Hazel Brugger hat mit uns über ihre Ex-Heimat Köln, übers gefühlte Star-Sein und politische Lager in der Comedy-Szene gesprochen.
„Köln ist wie ein Hund“Hazel Brugger erklärt ihre einstige Wahlheimat

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Überfliegerin! 2025 gab es für Hazel Brugger den Bambi in der Kategorie„Humor mit Haltung“.

Der Humor trocken und preisgekrönt – die Frau dahinter eine der bekanntesten Comediennes Deutschlands und der Schweiz, tritt inzwischen sogar international auf. Hazel Brugger geht bald mit ihrem neuem Programm „Good Evening Europe“ auf Tour – und zwar in die großen Hallen.
Unter anderem geht es in ihre alte Heimat Köln (Lanxess-Arena, 1. Dezember 2026, Tickets ab 40 Euro). Zeit für ein ausfühliches Gespräch mit dem EXPRESS.
Hazel Brugger: Köln ist nie beleidigt!
Sie haben acht Jahre lang in Köln gewohnt, jetzt leben Sie mit Mann und Kindern in Südhessen. Wieso sind Sie weggezogen – und vermissen Sie Köln gar nicht?
Hazel Brugger: Das Schöne daran, wenn man lange in Köln gewohnt hat, ist, dass man immer wieder zurückkehren kann und es dann sowas von easy-going ist. Die Leute bringen eine Kompatibilität mit allem mit, so dass man sofort wieder zuhause ist. Köln ist keine beleidigte Stadt. Köln ist eher wie ein Hund als wie eine Katze. Weggezogen sind wir aus zwei Gründen. Zum einen die fehlende Natur in Köln. Man kann im Rheinland und im Ruhrgebiet so lange von Stadt zu Stadt gleiten! Zum anderen sind die zweieinhalb Stunden, die ich jetzt südlicher lebe, ein Gamechanger, wenn es darum geht, meine Familie in der Schweiz zu besuchen oder besucht zu werden.
In der Ankündigung zum neuen Programm heißt es: „Was macht man, wenn beruflich alle klatschen, aber zuhause im Dorf trotzdem niemand beeindruckt ist?“ Was ist damit gemeint – und ist zuhause Südhessen oder die Schweiz?
Hazel Brugger: Das Dorf in der Schweiz habe ich als Heimat hinter mir gelassen. Ich finde, sobald man selbst Kinder wo hat, ist das die Heimat, dort wo die Kinder mit einem wohnen. Ich meine also tatsächlich das Dorf in Hessen. Ein beruflicher Erfolg von Hazel Brugger lockt dort niemanden hinterm Ofen hervor, dort ist es wichtiger, wer beim Winzerfest wie viele Bembel leerg'soffe hätt' und wie viele verheiratete Frauen geschwängert hat.
Es ist also schon klischee-dorfig?
Hazel Brugger: Ich mag das! Jeder ist im Dorf ein Star. Der eine, weil er den krassesten Rasen hat und der andere, weil er immer einen guten Tipp hat, wo man die günstigen Winterreifen herkriegt. Ich moderiere halt den ESC. Aber im Vergleich zu Winterreifen ist das gar nicht so ein Skill.

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Hazel Brugger mit ihrem Mann Thomas Spitzer bei einer Live-Aufzeichnung ihres Podcasts „Hazel Thomas Hörerlebnis“ im März 2026 in Köln.
In „Good Evening Europe“ geht es um die Diskrepanz zwischen „Star-Sein und Supermarkt“. Wann fühlen Sie sich als Star?
Hazel Brugger: Krass finde ich es immer, wenn ich merke, die Leute hinter den Kulissen – Maske oder Kostüm – sehen mich gerade gar nicht als Person, sondern als Werkzeug. Sie sehen mich an und sie sehen kein Gesicht – sondern Wimpern und eine Bluse; zuppeln dann so an mir herum. Das finde ich verrückt, wie es im Kern nichts mit sich wie ein Mensch fühlen zu tun hat. Aber gar nicht nur im Schlechten – das ist auch befreiend, diese krasse Oberflächlichkeit.
Wo werden Sie auf den Boden zurückgeholt?
Hazel Brugger: Immer, wenn die Haustür aufgeht und es sofort darum geht, welche meiner Töchter angeblich wem was weggenommen hat. Es ist komplett egal, was ich gerade gemacht habe. Es geht dann nur darum, Schiedsrichter zu sein. Ich bekomme erstmal die volle Dröhnung von dem, was die letzten Tage unterdrückt wurde.
Sie spielen als eine der wenigen Comedians Ihre Programme auch auf Englisch, z. B. in Stockholm, aber auch in den USA. Wie ist das so?
Hazel Brugger: Es ist viel besser, als ich dachte. Dadurch, dass die englische Sprache sehr häufig das Objekt des Satzes am Ende des Satzes hat, ist es sehr angenehm – denn oft ist das Objekt eines Satzes die Pointe. Im Deutschen ist es oft so, dass nach dem Objekt noch ein Verb oder Teil des Verbes kommt. Comedy ist unter anderem deshalb in englischsprachigen Ländern verankerter. Aber natürlich auch einfach wegen der jahrhundertealten Geschichte. In New York – da kommt Stand-up-Comedy her – muss man niemandem erklären: „Achtung, jetzt wird's witzig!“
Was können die Deutschen vom US-Stand-up lernen?
Hazel Brugger: Also, die Kölner – und das sage ich jetzt nicht, um mich einzuschleimen, gibt ja einen Grund dafür, dass ich lange dort gelebt habe – sind eigentlich schon so weit. Die wissen schon, jetzt kommt der Spaß. Aber viele Deutsche sind skeptisch, wenn sie nur lachen sollen. Sie denken vielleicht, sie verdienen das nicht oder etwas bleibt auf der Strecke. Und Skepsis ist die schlechteste Einstellung, um lachen zu können.
Sie sind in den USA geboren. Welche politische Lage macht Ihnen mehr Sorgen: Die in den USA oder die in Deutschland?
Hazel Brugger: Schon die in den USA, weil die, was Faschismus und den Verlust demokratischer Systeme angeht, noch drei Schritte weiter sind. Aber ideal ist das alles nicht. Es ist in Deutschland auch besorgniserregend, wie normal die Rechte geworden ist, im Vergleich zu vor zehn Jahren, als die AfD aufgekommen ist. Damals war noch die Frage, ob man überhaupt über sie berichten soll. Die Frage stellt sich ja gar nicht mehr.
Hazel Brugger: Männer motzen mehr als Frauen
Mit Ihrem trockenen Humor kommen nicht alle klar. Schaut man unter Videos bei Youtube die Kommentare an, gibt es entweder die einen, die es super finden – oder die, die nur motzen. Ist es nur so ein Gefühl – oder gibt es inzwischen wirklich mehr Motzer?
Hazel Brugger: Ich glaube, dass diese Leute, die so gerne motzen, einfach mittlerweile gecheckt haben, wie sie einen Account auf Youtube erstellen. Das sind ja oft solche, die etwas länger brauchen, sowas einzurichten. Jetzt haben sie es geschafft und wollen sich austoben. Der Motzer hat auch oft wenig andere Verpflichtungen, die ihn vom Motzen abhalten. Ich persönlich hätte die Zeit für Online-Gestänker gar nicht in meinem Alltag.
Haben es Frauen in der Comedy-Szene schwerer als Männer, weil sie vielleicht mehr Anfeindungen über sich ergehen lassen müssen – womöglich vor allem von Männern?
Hazel Brugger: Ich kenne auch Frauen, die motzen, aber es ist dann oft komplexer. Das oberflächliche Gemotze kommt tatsächlich oft von Männern. Ich weiß aber nicht, ob es Frauen dadurch schwerer haben. Ich denke, dass Frauen mehr polarisieren. Wenn Frauen etwas machen, das anstrengend ist – und das ist Comedy, weil man sich dazu nicht verhalten kann, ohne eine Meinung zu äußern –, ist das für viele bereits ein Affront. Dann wird beim Aussehen, bei der Stimme, beim Namen, überall etwas gesucht, dem man etwas Negatives zuschreiben kann. Bei Männern ist es einfach egaler.

