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Bei Ehrung für Marc MetzgerBüttenredner mit Rundumschlag – „geht uns furchtbar auf den Sack“

Marc Metzger mit Gregor Berthold, Willibert Pauels und Uwe Lüdemann bei der KG Alt-Köllen.

Marc Metzger (2.v.l.) wurde bei der KG Alt-Köllen am Dienstagabend (6. Januar 2026) von Präsident Gregor Berthold (l.) und Geschäftsführer Uwe Lüdemann (r.) mit der goldenen Mütze ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Willibert Pauels.

Aktualisiert

Die KG Alt-Köllen hat wieder die Goldene Mütze verliehen. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Redner Marc Metzger. Die Laudatio auf den „Blötschkopp“ hielt Willibert Pauels.

Seit 1973 zeichnet die KG Alt-Köllen jährlich eine Persönlichkeit für herausragende Verdienste um den Kölner Karneval aus. Beim Dreikünnige-Appell am Dienstagabend (6. Januar 2026) im Hilton-Hotel wurde die Goldene Mütze zum 53. Mal verliehen.

Komiker Marc Metzger (52) wurde dieses Mal ausgezeichnet. „Dä Blötschkopp“ hatte sich die Liste der vorherigen Preisträger genau angeschaut. „99 Prozent von ihnen sind inzwischen inaktiv im Karneval unterwegs“, stellte er fest.

KG Alt-Köllen: Marc Metzger 53. Träger der Goldenen Mütze

„Ich weiß nicht, ob ich das als Hinweis verstehen soll. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, aufzuhören. Ich denk‘ mal drüber nach.“ Trotzdem freute er sich enorm. „Ich bin gerührt und werde die Mütze heute Nacht nicht mehr ausziehen. Ich werde versuchen, dieser Ehre gerecht zu werden.“

Traditionell hält stets der Vorjahrespreisträger die Laudatio. Und in der setzte Willibert Pauels (71) zur „Seligsprechung“ an, wie es Metzger nannte. Der langjährige Büttenredner („Ne Bergische Jung“) verteilte nicht nur viel Lob, er holte auch zum Rundumschlag gegen Wokeness aus.

Passend zum Dreikönigstag bezeichnete er den „Blötschkopp“ als den vierten König von Köln, den König der Comedy. „Er bekommt keine goldene Krone, sondern eine goldene Mütze. Marc Metzger kann unglaublich schönen Quatsch machen, dass die Leute quieken vor Lachen“, sagte er. „Wenn der Mensch lacht, ist er leicht wie ein Engel.“

Der römisch-katholische Diakon hatte vor 15 Jahren die Predigt bei der kirchlichen Hochzeit von Metzger und dessen Ehefrau Veronika gehalten. Beide verbinde vorwiegend eine Haltung, führte Pauels aus: „Wir beugen uns nicht der Wokeness. Wir beugen uns nicht der Political Correctness. Wir haben Respekt für den Nächsten, aber wir lassen uns nicht zensieren.“

Marc Metzger als „Dä Blötschkopp“ auf der Bühne.

So lieben die Jecken „Dä Blötschkopp“. Auf der Bühne läuft Marc Metzger immer zur Höchstform auf.

Vor 50 Jahren trat der Theologe erstmals im Karneval auf, war jahrelang Stammgast auf den Bühnen. Doch zuletzt ärgerte er sich zunehmend über Beschwerden, die ihn nach Auftritten erreichten. Da wurde ihm unter anderem Rassismus vorgeworfen. „Mark und ich stimmen in einem überein: Die sogenannte Political Correctness, was man noch sagen darf und was schon als rassistisch gilt, geht uns furchtbar auf den Sack.“

Nach einem Witz, in dem er einen Türken, einen Westfalen und einen Rheinländer imitierte, habe sich eine Frau bei ihm beschwert. „Wenn ein alter weißer Mann einen Bürger mit Migrationshintergrund imitiert, ist das schon diskriminierender Rassismus“, warf sie ihm vor. Pauels entgegnete: „Wisst ihr: Manchmal meine ich, wir haben mittlerweile nicht mehr alle Latten am Zaun.“

Auch die Winnetou-Debatte rege ihn auf. „Mir wurde vorgeworfen, dass ich Winnetou verehre. Die zentrale Aussage des Romans ist doch die Blutsbrüderschaft, die Nächstenliebe, die Freundschaft, die Kameradschaft.“ Dass sich Kinder nicht mehr als Indianer verkleiden sollen, mache ihn fassungslos.

„Natürlich kann man mit Worten jemanden zutiefst verletzen. Deshalb ist Achtsamkeit in der Sprache grundsätzlich gut. Aber wenn eine kleine Menge von Aktivistinnen und Aktivisten bestimmt, was noch sagbar ist, und wenn der Raum des Sagbaren immer enger wird, dann wird aus Achtsamkeit Zensur. Dann ist es schlimm.“

Nach dem 28-minütigen Rundumschlag fehlten auch dem sonst so redegewandten Metzger die Worte. „Man sollte Redner nicht ehren und dann erwarten, dass sie etwas Lustiges sagen. Wir Redner reden viel Zeug. Aber wenn man geehrt wird, ist man verlegen, schüchtern und weiß überhaupt nicht, was man machen soll.“

Die Kölschen Harlequins bei ihrer Aufführung.

Die Kölschen Harlequins zeigten bei einigen Tanzaufführungen ihr Können.

Marco Ages hatte als „Ne Jung us em Veedel“ die schwere Aufgabe, direkt nach dieser besonderen Auszeichnung in die Bütt zu steigen. Bereits zu Beginn des Abends setzten die Kölschen Harlequins ein erstes tänzerisches Ausrufezeichen.

Beim Appell konnte Präsident Gregor Berthold zudem noch zahlreiche Jubiläen und Ehrungen verkünden. Uwe Lüdemann erhielt vom Festkomitee den Verdienstorden in Silber, Michael Hohmann den Verdienstorden in Gold. FK-Präsident Christoph Kuckelkorn wurde zum Ehrenratsherrn ernannt.