

Sie ist die Party-Queen mit der Gute-Laune-Garantie. Anna-Maria Zimmermann (37) beherrscht alle Bühnen – auf Mallorca, bei Schlagerpartys und beim Schützenfest.

Pop und Partyschlager sind ihr Metier. Trotz ihrer Hits wie „Himmelblaue Augen“, „Zusammen sind wir eins“, „Liebelei“ und „1000 Träume weit (Torneró)“ sowie mehr als 130 Veranstaltungen pro Jahr ist die Sängerin auf dem Boden geblieben.

Anna-Maria Zimmermann: Konzert am 13. März 2027 in Köln

Nach 20 Jahren im Showgeschäft erfüllt sich die zweifache Mutter nun einen Traum. Mit ihrer „100 Prozent ich“-Tour wird Anna-Maria Zimmermann im kommenden Jahr erstmals in Deutschland unterwegs sein. Am 13. März 2027 tritt sie in der Stadthalle Köln auf.

EXPRESS.de sprach mit der Powerfrau über ihren Werdegang, der vom schlimmen Hubschrauberabsturz 2010 geprägt ist, durch den Zimmermann lebensgefährliche innere Verletzungen und zahlreiche Knochenbrüche erlitt.

Wie ist die Idee entstanden, nach 20 Jahren auf der Bühne die erste eigene Tour auf die Beine zu stellen?

Anna-Maria Zimmermann: Ich bin das ganze Jahr mit meinen 40-minütigen Shows unterwegs. Der Ablauf ist immer gleich: rein, umziehen, singen, raus, Abfahrt, nächste Show. Da gibt es immer nur, ich sag’ immer so schön, das Zicke-Zacke-Programm. Alle Hände hoch, Stimmung muss da sein, das Zelt muss schwitzen. Und wenn die Stimmung am Höhepunkt ist, dann ciao. Das wirkt so, als könnte ich gar nichts anderes. Ich möchte den Fans aber auch mal andere Songs und die ruhigere Anna bieten. Und da habe ich mich mit meinem Dickkopf durchgesetzt.

Anna-Maria Zimmermann bei der Schlagernacht des Jahres auf der Bühne.

Copyright: IMAGO/pictureteam

Anna-Maria Zimmermann gibt auf der Bühne immer Vollgas. Doch sie möchte auch ihre ruhigere Seite als Künstlerin zeigen.

Anna-Maria Zimmermann nachdenklich auf einem Barhocker sitzend, eine Ballade singend, kann man sich kaum vorstellen.

Anna-Maria Zimmermann: Ich glaube, dass diese Tour einfach eine Möglichkeit ist, so ein wenig hinter die Künstlerin zu blicken. Ich bin auch nur eine normale Mama und nach meinem Unfall trage ich auch Gedanken mit mir herum. Diese Geschichten brauche ich aber nicht auf dem Schützenfest erzählen. Im März haben wir schon mal ein Konzert in Wickede gespielt, das war innerhalb von drei Wochen ausverkauft. Es hat so viel Spaß gemacht, auch mal andere Seiten von mir zu zeigen.

Und dann kam Dieter Semmelmann, der Konzertveranstalter von Roland Kaiser, ins Spiel?

Anna-Maria Zimmermann: Genau. Er hat gesagt: „Anna, ich schätze dich so sehr seit Jahren, du bist solch eine wichtige Künstlerin für mich. Das ist so toll, was du dir hier ausgedacht hast, und ich möchte mit dir auf Tour gehen.“ Und so ist es mehr oder weniger entstanden. Außerdem habe ich mir gedacht: Du bist jetzt Ende 30. Wie lange geht diese Mallorca-Geschichte noch so mit dir?

Wie bekommen Sie die Karriere und das Familienleben unter einen Hut?

Anna-Maria Zimmermann: In meinem Kalender sind inzwischen so viele freie Sonntage und Montage und Auszeiten geplant wie nie zuvor. Ich achte da schon drauf. Ich möchte, dass meine Jungs sonntags ihr Wochenende bei Mama ausklingen lassen können, um montags wieder in den Schulalltag zu starten. Ab diesem Sommer habe ich zwei schulpflichtige Jungs. Daher nehme ich mir einfach etwas mehr Zeit für mich und für die Jungs.

Mickie Krause mit Anna-Maria Zimmermann im Megapark.

Copyright: IMAGO/nicepix.world

Anna-Maria Zimmermann bezeichnet Mickie Krause als einen ihrer engen Freunde in der Partyschlager-Szene.

Sie haben den Unfall schon angesprochen. Wer hat Ihnen danach geholfen?

