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„80 Kippen pro Tag“Kölner Band feiert Jubiläum – Kult-Mitglied rechnet mit 340 Euro Rente

Die Paveier früher (v.l.):  Klaus Lücke­ra­th, Det­lef Vor­holt, Micky Brühl, Hans-Lud­wig "Bu­bi" Brühl und Bodo Schulz.

Lange ist es her: Klaus Lücke­ra­th, Det­lef Vor­holt, Micky Brühl, Hans-Lud­wig „Bu­bi“ Brühl und Bodo Schulz (v.l.) for­mier­ten sich 1983 als die Pa­vei­er.

Detlef Vorholt gründete vor 40 Jahren eine der erfolgreichsten kölschen Bands – die Paveier. Nun wurde er 65 Jahre alt.

von Andrea Kahlmeier (ak)

Er ist ein kölsches Urgestein in der Musikbranche: Detlef Vorholt gründete vor 40 Jahren die Paveier, machte sich mit eigener Plattenfirma und -label einen Namen.

Am Freitag (5. Mai 2023) feierte er seinen 65. Geburtstag und verrät im EXPRESS.de-Gespräch, warum er vielen Lastern abgeschworen hat und dass seine Rente nicht gerade üppig ist.

Kölner Urgestein Detlef Vorholt: Niemals mit großem Paveier-Erfolg gerechnet

Herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag, Detlef. Hast du den Rentenantrag schon eingereicht?

Alles zum Thema Paveier

Detlef Vorholt: „Stimmt, das werde ich jetzt machen. Das müssten immerhin so 340 Euro im Monat werden. (lacht). Aber man muss mich jetzt nicht bedauern: Ich habe vorgesorgt, wohne zwar zur Miete in der Innenstadt, habe aber schon immer etwas auf die Seite gelegt.“

Heißt, du wirst demnächst auch Rock-Rentner wie Bömmel und Co.?

Detlef Vorholt: „Sicher denkt man schon mal darüber nach, aber der Zeitpunkt ist eigentlich immer verkehrt – und die Zeit verfliegt so schnell. Warum also aufhören? Was ich allerdings heutzutage schon versuche, ist mehr Freizeit für mich und meine Familie herauszuschlagen. Ich muss nicht mehr 20 Stunden im Studio stehen.“

Nehmen Sie hier gerne an unserer Umfrage teil:

Hättest du 1983 gedacht, dass die Paveier auch 40 Jahre später noch zu den bekanntesten Kölsch-Bands gehören?

Detlef Vorholt: „Niemals. Damals habe ich hauptberuflich als Elektriker gearbeitet und bin Taxi gefahren. Unsere kölsche Country-Band hatte noch nicht den Durchbruch. Und dann kamen die Paveier. Funktionierte. Aber das ist ja auch das Schöne an dem Job. Es bleibt immer spannend. Du kannst vorher nie sagen, ob der neue Song ein Hit wird. ‚Heut brennt mein Iglu‘ wollten wir schon wieder einstampfen. Dann waren wir mit dem Song in der Silvestershow und die Leute stürmten anschließend die Läden.“

Und weiter: „‚Buenos Dias Mathias‘ war ein Spätzünder, Micky und ich hatten angefangen, den Text auf eine Zigarettenschachtel zu schreiben, als wir im Flieger von Malle zurück nach Köln saßen. Aber er wird heute noch gespielt. Und wer hätte gedacht, dass ‚Leev Marie‘ so ein bundesweites Ding werden würde? Ich glaube nicht an die Erfolgsformel bei der Musik, aber an die Authentizität, die ein Song, ein Text haben muss.“

Paveier-Urgestein wird 65: Verhältnis zu Micky Brühl und 80 Zigaretten pro Tag

Micky Brühl ist 2012 im Streit ausgeschieden. Wie ist das Verhältnis heute?

Detlef Vorholt: „Gut, wir haben erst letzte Woche noch miteinander telefoniert. Das Kriegsbeil ist definitiv begraben.“

40 Jahre Paveier. Lief die Jubiläumstour wie geplant?

Detlef Vorholt: „Na ja, wir mussten wegen der dämlichen Lärmgrenze im Millowitsch-Theater schon kräftig improvisieren und haben unplugged gespielt. Wie beim Buena Vista Social Club. Und das ist sehr gut angekommen. Aber das weiß man nie vorher, deshalb planen wir auch nie große Ansagen, sondern schauen, wie die Stimmung im Publikum ist.“

Paveier-Urgestein Detlef Vorholt sitzt vor einem Mikrofon.

