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Kölner Masken-MeisterBernd Bauers Top-Tipps für Karnevals

Aktualisiert

Bernd Bauer (70) macht ganz Deutschland jeck – Der Kölner „Master of Make-up“ öffnet für uns sein Fotoalbum und gibt Schmink-Tipps.

An den Straßenrändern drängeln sich Menschen, die so gar nicht jeck aussehen. Schwarze Anzüge, Jacketts aus Stoffresten, nicht mal 'ne Pappnas im Jeseech, von Schminke ganz zu schweigen. Klar, es war die Nachkriegszeit, aber es sollte noch viele Jahre dauern, bis fantasievolles Make-up den Karneval im Rheinland eroberte. Und daran ist Bernd Bauer (70) nicht ganz unbeteiligt. Der Make-up-Meister blättert für den EXPRESS in seinem Fotoalbum: „Ja, wir haben Farbe in den Karneval gebracht.“

Bauer streicht gedankenverloren an seinem Markenzeichen, dem stramm in die Höhe gezwirbelten Schnäuzer: „Als ich 1976 nach Köln kam und an der Oper gearbeitet habe, da gab es dieses typische Schminken an Karneval gar nicht so intensiv.“ Klar, Tünnes und Schäl, das Bärbelchen, ab und an ein Clownsgesicht, aber das war es schon. Er erinnert sich an einige Gutbetuchte, die sich damals von ihm als Obdachlose schminken ließen und es lustig fanden, wenn sie auf ihrer eigenen Party erst nach Ausweiskontrolle eingelassen wurden.

Ein Mann mit Zwirbelbart und kleinem Käppi schaut in die Kamera

Make-up-Artist-Star Bernd Bauer vor einem seiner Frühwerke, einer menschlichen Muschel

Aber die großen Gesellschaften? Da kam nix. „Der Karneval im Rheinland ist ja immer sehr uniformiert gewesen, jedoch nicht bunt. Das kam erst später, als die Trommler mit an den Straßen standen. Und da glaube ich schon, dass wir einen wichtigen Beitrag für Köln geleistet haben, als wir 1979 in unserem Studio anfingen, den Karneval in Farbe zu tauchen.“ Wenn man die Karnevalshochburgen so vergleiche Basel mit seinen tollen Masken, Luzern oder Venedig da habe der Karneval immer viel mit Schminke zu tun gehabt. Das habe sich auch hier geändert. „Heute, würde ich sagen, hat man im Rheinland das weitgehendste visuelle Programm von der militanten Uniform bis zu den kreativen Einzelmasken. Das ist doch toll.“

Und Bauer ist samt seinem „Die Maske“-Team mit dem Pinsel mittendrin. Es habe schon Situationen gegeben, da hätte sich ein Paar unabgesprochen bei ihm schminken lassen und später am Zugweg erst mal nicht erkannt, aber nett angeflirtet, schmunzelt er. Einfach mal in eine andere Haut schlüpfen, in einen anderen Charakter. Mutig, verschmust, sexy, davon träumen viele. So komme es sicher nicht von ungefähr, dass die meisten Frauen tierisch auf Katzenwesen abfahren, vermutet Bauer. Und Männer? „Ach, die sind da immer ganz offen, viele sagen: ‚Mach mal‘ – und haben keine Berührungsängste, wenn ihnen etwas ins Gesicht geklebt wird.“

Bei den Motiven orientiere sich so mancher auch gern am Zeitgeist und an aktuell angesagten Filmen. Da dürfen Avatar und Co. gerne mal Pate stehen, aber auch markante Politiker-Visagen, Stichwort Trump, waren nach der ersten Wahl des US-Präsidenten gefragt. Bauer liebt es auch nach fast 40 Jahren, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und sie auszubilden. Aber wie lange noch? Nach der Pandemie gab es kaum noch Anfragen für die Make-up-Akademie. Derzeit erwägt der Künstler, der sich ein zweites Standbein mit seiner Galerie geschaffen hat, eine Kooperation mit einer anderen Schule einzugehen, damit der Beruf des Maskenbildners nicht ausstirbt.

