Kommentar zum 11.11. Chaos im Zülpicher Viertel: Konzept der Stadt ging wieder nicht auf

Henriette Reker (l), Oberbürgermeisterin von Köln, und Falk Schnabel, Polizeipräsident von Köln, geben nach einem Rundgang auf der Zülpicher Straße ein Statement ab.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker musste für die Zustände beim Karnevalsauftakt am 11.11. kritische Fragen beantworten.

Immerhin: Zur ganz großen Eskalation kam es glücklicherweise nicht am 11.11. in Köln. Dennoch: Die Szenen rund um die Zülpicher Straße machen Sorgen. Ein Kommentar zur Lage.

Als sich Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (65) am Freitagnachmittag durch das Gedrängel der Zülpicher Straße schob, um sich selbst ein Bild vom Geschehen zu machen und ein paar Statements abzugeben, sah sie nicht wie ein glücklicher Jeck zum Sessionsbeginn aus.

Wieder einmal wird im Nachgang ein Karnevalstag in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Geschehen im Kwartier Latäng gleichgesetzt. Komasaufen, Wildpinkeln, Müll, Scherben, Polizei-Hundertschaften – diese Begriffe stehen nicht für den Fastelovend, sehr wohl aber für die Szenen im Studentenviertel.

Polizei verhinderte im Zülpicher Viertel eine Massenpanik

Die Probleme mit der enormen Anziehungskraft der „Zülpi“ sind nicht neu. Diese Zustände waren vorhersehbar. Endlich wieder ohne Corona-Einschränkungen feiern, bestes Wetter, ein Wochenende vor der Brust – da musste allen Verantwortlichen der Stadt klar sein, was die Stunde geschlagen hat.

Alles zum Thema Henriette Reker

Kurz vor knapp, am 27. Oktober, wurde das Sicherheitskonzept für den 11.11. präsentiert. Es konzentrierte sich in erster Linie auf die Maßnahme, nur noch einen Zugang vom Bahnhof Süd zu erlauben. Doch dies allein half nicht, ein erneutes Chaos zu verhindern.

Zehntausende drängten Richtung Feiermeile. An den Zäunen konnte nur mit vereinten Polizeikräften verhindert werden, dass die Straße überfüllt wird und eventuell eine Massenpanik ausbricht. Die Jecken standen ratlos auf den Uni-Wiesen, mangels Alternativen vor Ort verlagerte sich der Pulk teilweise Richtung Aachener Weiher, wo weitere Probleme entstanden.

Das Studentenviertel wirkt seit geraumer Zeit magnetisch auf junge Leute. Diese kommen größtenteils nicht einmal aus der Stadt, sind auch gar keine richtigen Karnevals-Fans. Es geht ums Feiern – und trinken. Diese Generation zieht es nicht zum Heumarkt, zum Tanzbrunnen oder in Veedelskneipen. Diese jungen Menschen wollen auf der Straße stehen und Alkohol konsumieren.

Die Stadt Köln braucht Ideen, wo sie zukünftig diese Massen auffangen will und wie das Sicherheitskonzept besser aufgeht. Die Zustände für die Anwohner des Kwartier Latäng sind längst nicht mehr tragbar. Anwohnende fühlen sich an den tollen Tagen regelrecht eingesperrt und müssen die Exzesse vor ihrer Haustür fassungslos betrachten.

Stadt Köln braucht neue Ideen, um Andrang in den Griff zu bekommen

Wenn Reker schulterzuckend anmerkt, dass diese Art des Feierns auf der Zülpicher Straße nicht ihrer Art des Karnevals entspricht, kann sie das gerne denken. Den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den jungen Menschen, die einen unbeschwerten Tag erleben wollten und abermals frustriert abzogen, nutzt das nichts.

Es ist die Aufgabe der OB, die Menschen in ihrer Stadt zu schützen und den Job vernünftig auszuüben. Im Fall des 11.11. hat sie es einmal mehr nicht gemacht. Das von ihr zu verantwortende Konzept ist gescheitert. In knapp 14 Wochen ist Weiberfastnacht.

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