Jude in Köln angegriffen Polizei sucht jetzt weitere Täter – Videos werden gesichtet

Ein Mann mit einer Kippa steht anlässlich der Veranstaltung "Gastmahl für alle" auf dem Neumarkt. Ausgerechnet Hass und Extremismus lösen in Deutschland oft eine Beschäftigung mit jüdischem Leben aus.

Ein junger Mann mit Kippa wurde in Köln brutal angegriffen. Hier ein Symbolfoto vom Juni 2018. 

Angriff auf einen Juden in Köln: Ein junger Mann (18) mit einer Kippa wurde im Kaiser-Wilhelm-Park auf den Kölner Ringen am Freitagabend schwer verletzt. 

Köln. Schlimmer antisemitischer Vorfall auf den Kölner Ringen am Wochenende: Wie die Polizei mitteilt, wurden mit Hilfe der Videobeobachtung zwei Heranwachsende (18, 19) gestellt, die am späten Freitagabend (20. August) im Kölner Kaiser-Wilhelm-Park am Raub einer jüdischen Kippa beteiligt gewesen sein sollen. Das 18-jährige Opfer, ein Jude, wurde dabei brutal niedergeschlagen.

Köln: Angriff auf Juden – Ermittlungen laufen

„Wir werten das gesamte Videomaterial aus“, sagte ein Polizeisprecher am Montag (23. August). Der junge Mann war offenbar wegen seiner jüdischen Kippa aus einer etwa zehnköpfigen Gruppe heraus attackiert worden.

Laut Angaben des Sprechers sei eine Ermittlungsgruppe im polizeilichen Staatsschutz eingerichtet worden. 

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Jude in Köln attackiert: Tatort Kaiser-Wilhelm-Park

Nach ersten Ermittlungen haben die beiden Täter einen 18-Jährigen, der eine Kippa trug, zunächst mit einer Gruppe antisemitisch beleidigt. Gegen 23.30 Uhr am Freitag soll der 18-Jährige dann aus der Gruppe heraus geschlagen und getreten worden sein.

Einer aus der Gruppe habe dem Heranwachsenden zudem seine Kippa vom Kopf geraubt.

Angriff auf Juden in Köln: Polizei sucht weitere Verdächtige

Wie die Polizei am Montag (23. August) mitteilt, wollen die Beamte nun anhand des Videomaterials weitere Personen identifizieren, die bei der Tat am späten Freitagabend mit dabei waren. Der 18-Jährige hatte mit einem Bekannten auf einer Grünfläche gesessen. 

Als sie gerade gehen wollten, soll er antisemitisch beleidigt worden sein. Er habe sich nach dem Grund erkundigen wollen und sei schließlich geschlagen worden, hieß es am Sonntag. Das Opfer wurde dabei schwer verletzt und erlitt unter anderem einen Nasen- und Jochbeinbruch. Er wurde von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht, das er am Sonntag wieder verlassen konnte. 

Jude in Köln angegriffen: Polizei lässt Verdächtige frei

Anderthalb Stunden nach dem Überfall erkannten Beamte der Leitstelle anhand der Aufzeichnungen zwei der mutmaßlichen Tatbeteiligten wieder und lotsten Streifenteams zu ihrem Standort auf die Ringe. Dort nahmen die Polizisten die jungen Männer fest. Sie wurden am Samstag wieder frei gelassen, gelten aber nach Polizeiangaben weiterhin als Tatverdächtige. Der 18-jährige Deutsch-Türke und der 19-jährige Deutsche haben sich laut Polizei bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. 

Nach jetzigem Stand der Ermittlungen und einer Vernehmung des Kippa-Trägers geht die Polizei davon aus, dass sich Täter und Opfer vor dem Zwischenfall nicht kannten. Nach Angaben des Kippa-Trägers sei er aus einer zehnköpfigen Gruppe heraus beleidigt worden. Daraufhin habe er sich nach den Gründen für die Beleidigungen erkundigt. Er wurde daraufhin „im Gesicht übel zugerichtet", wie es ein Polizeisprecher formulierte.

In unserer Stadt muss jeder und jede angstfrei leben können, egal welcher Religion man angehört.
Henriette Reker 

Am Wochenende hat sich auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker geschockt von dem Übergriff gezeigt: „Mit Entsetzen und Bedauern habe ich von der gestrigen Tat gehört. Antisemitische Übergriffe werden in unserer Stadt nicht geduldet und ich danke der Polizei, dass sie hier sehr schnell tätig wurde", so Reker in einer ersten Reaktion.

Jude in Köln angegriffen: Henriette Reker äußerte sich zu Attacke

Und weiter: „In unserer Stadt muss jeder und jede angstfrei leben können, egal welcher Religion man angehört, welche Weltanschauung man hat und wie man lebt und liebt." Reker appellierte an das tolerante Köln und machte klar: „Diese Weltoffenheit gehört zu Köln und macht diese Stadt aus, daher schmerzen solche Übergriffe hier bei uns ganz besonders und als Stadtgesellschaft müssen wir deutlich machen, dass wir dies nicht dulden.“ (bas/mj)

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