Fassungslosigkeit bei Paulo Santos. Er muss aus seinem Kiosk am Neumarkt raus, weil die Stadt andere Pläne dafür hat.
Kiosk in Kölner City„Kündigung kam wie aus heiterem Himmel“

Copyright: privat
Paulo Santos (52), Pächter des Kiosks am Neumarkt, hat die Kündigung erhalten.
Aktualisiert31.08.2025, 13:24
Den Kiosk am Neumarkt kennt fast jeder in Köln. Hier gibt es Süßigkeiten, Getränke, Fahrkarten, dazu ein nettes Schwätzchen mit Betreiber Paulo Santos (52).
Doch jetzt steht der 52-Jährige vor dem Aus! Nach fast 20 Jahren muss er aus dem Kiosk raus – die KVB hat ihm zum Ende 2025 gekündigt!
„Mir ist die Kinnlade runtergefallen“, erzählt Paulo Santos gegenüber EXPRESS.de. Seit Juli 2008 betreibt er den kleinen Kiosk. Mit Herz und Seele. Der Pächter: „Die Kündigung kam wie aus heiterem Himmel.“
„Mein Vermieter hat mich angerufen, ich solle am nächsten Morgen am Kiosk sein. Er wollte es mir nicht am Telefon sagen …“, so der 52-Jährige noch immer fassungslos. Seine Kundinnen und Kunden würden es auch nicht verstehen. Paulo Santos: „Ältere Damen fragen mich verzweifelt, wo sie jetzt ihre Bahnfahrkarten kaufen sollen.“
Der Kiosk würde existieren, seit er denken kann, so Santos. Schon lange, bevor er ihn übernahm. Um ihn zu retten, hat der Kölner eine Petition gestartet. Er fordert den sofortigen Stopp der geplanten Verdrängung des Kiosks und dessen dauerhaften Erhalt am jetzigen Standort.
Außerdem den Respekt vor funktionierenden, gewachsenen Strukturen im Stadtteil und eine transparente und bürgernahe Planung bei der Platzgestaltung unter Einbeziehung aller Betroffenen, einschließlich der Gewerbetreibenden. Rund 700 Unterschriften hat er bereits gesammelt.
Kiosk am Neumarkt muss weg: Das plant die Stadt
Doch der Neumarkt gilt als Drogen-Hotspot. Daher hat die Stadt konkrete Pläne für den Kiosk. „Zukünftig sollen dort die Kümmerinnen/Kümmerer einziehen, die aktuell in einem Container auf der Platzfläche untergebracht sind“, erklärt Robert Baumanns vom Presseamt der Stadt auf EXPRESS.de-Nachfrage.
Dabei handelt es sich um Ansprechpersonen für Meldungen oder Beschwerden von Bürgerinnen, Bürgern, Anwohnende und Gewerbetreibende. Außerdem, so Baumanns, soll das Kioskgebäude als Anlaufstelle für die kooperative Streife von Ordnungsamt, Polizei und KVB dienen.
„Es ist ein weiterer Baustein zur Verbesserung der Situation auf dem Neumarkt“, sagt er. Diese gelte auch für den Bereich hinter dem Kiosk, wo offen mit Drogen gehandelt werde.
„Wenn die am 1. Januar 2026 da mit einem Bagger stehen und den kompletten Neumarkt aufreißen würden – da hätte ich Verständnis für. Denn es ist klar, dass da was passieren muss“, so Kiosk-Pächter Santos. Aber nicht so, wie es jetzt gelaufen ist. Zumal sein Kiosk nur 14 Quadratmeter misst.
Worüber ärgert ihr euch in Köln? Meldet euch bei uns! Fotos, Videos und Infos jetzt hier gratis, schnell und einfach in der EXPRESS-App hochladen – entweder via iPhone oder Android.
Doch offenbar sollen die Kümmerinnen und Kümmerer plus Anlaufstelle auf dieser relativ kleinen Fläche untergebracht werden. Die Stadt spricht von einer „Nachnutzung“ des Kiosks. „Wann es losgeht, steht noch nicht fest“, so Robert Baumanns.
Für Paulo Santos ist die Kündigung ein harter Schlag. „Schon als 16-Jähriger war mir klar, dass ich den Kiosk mal selbst führen muss“, erzählt er. Damals habe er als Aushilfe bei einem Tabakwaren-Großhändler gejobbt und den Kiosk beliefert. Viele Jahre später wurde sein Traum wahr. Ein Traum, der jetzt zerbricht.