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2025 moderierte Brugger (Mitte) den ESC zusammen mit Michelle Hunziker (links) und Sandra Studer im schweizerischen Basel .
Driften auch in der Comedy die politischen Lager immer weiter auseinander?
Hazel Brugger: Wenn wir jetzt mal Deutschland außen vor lassen: Auch in den USA gibt es eine große rechte Comedy-Bubble, in der es dauernd darum geht, dass man nichts mehr sagen darf, und dass man deshalb Trump wählen sollte. Zum Beispiel Joe Rogan und Tony Hinchcliffe. Die haben in den letzten Jahren beide mit die schlechtesten Programme auf Netflix hochgeladen. Ich finde, wenn man aufhört, offen zu sein – und das ist, sowohl wenn man zu sehr nach rechts als auch nach links geht, der Fall –, dann fliegt man über alle Details rüber. Und Comedy ist die Kunst der Details. Genau hingucken, hinterfragen, was als selbstverständlich wahrgenommen wird. Eine Trotzhaltung gegenüber Menschen, die offen sind, ist ein Garant für Comedy, die einen sich schlechter fühlen lässt als vor dem Zeitpunkt, vor dem man sie konsumiert hat.
Aber finden Sie, dass die Lager auch hier extremer werden?
Hazel Brugger: Ja, klar. Auch bedingt durch die Art, wie Comedy verbreitet wird. Je krasser die Schlagworte und je früher polarisierende Begriffe in einem Kurzvideo oder Hochkantformat fallen, desto eher wird es positiv wie negativ kommentiert, desto öfter wird es geteilt und somit auch geklickt. Man will von einem komplett übersättigten Publikum eine Reaktion haben. Es ist dann die Aufgabe der Comedians zu sagen: Klicks um jeden Preis, das will ich nicht.
Hazel Brugger: Comedy-Star, Preisträgerin, zweifache Mutter
Hazel Brugger ist Comedienne und Moderatorin, geboren am 9. Dezember 1993 in San Diego, Kalifornien (USA). Aufgewachsen ist sie mit zwei Brüdern in Dieldorf bei Zürich in der Schweiz, ihr Vater ist Neuropsychologe aus der Schweiz, ihre Mutter Englischlehrerin aus Köln. Ein Studium der Philosophie und Literatur brach sie ab. 2013 gewann sie den Schweizer Meistertitel bei den Poetry-Slam-Meisterschaften.
2015 kam ihr erstes Bühnenprogramm „Hazel Brugger passiert“, 2016 bis 2020 war sie Außenreporterin bei der Satire-Sendung „heute.show“. 2017: Kabarett-Preis „Salzburger Stier“, es folgten weitere Auszeichnungen, u. a.: Deutscher Comedypreis (2020), Deutscher Kleinkunstpreis (2025), EXPRESS Queer Award in der Kategorie „Ally des Jahres“ (2024), Bambi in der Kategorie Comedy (2024).
2025 moderierte sie das Finale des Eurovision Song Contest (dafür gab es noch einen Comedypreis). Brugger ist verheiratet mit Thomas Spitzer, mit dem sie einen Podcast betreibt, und hat zwei Töchter (zwei und fünf Jahre alt). Die Familie lebt im Kreis Darmstadt in Hessen.
