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Interview

Nico Santos„Ich war mal Kellner im Kölner Karneval – das war hart!“

Nico Santos mit dunkler Brille und In-Ears lacht in die Kamera. Er trägt ein gestreiftes Hemd.

Copyright: Mats Bohle

Seine Musik ist aus dem Radio – und den Albumcharts – nicht mehr wegzudenken: Nico Santos. Am 31. Oktober spielt er in der Kölner Lanxess-Arena.

Musiker Nico Santos hat mit uns über sein neues Album, seinen Social-Media-Algorithmus und seine Zeit als Kellner im Kölner Karneval gesprochen.

Fleißkärtchen für Nico Santos: Nicht nur veröffentlicht der Sänger am 30. Oktober sein neues Doppelalbum „POV“ mit ganzen 18 Songs aus seinen zwei Musikprojekten. Nur einen Tag später spielt der Sympathieträger im Rahmen seiner Tour durch die großen Hallen in der Kölner Lanxess-Arena (Tickets gibt es ab ca. 70 Euro).

Seit dem 11. September läuft außerdem wieder „The Voice Of Germany“ mit ihm als Juror. Und er textet auch noch für andere Größen im Musikbusiness. Zeit für einen Talk mit EXPRESS.de fand er trotzdem noch!

Wie Nico Santos seinen Nachrichten-Algorithmus positiv austrickst

Ihr kommendes Album heißt „POV“, wie sieht Ihr „Point Of View“, also Ihre Sichtweise, aus?

Nico Santos: Ich habe überlegt, was ich beim vierten Album machen kann, damit es sich neu anfühlt. Worüber habe ich selbst noch nicht geschrieben? Ich zeige mein Leben aus verschiedenen Blickwinkeln. Plus, man bekommt nicht nur ein Album, sondern zwei. Es sind sehr unterschiedliche Sounds und Arten, an Songs ranzugehen. P steht auf der zweiten Seite nicht für Point, sondern für Personal. O für Optimist. So ist die eine Seite eine sehr persönliche, und die andere die optimistische.

Einer Ihrer neuen Songs heißt „Optimist“. Sind Sie einer?

Nico Santos: Ich zwinge mich dazu, es zu bleiben. In dieser Zeit ist es manchmal nicht so einfach. Ich habe mir diesen Song als Reminder geschrieben. Ich bin von Haus aus eigentlich immer einer gewesen. Die Umstände machen aus uns manchmal eher pessimistische Kreaturen, aber man sollte den Optimismus nie verlieren, finde ich.

Welche Umstände sind das?

Nico Santos: Wenn man die Nachrichten verfolgt, gibt es viele Gründe dafür … Ich folge extra einigen Social-Media-Kanälen, die good news verbreiten, damit ich nicht immer nur negative Schlagzeilen ausgespielt bekomme. Natürlich klicken negative Schlagzeilen besser. Daher versuche ich meinen Algorithmus so auszutricksen, dass ich auch viele gute Neuigkeiten angezeigt bekomme.

Welche gute Nachricht haben Sie kürzlich gelesen?

Nico Santos: Ich weiß noch, wie es in der Grundschule immer hieß: Das Ozonloch wird immer größer und größer. Das ist jetzt fast komplett geschlossen. Das war so eine Nachricht, die ich sonst kaum gesehen habe.

Nico Santos auf der Bühne mit Mikrofon

Copyright: IMAGO/nicepix.world

Nico Santos hat noch ein zweites Musik-projekt: Unter „SANTOS“ macht er deutsch- sprachige Musik, die mehr in Richtung R’n’B geht.

Sie schreiben auch Songs für andere Künstler – wie ist es, wenn das ein Daily Business ist? Macht es das Schreiben eigener Songs einfacher oder schwieriger?

Nico Santos: Es lässt es weiter spannend bleiben. Würde ich nur für mich schreiben, würde ich mir viel zu sehr einen Kopf machen. Wenn ich mich in andere Künstler hineinversetzen und freier Musik machen kann, habe ich einen neuen musikalischen Horizont geschaffen. Deswegen ist das für mich etwas, das ich unbedingt beibehalten will.

Wie unterscheidet es sich zum Schreiben eigener Songs?

Nico Santos: Es ist gar nicht so anders. Ich probiere nur anderes aus. Ich will weiterhin der neugierige Junge bleiben, der ich immer war. Aber gleichzeitig bevorzuge ich für meine Sachen eine andere Ästhetik, auch wenn ich immer experimentierfreudig bin und bleiben will. Auf meinem neuen Album klingen viele Sachen auch sehr anders.


Nico Santos: Auch Helene Fischer setzte schon auf ihn

  1. Singer/Songwriter Nico Santos – eigentlich Wellenbrink – ist am 7. Januar 1993 in Bremen geboren. Sein Vater ist der Schauspieler Egon Wellenbrink (der „Melitta-Mann“). Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Mallorca, wo Santos aufwuchs. Bereits als Kind und Jugendlicher machte er Musik und stand auf Bühnen. Er arbeitete später mit Produzenten und DJs zusammen, co-produzierte etwa den Soundtrack zu „Fack ju Göthe 2“. 2017 sein Durchbruch mit der Single „Rooftop“. 2018 erschien sein Debütalbum „Streets Of Gold“, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Charts landete. Santos war als Co-Autor an Songs von u. a. Sido, Bushido, Mark Forster und Helene Fischer beteiligt. Heute gehört er zu den festen Größen im deutschen Pop. Er war außerdem mehrfach Juror bei „The Voice Of Germany“. Santos ist verheiratet und hat einen Sohn.

