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„Lachende Kölnarena“Frühstart für Kultparty – aus gutem Grund ohne Dreigestirn

Basti Campmann von Kasalla beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Endlich wieder Karneval. Kasalla-Frontmann Basti Campmann nahm beim Auftakt der „Lachenden Kölnarena“ am Samstag (3. Januar 2026) ein Bad in der jecken Menge.

Aktualisiert

Die „Lachende Kölnarena“ hat ihre diesjährige Premiere gefeiert. Die Jecken in der Lanxess-Arena erlebten einige Neuheiten. Unter anderem gibt es erstmals einen Nachwuchs-Wettbewerb.

Es ist Kölns größte Karnevalsparty. Auch in diesem Jahr verwandelt sich die Lanxess-Arena bei der „Lachenden Kölnarena“ wieder an 15 Abenden in ein jeckes Partyzentrum voller Kostüme, Musik und Stimmung. Doch selbst im 61. Jahr ihres Bestehens gab es etliche Premieren.

Die Eröffnung bestritt erstmals Sänger und Trompeter Michael Kuhl zusammen mit den Drummerholics. Feuer und Pyrotechnik schossen in die Luft. Mit „Ich han dä Millowitsch jesinn“ und „Kölsche Jung“ riss er die Halle aus dem Winterschlaf, ehe Moderator Stephan Henseler die ersten Gäste ansagte.

„Lachende Kölnarena“: Auftakt ins 61. Jahr vor 14.000 kostümierten Jecken

Micky Nauber war ein wenig verwirrt. „Müsst ihr euch auch erst mal sortieren?“, fragte der Frontmann der Domstürmer, als er danach als Eisbrecher auf die Bühne ging. „Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder singen wir ‚Stille Nacht‘ oder ‚Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching‘“.

Natürlich wollte die jecke Menge kein Weihnachtslied mehr hören, auch wenn bei den meisten noch der geschmückte Baum im Wohnzimmer steht.

Doch die Session ist kurz, deshalb wurde schon am Samstag (3. Januar 2026) Vollgas in der Lanxess-Arena gegeben. Von „Frohes Neues“ auf „Alaaf“ in wenigen Augenblicken.

Der Auftaktabend brachte bei den 14.000 Gästen das jecke Lebensgefühl direkt zurück – und das so früh wie nie im neuen Jahr. „Das ist alles ein wenig crazy“, sagte auch Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher beim Anblick der bunt kostümierten, schunkelnden und singenden Halle.

Einzug der Vereine in die Lanxess-Arena.

Trotz des frühen Starts waren die Jecken in der Lanxess-Arena direkt in Stimmung. Beim traditionellen Einzug fehlte nur das Dreigestirn.

Da in einer Woche Rapper Apache 207 Kölns Mega-Halle für seine fünf Konzerte in Beschlag nimmt und die Session schon Mitte Februar endet, wurde ein Frühstart hingelegt. So kam es zu einem weiteren Novum. Beim traditionellen Einzug zahlreicher Vereine zu Beginn fehlte das Kölner Dreigestirn, weil das erst am Freitag seine Proklamation hat.

Der eine oder andere Musiker war erst auf den letzten Drücker aus dem Kurzurlaub zurückgekehrt und sah sich plötzlich der feiernden Menge gegenüber. Cat-Ballou-Bassist Kevin Wittwer wurde bei der Heimreise vom einsetzenden Schneefall überrascht. „Das war eine ganz schön knappe Kiste. Ich war gerade mal eine Stunde zu Hause“, sagte er zu EXPRESS.de.

Cat Ballou beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Cat Ballou begeisterte in der Lanxess-Arena mit dem neuen Song „Eau de Cologne“, der noch lange von der Menge gesungen wurde.

Die Jecken waren aber schnell auf Temperatur. Dank der Selbstverpflegung und der zahlreichen Pittermännchen entstand direkt wieder eine ungezwungene Atmosphäre. Auch im Oberrang ging wieder das bunte Treiben mit der Arena-Polonaise los.

Direkt vor der Bühne feierte auch Marita Simonis. Die 70-Jährige war seit 1993 bei jeder „Lachenden“. Noch im November hatte sie um ihre Serie gebangt. „Ich hatte eine verschleppte Lungenentzündung, mir ging es miserabel“, sagte die Frau, die immer selbst gemachten Eierlikör im Gepäck hat, gerührt zu EXPRESS.de.

Michael Burgmer, Nathalia Drmota, Marita Simonis und Stefan Löcher mit einem Award.

Michael Burgmer (l.) und Nathalie Drmota von der Gastspieldirektion Otto Hofner sowie Lanxess-Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher (r.) nahmen Stammgast Marita Simonis in ihre Mitte.

„Ich habe an den Erfolg dieses Abends geglaubt, trotz des Termins. Die Nachfrage nach Tickets ist wieder hervorragend“, sagte Löcher. Die Vorjahresbestmarke von rund 250.000 Gästen dürfte am Ende zwar nur schwer zu toppen sein. Denn 2025 gab es zwei Veranstaltungen mehr, dank der „Lachenden FC-Arena“ und einer zweiten „Pänz-Arena“.

