Die 20. Ausgabe der Dinnershow WeihnachtsEngel bot herausragende Unterhaltung. Mehrere Ikonen wirkten mit – live und virtuell. Überschattet wurde die Premiere von einer Schießerei vor der Tür.
Trauriges Ende nach Traum-ShowKölsche Legenden auf einer Bühne vereint

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Als die „Drei Tenöre“ sangen Linus, Tommy Engel und Erry Stoklosa (v.l.) bei der WeihnachtsEngel-Premiere am Freitagabend (28. November 2025) gemeinsam in einer Hose.
Aktualisiert
Trauriges Ende eines bewegenden Abends. Die 20. Ausgabe der Dinnershow WeihnachtsEngel war am Freitagabend (28. November 2025) gerade zu Ende gegangen, als Jürgen Fritz noch einmal ans Mikrofon trat und die 1000 Gäste informierte, dass zunächst niemand die Motorworld verlassen dürfe.
„Die Polizei kam hinter der Bühne zu uns und hat uns gebeten, die Ansage zu machen, dass vorerst alle in der Halle bleiben müssten. Sie sagten, es sei besser, wenn wir das machen, statt jemand von der Polizei. Wir wurden auch aufgefordert, nicht zu sagen, worum es genau geht, damit keine Panik entsteht“, sagte der musikalische Leiter der Show zu EXPRESS.de.
Tommy Engel: „Überrascht, wie cool und ruhig die Leute geblieben sind“
Die Tommy-Engel-Band spielte daraufhin noch ein paar Songs, um das Publikum bei Laune zu halten. Genauere Informationen über die Schießerei vor der Tür hatten die Musiker auch nicht. „Wir waren auf jeden Fall überrascht, wie cool und ruhig die Leute geblieben sind“, sagte Tommy Engel. „Leider hat dieser sehr gelungene Abend so einen traurigen Abschluss gefunden.“
Vorher war die Atmosphäre noch ausgelassen und fröhlich. Doch als die Zuschauerinnen und Zuschauer nach und nach ins Foyer gingen, um ihre Garderobe abzuholen, sahen sie das gewaltige Polizeiaufgebot mit Blaulicht vor der Halle. In dem Moment machte sich bei vielen doch ein mulmiges Gefühl breit.
Mit reichlich Verzögerung konnten die Gäste dann die Motorworld verlassen und die Heimreise mit vielen Eindrücken antreten. Was vor 20 Jahren in einem kleinen Zelt an der Pferderennbahn in Weidenpesch begann, zählt heute zu Kölns Kult-Weihnachtsshows. An seinem 76. Geburtstag feierte Tommy Engel die Premiere und vereinte dabei gleich vier kölsche Legenden auf der Bühne.
Wenn die „Stimme Kölns“ auf den kölschen Bob Dylan trifft, liegt nicht nur Musik in der Luft, sondern auch jede Menge Jeföhl. Denn wenn Engel eine Idee hat, dann lässt sich selbst Wolfgang Niedecken nicht lange bitten.

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Unter den vielen prominenten Gästen waren auch Carolin Kebekus und Wolfgang Niedecken. Beide sind virtuell in der Show zu erleben, schauten sich die Premiere aber auch live an.
Und so waren erstmals in der Geschichte des WeihnachtsEngels mit Kabarettistin Carolin Kebekus, BAP-Frontmann Niedecken, Bläck-Fööss-Urgestein Erry Stoklosa und Entertainer Linus (Michael Büttgen) gleich vier Bühnengäste an seiner Seite.
Während Stoklosa und Linus bei jeder der elf Shows live auftreten, stehen Kebekus und Niedecken in eigens für die Show täuschend echt gestalteten Inszenierungen als „Fata Morgana“ zusammen mit Engel auf der Bühne.

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Die Technik macht’s möglich: Tommy Engel (r.) sang im virtuellen Duett mit Wolfgang Niedecken „Do kanns zaubre“.
Virtuell gab es zu Beginn der Show auch zahlreiche Glückwünsche zum Jubiläum, unter anderen von Wolfgang Bosbach, Frank Schätzing, Hella von Sinnen oder Tom Gerhardt. Dann startete das perfekte visuelle Erlebnis zwischen Illusion und Liveshow. „Wolfgang Niedecken ist für mich ein großer Poet in unserer Sproch“, verriet Tommy. „Ich singe mit ihm nicht nur mein Lieblingslied von ihm, sondern eins der schönsten aus seiner Feder: ‚Do kanns zaubere‘“.
Zusammen sangen beide auch den Bläck Fööss-Klassiker „Pänz, Pänz, Pänz“. Carolin Kebekus wiederum sorgte zusammen mit Tommy für eine Fortsetzung der Geschichte um „et Meiers Kättche“. Im Rap-Stil machte sie deutlich, dass sie nicht „et Meiers Kättche“ sei, sondern deren Tochter und dass es endlich an der Zeit sei, die Geschehnisse in der Rhingjaß klarzustellen.