Paveier-Urgestein Detlef Vorholt ist für das Keyboard, das Akkordeon und den Gesang bei den Paveiern zuständig.

Du hast in deinem Leben nicht nur auf den Motorrädern häufig Vollgas gegeben. Trittst du heute schon mal auf die Bremse, um fit zu bleiben?

Detlef Vorholt: „Klar, sonst kannst du in meinem Alter 300 Auftritte im Jahr nicht überstehen. Früher habe ich bis zu 80 Zigaretten am Tag geraucht, heute sind es vielleicht drei Zigarren im Jahr – zu besonderen Anlässen. Aber ein Glas Wein trinke ich immer noch gern. Ich bin halt ein Genussmensch, sagt meine Frau. Seit zehn Jahren ziehe ich mein Boxtraining konsequent durch, früher bin ich sehr gern und gut Ski gefahren, aber da macht das Knie nicht mehr so mit.“

Paveier-Urgestein: „An der Vernunft hat es oft gemangelt“

Deine Söhne aus erster Ehe sind mittlerweile 41 und 38 Jahre alt, deine Töchter vier und neun Jahre. Wie empfindest du die späte Vaterschaft?

Detlef Vorholt: „Wenn man mir vor 20 Jahren gesagt hätte, dass ich mit Mitte 50 noch Babys wickeln würde, hätte ich gesagt: Du spinnst. Ich war mit 23 Jahren zu jung, als ich das erste Mal Vater geworden bin und war eigentlich zu alt, als ich das letzte Mal Vater geworden bin. Aber es kommt, wie es kommt. Ich kann die Phase heute mehr genießen als damals, wo sich alles um die Arbeit und um die Musik drehte.“

Und Rock’n’Roll, oder?

Detlef Vorholt: „Früher habe ich wirklich sehr exzessiv gelebt. Heute erdet meine Familie mich. Wenn es die nicht gäbe, wäre ich vermutlich schon längst tot. Ich bin heute glücklich, dass alles so gekommen ist. Aber ich bin eh der Typ, der am liebsten im Hier und Jetzt lebt und nicht ewig zurückschaut.“

Ein kleiner Rückblick als Papa: Was war früher anders?

Detlef Vorholt: „Damals haben wir die Kinder auf die Rückbank gesetzt und sind fröhlich rauchend in den Urlaub gefahren. (lacht) Nicht gut, klar. Heute übernehmen die Männer mehr Verantwortung und Aufgaben als damals. Gut so. Aber manchmal warte ich darauf, dass die Kinder demnächst mit Sturzhelmen im Sandkasten sitzen, weil alles so reglementiert ist. Da kann ich mich oft nur kaputt lachen. Kein Wunder, dass meine Frau immer zu verhindern sucht, dass ich auf Elternsprechtage gehe.“

Detlef Vorholt mit Ehefrau Sonja, den Töchtern Lisa und Leni

Detlef Vorholt mit Ehefrau Sonja sowie den Töchtern Lisa und Leni.

Wo kannst du am besten runterkommen?

Detlef Vorholt: „Auf meinem Boot, das bei Roermond im Hafen liegt. Das kommt sogar vor, dass ich mich nach der Arbeit noch ins Auto setze, da runterdüse und in die Koje haue. Es ist ein altes Holzboot und ich versuche, alles selbst zu machen. Ich liebe einfach die Vielfältigkeit in meinem Leben, die Musik, das Komponieren, die Studioarbeit, mich um die Kleinen zu kümmern, wenn meine Frau arbeitet – und eben auch die Wasserpumpe vom Schiff zu reparieren.“

Was wünschst du dir für die nächsten zehn Jahre?

Mit Vernunft und Verstand alt zu werden. An der Vernunft hat’s oft gemangelt. Ich merke allerdings auch: Je älter man wird, desto weniger denkt man in großen Zeitetappen. Dafür habe ich vermutlich zu viele in meinem Umfeld sterben sehen.