„Visagisten, die später in Kosmetik-Shops Kundinnen schminken, müssen von uns im Zeitalter von TikTok und KI nicht mehr angelernt werden“, weiß er. Auch der Bereich Film und Fernsehen, in dem Maskenbildner sich früher kreativ austoben konnten mit Gesichtsteilen und Co., werde irgendwann ausgestorben sein, ersetzt von 3D-Animation und KI, darüber ist er sich im Klaren. „Aber das gilt glücklicherweise nicht für den Live-Prozess, wenn man anderen Menschen vor Ort gegenübertreten muss“, so Bauer. „Wie eben auch im Karneval ...“

Bernd Bauers beste Tipps fürs Schminken zum Tier

Die ganz große Herausforderung für Bauer und sein Team: Tierische Masken. Früher haben Maskenbildner da sehr aufwendig arbeiten müssen, erst einen Gesichtsabguss gemacht, dann modelliert. Davon wurde eine Negativform gebaut und die Knete im Prinzip wieder weggenommen. „Problem“, so Bauer: „Es blieb ein Hohlraum. Wenn man geschwitzt hat, konnte es passieren, dass die Nase sich plötzlich angesaugt hat.“ Später habe man mit Kalt- und Warmschäumen gearbeitet, dann mit Gelatine, heute vor allem mit Silikon. Viele Gesichtsteile wie Hörner, Schwänze, falsche Nasen, Kinns und Jochbeine könne man mittlerweile auch schon käuflich erwerben. Und die nutzen selbst Maskenbildner, denn sie seien zum Teil schon so gut, dass man sie gar nicht mehr selbst bauen muss wie etwa beim Geißbock.

Eine Frau ist als Schlange geschminkt und trägt eine Pappmaché-Schlange auf dem Kopf

Kunstvoll geschminkt und modelliert: Eine Frau im Schlangen-Look, kreiert vom Kölner Bernd Bauer.

Bernd Bauer findet, dass Tiergesichter einfach ideal seien im Sitzungs- und Kneipenkarneval. „Denn was man da untenrum anhat, sieht doch sowieso keiner. Auf den Kopf kommt es an.“ Auch dafür, erkennt der große Meister mittlerweile neidlos an, „gibt es im Netz schon ziemlich gute Schminkvorlagen und Prostetics (Ersatzteile). Aber da kann es natürlich passieren, dass du verdammt viel für Materialkosten ausgibst und nachher doch enttäuscht bist, weil es nicht so aussieht wie auf Pinterest & Co.“

Bernd Bauers Tipps für „Do-it-yourself“-Fans:

  1. Sie sind schon etwas älter? Dann bietet es sich an, die Falten, zum Beispiel als Spinnennetz, ins Gesicht mit einzubauen.
  2. Trockenblumen-Steckschwämme (total günstig im Baumarkt erhältlich) sind auch für Laien ideal, um daraus mit dem Schneidemesser Hörner, breite Nasen oder Ähnliches zu erarbeiten.
  3. Die leichten Rohrisolierungen aus flexiblen Schaumstoffen wie Polyethylen (auch aus dem Baumarkt) kann man einfach mit Stoff umwickeln und in drei Minuten ist eine Schlange oder ein Schwanz gebaut.
  4. Apfelsinennetze sowie Netzstrumpfhosen sind eine tolle Grundlage für Schlangen- oder Fischschuppen. Übers Gesicht ziehen, mit dem Schwämmchen farbiges Puder auftupfen, mit (Haar)spray fixieren, fertig!

Wie heißt es so schön? Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Bauer ist davon überzeugt, dass viele es einfach genießen, einmal im Jahr in eine komplett andere Haut zu schlüpfen und ihre dunkle Seite zumindest optisch zu zeigen.

Die Geissens feiern.

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