Anlässlich seines 80. Geburtstages würdigten die Bläck Fööss, die Paveier und die Knippschaft den Kölner Liedermacher Hans Knipp. Gleich zwei ausverkaufte Konzerte begeisterten in der Flora.
Zwei umjubelte KonzerteKölsche Kult-Bands setzen Zeichen für einen Großen dieser Stadt

Copyright: Daniela Decker
Kafi Biermann (l.) und Bömmel Lückerath gehören zur Knippschaft, die den Liedermacher Hans Knipp am Sonntag (10. Mai 2026) mit zwei Konzerten würdigte.
Aus seiner Feder stammen mehr als 800 Lieder, allein über 100 für die Bläck Fööss. Darunter Evergreens wie „Mer losse d‘r Dom en Kölle“, „Katrin“ oder „Unsere Stammbaum“. Texter und Komponist Hans Knipp hat die kölsche Musik nachhaltig geprägt.
Unter dem Titel „Knipp Knipp Hurra! Das Leben ist ganz nah“, setzten am Sonntag (10. Mai 2026) die Bläck Fööss, die Paveier und die Knippschaft ein umjubeltes musikalisches Zeichen für den Liedermacher, der im Dezember 2011 verstorben ist.
„Knipp Knipp Hurra“: Zwei ausverkaufte Konzerte in der Flora
Zwei ausverkaufte Konzerte in der Kölner Flora würdigten seinen 80. Geburtstag. Moderiert wurden die beiden mit stehenden Ovationen gefeierten Vorstellungen von Monika Salchert und Wolfgang Oelsner.
„Damit setzen wir ein Zeichen für einen Künstler, dessen Werk wie kaum ein anderes das Lebensgefühl unserer Stadt geprägt hat. Seine Lieder erzählen von Heimat und Veränderung, von Freundschaft, Verlust und Zusammenhalt, und das in einer Sprache, die direkt ins kölsche Hätz trifft“, betonte Bernhard Conin, Baas der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums.
Hans Knipp ist bis heute einer der großen Unbekannten der kölschen Musikszene. Als er sich 1968 erstmals als Texter versuchte, stand er nach eigenen Aussagen mit dem Rücken zur Wand. „Ich war auf der sozialen Leiter ganz unten und hielt mich nur mit Aushilfsjobs über Wasser“, sagte er.

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Die Paveier und Hans Knipp verband eine jahrzehntelange Freundschaft.
Gleich sein erstes Lied „Mir schenken der Ahl e paar Blömcher“ wurde ein deutschlandweiter Erfolg und der perfekte Einstieg für ein ganz besonderes Konzert. Zusammen mit der Knippschaft (unter anderem mit Bömmel Lückerath und Kafi Biermann) widmeten Fööss-Sänger Mirko Bäumer und Paveier-Frontmann Sven Welter den Evergreen allen Müttern zum Muttertag.
„Ohne Hans Knipp und seine Lieder wäre Köln ein ganzes Stück ärmer“, betonte Ur-Fooss Bömmel Lückerath, der sich zusammen mit der Knippschaft um die Pflege des Lebenswerkes kümmert. „Auch wenn Hans nie gerne im Rampenlicht und schon gar nicht auf der Bühne stand, ist er der wichtigste kölsche Liedermacher der Nachkriegszeit“, unterstrich er im EXPRESS.de-Gespräch.

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Über 100 Titel der Bläck Fööss entstanden in Zusammenarbeit mit Hans Knipp.
Mit der Knippschaft stimmte er zur Freude des Publikums Hits wie „Ene Besuch em Zoo“, „Ming eetste Fründin“ oder „Unsere Stammbaum“ an. Welchen Stellenwert Hans Knipp für die kölsche Musikszene hat, zeigte auch die Liste der Ehrengäste. Darunter Marita Köllner, Ludwig Sebus, Tommy Engel, Erry Stoklosa und der ehemalige Frontmann der Paveier, Micky Brühl.
Die Freundschaft der Paveier zum Komponisten begann bereits vor der offiziellen Gründung der Band 1983. Detlef Vorholt: „Bei einem unserer kläglichen Auftritte als damalige Colonia Rangers stand Hans Knipp im Publikum. Nach unserem Auftritt kam er zur Bühne und meinte: ‚Ihr seid schon ein verdammt arroganter Haufen, aber etwas steckt in euch. Wollt ihr es nicht mal mit einem vernünftigen kölschen Lied versuchen?‘ Hans hatte den richtigen Riecher und hat uns auf die richtige Spur gebracht. Ohne ihn hätte es die Paveier wohl nicht gegeben.“

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Moderiert wurde das Konzert von Wolfgang Oelsner und Monika Salchert.
Als die Band gegründet wurde, war ihr heutiger Sänger gerade in den Kindergarten gekommen. Sven Welter: „Ich bin zwar kein Zeitzeuge wie Detlef Vorholt oder Klaus Lückerath, hatte aber das große Glück, Hans kennenlernen zu dürfen. Was mich an den Liedern von ihm am meisten imponiert hat, ist die ganz besondere Tiefe und die Zeitlosigkeit der Songs. Titel, die in den 80er Jahren emotional ins Herz getroffen haben, treffen heute noch genauso. Das war eine unglaubliche Gabe von ihm.“
Einige dieser Titel sind „Wat hammer eijentlich zo verliere, Elly“ oder „Heimat es“, das letzte Lied, das Knipp vor seinem Tod geschrieben hat. Und auch der erste Hit der Paveier – „Heut brennt mein Iglu“ – stammt aus seiner Feder. Mit „Kleine Pänz han jrosse Auge“ präsentierte die Band in der Flora sogar ein bisher unveröffentlichtes Lied von Knipp.

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Die Knippschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um die Pflege des Lebenswerkes von Hans Knipp zu kümmern.
Auch mit den Fööss entstand eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte. Evergreens wie „Drink doch eine met“, „M‘r losse d‘r Dom en Kölle“, „Dat Wasser von Kölle es joot“, „Lange Samstag en d‘r City“ oder „Katrin“ entstanden über die Jahre.
Obwohl Mirko Bäumer Hans Knipp nicht persönlich kennengelernt hat, hatte er schon früh ein absolutes Lieblingslied von ihm. „Als ‚Putschblos‘ 1978 veröffentlicht wurde, war ich gerade einmal zehn Jahre alt und fand das Lied super. Und sogar der Grundstein meiner musikalischen Karriere geht auf Hans Knipp zurück. Als ich ein Jahr alt war und noch nicht sprechen konnte, konnte ich das ‚Oh, oh, oh, oh‘ im Refrain von ‚Ene Besuch em Zoo‘ schon perfekt mitsingen“, erinnerte sich der Sänger lachend im EXPRESS.de-Gespräch.