„Die Marke ‚Lachende‘ ist stark. Diese absolute Brauchtumsveranstaltung ist ein wichtiger Anker des Kölner Karnevals und Jahr für Jahr ein enormer Wirtschafts- und Kulturfaktor für Köln“, sagte Löcher stolz. Viele Busse, Fahrgemeinschaften und Taxen aus Eifel, Ahrtal und Ruhr steuerten das Henkelmännchen an. „Wir sind stolz, dass diese Kult-Veranstaltung so gefragt ist“, freute sich auch Michael Burgmer von der Gastspieldirektion Otto Hofner.

Die Domstürmer beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Die Domstürmer um Frontmann Micky Nauber waren die erste Band des Jahres, die bei der Lachenden auf die Bühne ging. „Ich hatte Angst, dass ich mit den Texten nach den Weihnachtstagen durcheinanderkomme“, gestand der Sänger.

Natürlich sind wieder die bekanntesten Bands dabei. Paveier, Rhythmussportgruppe, Mo-Torres, Klüngelköpp, Brings, Miljö, Räuber und Bläck Fööss heizten ein und spielten alte Klassiker und neue Sessionssongs.

„Et Klimpermännche“ Thomas Cüpper sorgte für nostalgische Töne. Zwischendurch zeigten die Tanzgruppen Luftflotte, Rheinveilchen und Wahner Wibbelstetze ihr Können.

Die Klüngelköpp beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Die Klüngelköpp ließen natürlich auch in der Lanxess-Arena wieder die „Stääne“ leuchten.

Eine Neuheit gab’s auch bei Kasalla. Bei der Kultband saß überraschend ein neues Gesicht am Schlagzeug. Da Nils Plum Nachwuchs erwartet und danach seine Elternzeit genießen will, setzt er in der Session aus. Vertreten wird er von Simon Scheibel, der unter anderem in der Band von Álvaro Soler spielt.

Nachdem die Höhner eigentlich schon das Finale gespielt hatten und die bunten Luftballons von der Hallendecke gerieselt waren, gab es noch eine Überraschung. Aufgrund des großen Erfolgs der „Karnevalsmaus“ wurde Druckluft noch nachträglich gebucht. Ab Ende Januar steigt auch Querbeat nach der selbst gewählten Pause wieder bei der „Lachenden“ ein.

Simon Scheibel am Kasalla-Schlagzeug.

Simon Scheibel ist in der Session der Ersatz-Schlagzeuger bei Kasalla, weil Nils Plum seine Elternzeit genießen möchte.

Premiere feiert in diesem Jahr zudem der „Lachende Kölnarena Contest“ für Newcomer. 46 Bands und Tanzgruppen hatten sich beworben, erstmals in der Lanxess-Arena aufzutreten. Vier setzten sich nach einem Jury-Voting durch. Sie dürfen sich nun in einem 10-Minuten-Slot präsentieren. Danach beginnt ein Online-Voting – der Sieger steht an Karnevalssamstag erneut auf der Bühne.

„Ich finde das großartig, eine emotionale Sache“, sagte Geschäftsführer Löcher. „Der Nachwuchs muss auch Chancen bekommen, sich zu zeigen. Man muss sich öffnen und neu denken. Vielleicht sollten wir eines Tages mal eine reine Newcomer-Lachende machen.“

47 Kölsch beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Erstmals gibt es in diesem Jahr einen Nachwuchs-Contest bei der „Lachenden“. Pierre Pihl Grönlund (l.) und Max Rohde durften sich als 47 Kölsch zehn Minuten lang zeigen.

Zum Auftakt durften 47 Kölsch ran. Pierre Pihl Grönlund von Planschemalöör und Max Rohde von King Loui machen TechRap – Kölsch trifft Techno. „Wir kennen uns seit acht Jahren und haben schon mehrmals Songs geschrieben. Aber nicht alle Titel passten zu unseren Bands. Seit September machen wir jetzt zusammen Musik“, sagte das Duo zu EXPRESS.de.

„In der Arena auftreten zu dürfen, ist ultra, das ist geisteskrank. Wir wollen ein wenig aus der Reihe tanzen mit unserer anderen Musik, die dennoch eine kölsche Note hat und bei den jüngeren Leuten immer beliebter wird.“

Brings beim Auftritt in der Lanxess-Arena.

Brings feiern 2026 ihr 35-jähriges Bandjubiläum. Natürlich sind sie auch bei der „Lachenden“ mit dabei.

Mätropolis („Rakete“) treten am 17. Januar auf. Kölle Anja („Coca Cola Rum“) zeigen sich am 24. Januar. Bohei („Marie 111.“) bilden am 31. Januar den Abschluss.

Der Nachwuchs-Wettbewerb soll auch 2027 wieder steigen. Denn schon jetzt laufen die Planungen für das nächste Jahr. Am 23. März beginnt bereits der Vorverkauf für die „Lachende“ 2027. Die Session wird dann noch kürzer. Deshalb geht bereits am 2. Januar wieder das „Trömmelche“ in der Arena.