Pferde im Kölner Zoch Längst überfällige Entscheidung – jetzt geht es um die eigentlichen Schuldigen 

Zwei Pferde ziehen eine Pferdekutsche.

Pferde, wie hier beim Kölner Rosenmontagszug 2020, soll es unter verschärften Rahmenbedingungen weiterhin geben. 

Seit Jahren ist es ein Streitthema: Pferde im Rosenmontagszug. Mit neuen, verschärften Auflagen soll an der Tradition festgehalten werden. Dazu der EXPRESS.de-Kommentar.

Mehrere Verletzte, zahlreiche geschockte Augenzeugen und verstörte Pferde: Die Bilder mit durchgehenden Pferden, die beim Rosenmontagszug 2018 mit einer Kutsche vor eine Tribüne rasten, sind vielen Zuschauern noch präsent. 

Das Unglück befeuerte damals abermals die Debatte um Pferde im Zoch. Mit den neuen Leitlinien erlaubt die Landesregierung nun ein Festhalten an der Tradition. Dass dies landesweit unter strengeren Auflagen geschehen soll, war dringend nötig und ist richtig. 

Pferde im Rosenmontagszug: Festhalten am Brauchtum im Karneval

Jederzeit muss es möglich sein, die Tiere aus dem laufenden Zug herauszunehmen. Veterinäre müssen in der Nähe sein, Musikkapellen dagegen möglichst weit entfernt von den Pferden. Das sind nur einige der neuen Richtlinien, die in Köln bereits gelten, bei denen man sich jedoch fragen muss, warum diese erst jetzt für ganz NRW erlassen werden.

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Eine Kutsche mit Pferden steht im Rosenmontagszug vor einem Tribünenwagen.

2018 war es beim Kölner Rosenmontagszug zu einem Unglück mit einer Kutsche gekommen. 

Die in Düsseldorf getroffene Entscheidung ist eine im Sinne des Brauchtums. Und ein Spagat. Es ist der Versuch, eine Tradition im Karneval mit nun verschärften Rahmenbedingungen im Sinne des Tierwohls aufrecht zu erhalten. Viele Gesellschaften definieren sich über das Reiten, wie etwa die Ehrengarde. Und was wäre das Reiterkorps Jan von Werth ohne Reiter und Pferde?

Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Sie reagieren dem eigenen Sicherheitsbedürfnis entsprechend. Heißt: Ihr Verhalten hängt hauptsächlich von den Menschen ab. Auch das Festkomitee beklagte in den vergangenen Jahren eine zunehmende Aggressivität und Rücksichtslosigkeit am Streckenrand am Rosenmontag.

Insofern muss auch der Fokus auf das Verhalten der Jecken gelegt werden. Braucht eigentlich jede Tribüne einen Moderator, der sich vier Stunden lang die Stimme aus dem Halse schreit und in den Pausen die Anlage aufdreht? Uffza-uffza-uffza? Im Zoch ist doch schon genug Musik. 

Klar ist auch: All jene, die Pferde im Rosenmontagszug generell für Tierquälerei halten, werden die neuen Richtlinien nicht zufriedenstellen. Mit diesen ist nun aber zumindest die Hoffnung verbunden, dass sich Bilder wie die vom Kölner Kutschen-Unglück 2018 nicht wiederholen.

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