Einzelfall oder alles viel schlimmer? Kölner Experte mit Schock-Einblick zu Judenhass

Ein Teilnehmer der Kundgebung "Nein zu Judenhass" trägt eine Kippa.

Nach dem Angriff auf einen Juden in Köln ordnet en Experte den Fall ein. Auf dem Symbolfoto ist ein Mann am 23. Mai 2021 mit Kippa in Nürnberg zu sehen. 

Nach dem Angriff auf einen Juden (18) am Wochenende in Köln erklärt ein Experte der Kölner Meldestelle für Antisemitismus, dass es sich bei der brutalen Attacke um keinen Einzelfall handelt. 

Köln. Es ist ein Fall, der vielen Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Am Freitag (20. August) wurde ein Jude in Köln (18) brutal angegriffen. Das Opfer wurde schwer verletzt und erlitt unter anderem einen Nasen- und Jochbeinbruch. Aktuell geht die Polizei von einem antisemitistisch motivierten Angriff aus. Ist die brutale Attacke gegen einen Juden in Köln ein schlimmer Einzelfall? „Leider nicht“ stellt Daniel Vymyslicky von der Kölner Meldestelle für Antisemitismus gegenüber EXPRESS klar.

Köln: Brutaler Angriff auf Juden – Meldestelle sucht Kontakt zu Opfer

Zwar sei der aktuelle Fall besonders brutal, doch Judenhass zeige sich auch in Köln regelmäßig als ein alltägliches Phänomen, das immer wieder in unterschiedlicher Form auftrete.

„Wir haben leider momentan noch keinen Kontakt zu dem Betroffenen. Wir versuchen aber, mit ihm in Verbindung zu treten“, sagt Daniel Vymyslicky von der Kölner Meldestelle für Antisemitismus.

„Leider ist es in Köln eine alltägliche Erfahrung, dass man mindestens angestarrt wird, wenn man eine Kippa trägt und damit durch die Stadt läuft“, so der Experte weiter. Immer wieder müssten sich Kippa-Träger abfällige Bemerkungen anhören.

„Doch dass es damit nicht aufhört, sondern auch immer wieder zu einer Gewalttat kommen kann, das hat man an diesem Wochenende wieder gesehen“, sagt Daniel Vymyslicky.

Köln: Angriff auf Juden – sind die Kölner Ringe zu gefährlich?

Passiert ist die brutale Attacke am Kaiser-Wilhelm-Park – also auf den Kölner Ringen. Sollten Juden in Köln mit einer Kippa diese Umgebung besser meiden?

„Grundsätzlich kann man leider gar nicht so klar unterscheiden, an welchem Ort man als Jude in Köln sicherer ist als an anderen. Fakt ist, dass solche Übergriffe und auch gewalttätige Übergriffe in jedem Stadtteil passieren können“, erklärt Vymyslicky.

„Jüdinnen und Juden, die hier eine Kippa tragen, wissen, dass so etwas immer passieren kann. Man kann ihnen aber trotzdem nicht absprechen, ihre Religionsfreiheit auszuüben“, appelliert der Experte. Ganz gefährlich sei es zu behaupten, dass Kippa-Träger judenfeindliche Angriffe selbst provozieren würden.

Köln: Angriff auf Juden – Meldestelle weist auf „extreme Form der Gewalt“ hin

„Schuld hat selbstverständlich immer der Täter oder die Täterin und nicht Jüdinnen und Juden, die eine Kippa tragen“, stellt Daniel Vymyslicky klar.

Die Kölner Meldestelle für Antisemitismus weist im EXPRESS-Gespräch darauf hin, immer wieder Fälle von verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Jüdinnen und Juden zu verzeichnen. Doch Daniel Vymyslicky betont trotzdem: „Dieser Angriff gegen einen jüdischen Mitbürger war eine extreme Form der Gewalt.“

Kölner Meldestelle für Antisemitismus: Verbale Angriffe in der KVB

In letzter Zeit habe die Meldestelle vor allem Meldungen aus dem verschwörungstheoretischen Kontext dokumentiert. Hintergrund sei hier zum Beispiel die Darstellung auf Demonstrationen, bei denen Gruppen die angebliche Verfolgung von Impfgegnern mit der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten gleichstellen.

„Zu sehen ist dann zum Beispiel ein Judenstern, wie er aus der NS-Zeit bekannt ist mit dem Schriftzug: 'Ungeimpft'. Nach dem Motto: 'Wir sind die Juden von heute.'“ Das komme einer Relativierung des Holocausts gleich und sei somit zu verurteilen, so Vymyslicky.

Immer wieder registriere die Meldestelle auch antisemitische Vorfälle, bei denen jüdische Mitbürger oder Mitbürgerinnen in der KVB beleidigt würden oder zum Opfer verbaler Attacken würden.

Antisemitische Vorfälle jedweder Art können Kölnerinnen und Kölner über die Homepage der Meldestelle melden. Dies sei wichtig, um Judenhass aufzuarbeiten und klare Kante gegen Antisemitismus zu zeigen.

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