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Linus, Tommy Engel und Erry Stoklosa sangen mit virtueller Unterstützung von Wolfgang Niedecken und Carolin Kebekus auch die „Arsch huh“-Hymne.
Zum Doppel-Geburtstag mischten sich zahlreiche prominente Gäste wie Purple Schulz, Paveier-Frontmann Sven Welter, Arno Steffen, Rolf Lammers, Anton Fuchs oder Reiner Hömig unter die Gäste. Zudem ließen es sich Kebekus und Niedecken nicht nehmen, die Premiere persönlich zu begutachten.
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„Ich hatte bisher noch nie die Gelegenheit, mir selbst auf der Bühne zuzuschauen. Es ist schon ein besonderes Gefühl, sich so zu sehen und zu hören. Ich gebe zu, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so authentisch rüberkommen würde“, sagte Niedecken zu EXPRESS.de.
Der Sänger wollte zwar schon immer beim WeihnachtsEngel dabei sein, aber aufgrund der eigenen Tourneen habe es nie funktioniert. Für ihn steht fest: „Mit den virtuellen Duetten haben wir eine gute Lösung gefunden.“

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Als die zwei „Profis vun d'r Eierquell“ sangen Tommy Engel (l.) und Erry Stoklosa von ihren neusten Handwerker-Katastrophen.
Neben kölschem Jeföhl steht der WeihnachtsEngel auch für jede Menge Humor wie bei der Nummer „Mir drei sin nie allein“, bei der Tommy, Erry und Linus als die „Drei Tenöre“ gemeinsam in einer Hose auf der Bühne stehen.
Und wenn der Gastgeber zusammen mit Stoklosa als „Profis vun d‘r Eierquell“ auf der Bühne steht, gibt es viel zu lachen: „Mer kannte en Mädche in Mengenich – bei der stimmte ne Menge nich. Und dann kam die Sache mit Much – dicke Buch“. Auch der Auftritt von Diva „Lara Zalando“ (Linus) mit dem Lied „Mir schenken uns nix“ traf den Humor des Publikums.
Die 20. Ausgabe des WeihnachtsEngels zählt zu den Besten der letzten Jahre. Leise Töne und starke Stimmen wie die von Tommys Enkel Robin Duns („Liebe ist nicht fair“) oder Linus als Joe Cocker („With a Little Help from My Friends“) begeisterten. Einmal mehr stellte Engel zusammen mit seiner Band, die geleitet wird von seinem langjährigen Freund Jürgen Fritz, unter Beweis, wie man das Gefühl dieser Stadt zum Klingen bringt.

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Linus trat als Diva „Lara Zalando“ auf. Zusammen mit Tommy (r.) traf er den Humor des Publikums mit dem Titel „Mir schenken uns nix“.
Dabei ist die Show so familiär wie auch das Dinner, was unter dem Motto „Futtern wie bei Muttern“ steht. Jürgen Walter ließ von den 60 Service-Engeln Kartoffel-Lauch-Suppe und Rinderschmorbraten servieren.
Der WeihnachtsEngel 2025 ist eine Hommage an das Wir-Gefühl, an kölsche Musik und Freundschaft. In seiner Weihnachts-Lesung kritisierte Engel die Politik: „Es wird mit einer Selbstverständlichkeit über Krieg gesprochen, dass es denen, die seine Auswirkungen noch erlebt haben, das Blut in den Adern gefriert.“ Deshalb appellierte er an Zivilcourage: „Lasst schönen Worten gute Taten folgen.“

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Diesmal ging es in Tommy Engels Weihnachtsgeschichte um Nächstenliebe, Menschlichkeit und Zusammenhalt.
Neben den spektakulären visuellen Erlebnissen sorgte Fritz für den emotionalsten Moment des Abends, als er erstmals selbst zum Mikrofon griff und Tommy zum besonderen Jubiläums-Abend mit dem Song „Du bes immer noch nit leis, du bes immer noch nit möd – häst dir ding Freiheit erkämpft“ zusammen mit Tommys Sohn Ilja und Enkel Robin anstimmte.
Während im Publikum Gänsehaut-Stimmung herrschte und die „Stimme Kölns“ mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, hatte Tommy, der eigentlich nichts von „Lobhudelei“ hält, die Tränen in den Augen. Ebenso emotional wurde es, als Engel seine Frau Marlene auf die Bühne rief, um sich bei ihr zu bedanken – „für alles“. Wer noch dabei sein möchte: Es gibt nur noch Tickets für die Matinee am 21. Dezember.
