Nach Horror-Schlagzeilen Kölner Künstler zeigt, wie liebenswert sein Veedel ist

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„Wir sülz(en) nicht“: Mit diesem Visual Statement will Orlando provozieren und zum Nachdenken anregen. „Über Probleme, die Sülz hat, können wir in Höhenberg nur lachen. Stichwort: Der Nachbar war zu laut“, frotzelt er. 

Köln – Endlich kann das Veedel aufatmen! „Höhenberg war in letzter Zeit ständig in den Negativ-Schlagzeilen“, klagt Artist Orlando (46) gegenüber EXPRESS. „Wir hatten hier Morde, Brandanschläge (hier mehr dazu lesen) und und und“, so der Höhenberger Künstler weiter. Dem wolle der gebürtige Kolumbianer nun ein Ende setzen – mit einer Kunstaktion am „Dreh- und Angelpunkt“ des Problem-Veedels. 

Kunstaktion an Fuldaer Straße

„Hier an der Fuldaer Straße haben wir alles: Prostitution, Drogen, Gewalt und jeden Tag die Polizei“, sagt Orlando. Das Schlimme daran: „Kiosk Jay Jay (der Kiosk an der KVB-Haltestelle, Anm. d. Red.) kriegt das alles mit. Das ist nicht immer leicht“, erzählt er. 

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Artist Orlando arbeitet seit 25 Jahren im Nachtleben, tanzte in den 90ern im Alten Wartesaal, arbeitete im Bogen 2 und ist heute für „Visuals“ im Helios in Ehrenfeld zuständig. Dass er auch auflegen kann, bewies er am 16. Januar in Höhenberg...

Darum wollte der Kölner jetzt mal etwas für Höhenberg tun.  „Ich war um 7.30 Uhr im Baumarkt und habe Bretter, Stoff und Lichter gekauft und dann alles zusammengezimmert“, so Orlando.

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EXPRESS-Volontärin Johanna Ristau stattete Artist Orlando einen Besuch an der Fuldaer Straße ab.

Der Künstler hat eine Art Zelt ohne Dach aufgebaut und mit einem Beamer Veedels-Sprüche auf die Leinwand projiziert. Darunter: „Kalk wurde nicht von Hipstern erfunden“ oder „Höhenberg – Uns scheint die Sonne aus dem Arsch“.

Dazu legte er elektronische Lounge-Musik auf. Von Mittwochnachmittag 15 Uhr bis Donnerstagmorgen 8 Uhr zog er die Aktion durch.

Kooperation mit Kiosk Jay Jay 

Das Ganze lief in Kooperation mit Kiosk Jay Jay ab. „Ich finde die Idee von Orlando super. Durch die Medien haben alle den Eindruck bekommen, dass Höhenberg gefährlich ist. Deswegen wollen wir hier jetzt mal was Schönes machen“, so Kioskbetreiber Cihan „Jay Jay“ Akgöz (38) zu EXPRESS. 

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In Höhenberg hält man zusammen. So auch Künstler Orlando und Kioskbetreiber Cihan Akgöz

Der 38-jährige Türke hat auch seinen Teil zu der skurillen Aktion beigetragen: „Ich habe jetzt 15 Liter Glühwein geholt, die ich hier umsonst ausschenke. Auch ich werde den Kiosk bis morgen früh um 8 Uhr geöffnet lassen. Eigentlich schließe ich um 23 Uhr.“

Knapp 500 Euro für Kunstaktion

Um der schrillen Aktion trotz Minusgraden auch etwas Gemütlichkeit einzuhauchen, brachte Orlando Gartenmöbel, Kissen und Decken mit. Insgesamt kostete die Aktion den Künstler knapp 500 Euro.

„Mir ist es wichtig mit den echten Höhenbergen zu connecten. Auf der Straße nimmt man das, was kommt. Das ist anders als eine Ausstellung oder ein biederes Konzert zu veranstalten“, so der Kolumbianer, der als Kind selbst in Bogota auf der Straße lebte, später von Deutschen adoptiert wurde.

„Mir ist es wichtig auch die Menschen zu erreichen, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben. Ich lebe nicht nur in meinem eigenen Kosmos, sondern möchte verschiedenste Leute mit meinen Aktionen erreichen“

Positive Resonanz für Artist Orlando 

Und das hat Orlando auf alle Fälle geschafft. Seine Gäste: Alles andere als Kunstliebhaber. 

Kevin Bleistein (31) und Rafael Pielka (36) aus Höhenberg waren begeistert: „Supergeile Aktion. Könnte man öfter machen.“ 

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Für den arbeitslosen Kevin Bleistein und den Mitarbeiter der Müllwerke Frechen Rafael Pielka war das Aufgebot an der Fuldaer Straße eine echte Überraschung. 

Busfahrerin Tatjana Schwarze (31) war beeindruckt. „Was der Orlando hier alles aufgefahren hat für uns, Wahnsinn!“

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Auch mit der KVB-Angestellten Tatjana Schwarze kam der sympathische Künstler ins Gespräch. 

Hochprozentiges Ründchen

Gerüstverkäufer Sergej (36), Rentner Willi (80) und Bauarbeiter Micha (56) konnten ihr Glück kaum fassen – auch wenn sie nach eigenem Empfinden etwas nachhelfen mussten.

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Dolce Vita op Höhenbergsch: Sergej (l.) und Micha genießen das Leben bei Bier, Glühwein, Schnaps und Zigaretten

„Glühwein umsonst, geil. Aber das schmeckt wie Limo, daher tu' ich noch was Brandwein rein“, so Micha zu EXPRESS. Gesagt, getan, prompt füllte er seinen Glühweinbecher mit dem mitgebrachten Schnaps auf.

Auch Rentner Willi hatte einen Flachmann im Gepäck. „Das ist ein Rest Rum von zu Hause“, erklärte er fachkundig. 

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Brachte sich seinen Rum von zu Hause mit: Willi (80) genießt seinen Glühwein mit Schuss. 

Und Sergej? Der saß gemütlich mit Kappe, Kippe und BVB-Jacke zugedeckt auf dem Stuhl und trank ein Kölsch. „Wenn jetzt noch Cannabis legal wäre, wäre ich wunschlos glücklich“, gab er zum Besten. 

Scheint so, als hätte ein Teil von Höhenberg zumindest vorübergehend richtig Spaß im Veedel gehabt. 

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