Sie sind auf Mallorca aufgewachsen – wäre ein Ausflug in die Ballermann-Musik nicht naheliegend?

Nico Santos: SO experimentierfreudig bin ich dann auch nicht! (lacht) Ich bin da aufgewachsen, meine Freunde waren fast ausschließlich Mallorquiner. Als Mallorquiner geht man nicht am Ballermann feiern. Ich habe 20 Jahre lang dort gelebt und war in dieser Zeit nicht ein einziges Mal dort. Wenn man atzig feiern wollte, ist man als Mallorquiner eher nach Magaluf gegangen, da feiern die Engländer und es wird englische Musik gespielt. Für die Spanier war es immer uninteressant, deutsche Musik auf Mallorca zu hören. Das erste Mal am Ballermann war ich 2014, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde.

Und einmal reichte…?

Nico Santos: Ich muss sagen, es war sehr geil – wie gesagt, Deutschland wurde Weltmeister, es war eine Megastimmung. Das war während der Zeit, in der ich in Köln gelebt habe. Ich hatte eine schöne Zeit. Dachte aber auch: Es reicht, es in guter Erinnerung zu behalten.

Wie lange haben Sie in Köln gelebt?

Nico Santos: Zwei Jahre.

Nico Santos beim Crowdsurfen - er wird von Fans auf den Händen durch den Konzertsaal "weitergereicht"

Copyright: Mats Bohle

Bei seinen Konzerten will Nico Santos dicht an seinen Fans sein. Zum Beispiel beim Crowdsurfen.

So schnell wieder weg – war es so schlimm?

Nico Santos: Nein, gar nicht, viele meiner Freunde leben noch in Köln. Weggezogen bin ich nur wegen der Musik, weil die Produzenten, mit denen ich gearbeitet habe, alle in Berlin waren. Meine Wohnung war irgendwann nur noch der Flixbus, weil ich jeden zweiten, dritten Tag vom Kölner Hauptbahnhof mit dem Flixbus neun Stunden lang nach Berlin gefahren bin. Nach Köln gezogen bin ich direkt nach der Schule in Mallorca. Interessanterweise sind damals viele Schulkameraden nach Köln gezogen. Und ich wusste, dass ich nach Deutschland ziehen wollte. Gleichzeitig habe ich in meinem ersten Job auf Mallorca Kölner kennengelernt, die Kontakte zu Produzenten hatten, die in der Nähe vom Kölner Neumarkt saßen.

Was haben Kölner und Mallorquiner gemeinsam?

Nico Santos: Die Offenheit, 100 Prozent! Klischees sind ja Klischees, weil sie manchmal einfach passen. Ein paar meiner Kumpels aus Köln sind für kurze Zeit nach Berlin gezogen und haben gesagt: ‚Ey, ich muss zurückziehen, ich vermisse Köln so sehr!‘ Köln ist vielleicht nicht die allerschönste Stadt, aber eine der coolsten Städte Deutschlands. Ich fühle mich auch immer noch verbunden zu Köln – obwohl ich nur zwei Jahre lang dort war. Ich habe nur schöne Erinnerungen an Köln.

Und, Karnevalsmensch geworden?

Nico Santos: Ehrlicherweise: Nein. Auf Mallorca wurde nie Karneval gefeiert. Ich habe in Köln während der Karnevalszeit als Kellner gearbeitet. Es wurden super Tage für mein Trinkgeld, aber auch sehr anstrengende. Daher habe ich Karneval in Köln auch nie gefeiert.

Kellner an Karneval – das war bestimmt hart?

Nico Santos: Es war richtig hart. Aber es war auch lustig!

Der Musiker Nico Santos am Rande eines Moonwalk-Workshops in Hamburg.

Copyright: Daniel Reinhardt/dpa

Nico Santos bei einem „Moonwalk-Lehrgang“ – als Animateur wirkte er bei Michael-Jackson-Shows mit.

Sie waren mal Animateur – so richtig am Hotelpool?

Nico Santos: Nicht ganz. Es war in einem Robinsonclub. Ich war weniger Animateur als Live-Entertainer. Es gab zum Beispiel White Nights, bei denen ich drei Stunden am Klavier gesungen habe. Es gab Shows – Michael Jackson, Falco, so etwas habe ich gemacht. Tagsüber dann noch Fußball und Volleyball.

Profitieren Sie heute davon?

Nico Santos: Ja. Ich habe da gelernt, die Scheu nach hinten zu packen. Dafür, dass ich Musiker werden wollte, war ich als Jugendlicher sehr introvertiert. Ich hatte auf Mallorca wenig Kontakt zu Deutschen. Mein Deutsch kam von meinen Eltern und dem, was ich im Fernsehen gesehen habe. Vor Leuten habe ich nie Deutsch gesprochen. Und das war das erste Mal, dass ich zwischen Songs Deutsch geredet habe – und zwar vor sehr vielen Leuten. Da habe ich gelernt, einfach zu machen, auch wenn es etwas ist, in dem ich vielleicht nicht so gut bin. Ich dachte, bestenfalls werde ich es mal auf der Bühne brauchen.