Der kuriose Fall wird nun vor dem Kölner Landgericht verhandelt.
Drogen-Deal eskaliertKölner (39) soll Komplizen entführt und erpresst haben

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Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Anne Kieven beim Prozessauftakt im Landgericht
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Drogenhandel, Entführung und Erpressung legt die Staatsanwaltschaft einem Familienvater aus Köln zur Last. Der heute 39-Jährige soll einen Mittäter für ein misslungenes Marihuana-Geschäft verantwortlich gemacht und Schadenersatz gefordert haben – mit rabiaten Mitteln. Vor dem Kölner Landgericht droht dem Angeklagten nun eine mehrjährige Haftstrafe. Und zwar mit zeitlicher Verzögerung: Die Vorwürfe datieren aus dem Jahr 2021, der Fall lag lange unbearbeitet bei der Justiz.
Misslungenes Geschäft mit zwei Kilo Marihuana
Zwei Kilogramm Marihuana habe der Angeklagte mit zwei Komplizen veräußern wollen, heißt es in der Anklageschrift. Die Drogen hätten sie in einem Müllbeutel gelagert. Im Herbst 2021 seien die Komplizen von einem Treffpunkt an den Köln Arcaden in Kalk nach Frankfurt am Main aufgebrochen. Dort angekommen, sollte es laut Staatsanwaltschaft zur Übergabe der Drogen kommen. Doch die vermeintlichen Abnehmer hätten sich als Räuber entpuppt und zunächst mit Pfefferspray gedroht.
Dann habe einer der Männer noch eine Schusswaffe aus dem Hosenbund gezogen. „Gib das Gras raus!“, hätten sie dem Kölner zugerufen, der das Drogenpaket in Händen gehalten hatte. Als dem Mann die Waffe vor den Kopf gehalten worden sei, habe dieser die Flucht angetreten. „Er lief davon und warf das Marihuana weg“, erklärte die Staatsanwältin. Dass der junge Mann tatsächlich überfallen wurde, sollen die mutmaßlichen Komplizen ihm nicht geglaubt haben.
Kölner Komplizen sollen Schadenersatz gefordert haben
So soll einer der Beschuldigten im Auto gewartet haben, während der andere mit den Drogen in einem Haus verschwunden sei. Die mutmaßlichen Komplizen sollen dem Mann hinterher Vorwürfe gemacht haben. 6000 Euro sollte er für den Verlust der Drogen zahlen. Nach der Rückkehr nach Köln sollen der Angeklagte und ein Mittäter den Mann dann in eine Wohnung in Porz verbracht und eingesperrt haben. „Du kommst hier erst raus, wenn du bezahlt hast“, sollen sie gesagt und mit Schlägen gedroht haben.
Daraufhin seien die Eltern des Mannes kontaktiert worden. „Aus Sorge um ihren Sohn beschafften sie das Bargeld“, heißt es in der Anklageschrift. „Bitte helft mir, sonst ist es zu spät“, soll der Sohn ihnen übermittelt haben. Dann riefen die Eltern die Polizei. In Abstimmung mit den Beamten seien die Eltern auf die Forderungen der Entführer eingegangen. Laut Anklage wurde ein Treffpunkt für die Lösegeldübergabe vereinbart. Die Mutter erschien demnach an der KVB-Haltestelle Porz Steinstraße.
Festnahme bei fingierter Lösegeldübergabe in Köln
Laut Anklage seien der Angeklagte und der Mittäter dann gegen 14.30 Uhr an der Haltestelle erschienen. Sie seien fixiert und festgenommen worden. Der Entführte wurde laut Staatsanwältin ebenfalls zum Treffpunkt gebracht, musste also nicht mehr befreit werden. Für den versuchten Drogenhandel soll der Geschädigte bereits eine Strafe vor dem Jugendgericht erhalten haben. Die Anklage gegen die mutmaßlichen Entführer wurde im Jahr 2023 erhoben und wird erst jetzt verhandelt.
Die Verzögerung ist auch darauf zurückzuführen, dass der Angeklagte – gegen den mutmaßlichen Komplizen wird gesondert verhandelt – nicht in Untersuchungshaft saß. Haftsachen gehen beim Landgericht vor, da sie mit bestimmten Fristen belegt sind. Zum Prozessauftakt äußerte sich der 39-Jährige nicht. Er gab an, nach Anstellungen als Barkeeper und Türsteher mittlerweile für einen Zulieferer in der Automobilbranche zu arbeiten. Ein Urteil soll frühestens im Oktober fallen.