Anna-Maria Zimmermann: Ich habe natürlich nach meinem Unfall gedacht: „Ich habe hier so einen gelähmten Arm, wie sehe ich eigentlich aus? Das will doch keiner mehr. Das war’s jetzt für mich.“ Kollegen wie Mickie Krause, Oli.P und Tim Toupet waren die, die mir regelmäßig geschrieben haben, dass die Fans auf mich warten würden. Sie haben mir tolle Videos geschickt und mich immer wieder motiviert, nicht aufzuhören, sondern weiterzumachen, zu kämpfen, durchzuhalten und es noch einmal zu probieren. Auch in unserer Szene ist es wie in jedem normalen Job. Da gibt es Kollegen, die halt Kollegen sind. Es gibt aber auch die, die wirklich zu Freunden geworden sind.

Haben Sie ein Seminar gegen Flugangst besucht, oder wie haben Sie es überwunden, wieder in eine Maschine zu steigen?

Anna-Maria Zimmermann: Ich habe mir immer die Frage gestellt, ob ich überhaupt Flugangst habe. Müsste ich eigentlich, weil ich mit dem Helikopter abgestürzt bin. Dann habe ich mir meine beste Freundin geschnappt, habe zwei Flüge nach Mallorca gebucht und habe gesagt: „Wir müssen jetzt mal kurz eine Nacht nach Mallorca fliegen.“ Weil ich mir sonst möglicherweise eingeredet hätte, dass ich Flugangst habe. Ich weiß noch, wie ich mir meine Kopfhörer ins Ohr gepackt habe und die Stewardess zu mir sagte: „Beim Start bitte nicht.“ Da habe ich gesagt: „Heute wird nicht diskutiert, ich benötige diese Kopfhörer.“ Dann bin ich gelandet und habe gedacht: „Hey, ich glaube, ich habe gar keine Flugangst.“ Die Gefahr, dass ich noch einmal abstürze, ist sicher geringer, als einen Autounfall zu haben.

Rettungskräfte stehen nach einem Hubschrauberabsturz an der Unfallstelle.

Copyright: picture alliance / dpa

Bei Altenbeken in Nordrhein-Westfalen stürzte Anna-Maria Zimmermann am 24. Oktober 2010 mit diesem Hubschrauber ab.

Viel zu lesen war auch über Ihre Trennung von Ihrem Mann. Vor kurzem waren Sie in einem Meditationscamp. Was steckte dahinter?

Anna-Maria Zimmermann: Diese ganzen Berichte verstehe ich auch nicht. Als sei dies die erste Beziehung, die gescheitert ist. Das Camp musste mal sein. Nach allem, was in den vergangenen Jahren in meinem Leben passiert ist, musste ich mal wieder ein wenig bei mir ankommen. Ich benötigte diese Auszeit, um Dinge in meinem Leben zu verarbeiten und mir mal diese Zeit zu schenken, um wieder bei mir anzukommen. Das ist das, was man im Alter lernt. Einfach etwas mehr an sich selbst zu denken. Ich ruhe gerade so in mir selbst.

Sie sprachen schon vom Konzert in Wickede. Das hat Schlagzeilen wegen eines Feueralarms gemacht.

Anna-Maria Zimmermann: Ich war in der Umkleide und hab’ mich gerade umgezogen, während Pietro Basile auf der Bühne war, als der Alarm losging. Ich habe nur gedacht, dass das nicht wahr sein kann und die Show jetzt bestimmt zu Ende ist. Doch dann war ich heilfroh, als alle sagten: „Entspann dich, weitermachen, umziehen, fertig machen.“ Alle durften drinnen bleiben, die Show ging weiter. Ausgelöst wurde der Alarm durch die Pyroeffekte auf der Bühne.

Sie sind Stammgast im Megapark. Dort wird derzeit viel über KI‑generierte Partyschlager und die Inflation von vielen Songs diskutiert. Macht Ihnen das Angst?

Anna-Maria Zimmermann: Wir sind gerade wieder in einer kreativen Phase, um neue Songs zu schreiben. Deshalb werden uns auch wieder viele Angebote geschickt. Da sind auch viele KI-Songs dabei. Aber ich sage: Die können nicht mithalten mit unseren handgeschriebenen, selbstproduzierten Songs. Als Hilfsmittel ist die KI gut, aber ich mache mir aktuell keine Sorgen darum, dass die Songschreiber eines Tages beschäftigungslos sind, weil die KI das übernimmt. Gerade im Schlager benötigen wir noch etwas mehr Menschenverstand, Herz und Gefühl.

Sängerin Michelle & Sänger Eric Philippi mit Mikrofonen
„Habe ihn zum Teufel gejagt“
Michelle rechnet gnadenlos mit Eric Philippi ab