Ein Besuch in der Gaststätte „Nepomuk“ an der Groov in Porz-Zündorf bedeutet das Eintauchen in ein Stück Heimatgeschichte. An der Decke hängt ein alter Bootshaken aus dem 19. Jahrhundert. Am Haus nebenan zeigen Hochwassermarken, wie die Naturgewalt des Rheins dem Dorf zusetzte, wie etwa im Jahr 1882.
KanzlerfamilieGereon Adenauer enthüllt: Er stammt aus Brasilien

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Aus dem Hintergrund blickt Konrad Adenauer (1876-1967): Gereon Adenauer hat die Gaststätte „Nepomuk“ auch zu einer Erinnerungsstätte gemacht.
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Ein paar Meter weiter steht die 1775 von den Zündorfer Schiffern gestiftete Statue des Schutzheiligen Nepomuk. Das ist schon reichlich Historie. Aber da wäre ja noch der Chef der Gaststätte. Und der heißt: Adenauer!
Heimatgeschichte? Ja, auch hier – und wie! EXPRESS.de hat ihn besucht: Gereon Adenauer, 36, Mitglied einer der bedeutendsten Kölner Familien. Flotter Hut, Tattoo am Hals, ein Mann unter Strom und als Gastronom ein Quereinsteiger: „Ich habe in meinem bisherigen Leben schon vieles gemacht“, sagt der in Hennef aufgewachsene Sohn von Kanzlerenkel Karl Adenauer (75, Mediziner) und dessen Ehefrau Elisabeth: „Meine ersten Ausbildungsstationen waren das E-Werk und das Palladium. Ich habe Veranstaltungskaufmann gelernt.“
Später war der Allrounder als Musikproduzent und DJ unterwegs, er erzählt, wie er einst neben DJ Robin Schulz in Siegburg auflegte – „das war noch vor seinem großen Durchbruch“.
Vor drei Jahren dann stieg Gereon Adenauer in die Gastronomie ein und übernahm das „Nepomuk“, das gleichzeitig Traditionsgaststätte und Ausflugslokal ist. Für die Saison hat er sich einen Clou ausgedacht: Es wird Flammkuchen geben in 30 Variationen und dazu sechs verschiedene Knödel – so viel man will. „All you can eat“, für 29,90 Euro. Das Jahresziel ist keck formuliert: „Na klar – ich möchte diesen Sommer Kölns Flammkuchenkönig werden!“

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Das Wirtshaus Nepomuk befindet sich an der Marktstraße an der Groov.
Für die Gäste ist der prominente Bezug des Lokals offenkundig: Der Gastronom nennt die Gaststätte seit seinem Einstieg „Adenauers Nepomuk“. An den Wänden hängen Bilder des Kölner Oberbürgermeisters und ersten deutschen Bundeskanzlers, auch Bücher über den Jahrhundertkölner liegen aus. „Geschichte vom Fass“ heißt ein Podcast, den Gereon Adenauer mit seinem Onkel, dem Notar und Kanzlerenkel Konrad Adenauer, gestaltet hat. Da sitzen die beiden Vertreter verschiedener Generationen an einem alten Weinfass im Lokal und reden über eine Stunde über das Leben und die Bedeutung des Mannes, der den Mythos Adenauer begründete.
Die Lebensgeschichte von Gereon Adenauer hat indes eine bewegende Pointe. Er wurde in Brasilien geboren, in armen Verhältnissen, in der Stadt Rio Negro im Bundesstaat Paraná im Süden des Landes. Seine Mutter war noch ein junges Mädchen, das es schwer gehabt hätte mit ihm – ein uneheliches Kind in einem katholisch geprägten Land. Mit vier Wochen wurde das Baby zur Adoption freigegeben. Karl und Elisabeth Adenauer fanden über einen befreundeten, in Brasilien praktizierenden Anwalt, zu ihrem Familienglück – so wie auch Gereon: „Ich hatte das größte Glück der Welt. Ich bin von der tollen Familie Adenauer aufgenommen worden. Mir hat es an nichts gefehlt. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar.“

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Ein Ausschnitt aus dem Adenauer-Talk „Geschichte vom Fass“ (wird auf YouTube in schwarzweiß gezeigt): Konrad (l.) und sein Neffe Gereon Adenauer.
Fast schon standesgemäß: Politisch und weltanschaulich ist Gereon Adenauer konservativ verankert, er hat sich in Hennef für die CDU starkgemacht. Die Bundespartei habe es gerade nicht einfach, sie sei – Stichwort AfD – politisch in die Klemme geraten. Im Kommunalwahlkampf wiederum habe er bei der CDU festgestellt, dass es statt Worthülsen klar formulierte Visionen, Projekte, Vorhaben brauche. Mit der Hennefer CDU-Bürgermeisterkandidatin Nadja Johnen habe er sich im vergangenen Jahr sehr gut und ausführlich unterhalten.
Für die Partei, die sein Urgroßvater Konrad einst mitgründete, ist in Hennef noch Luft nach oben: Zwar ist die CDU im Rat stärkste Kraft, die Bürgermeisterwahl gewann aber der Amtsinhaber und SPD-Kandidat Mario Dahm – mit 51,6 Prozent.
Es gibt also rundum noch viel zu tun, und außerdem kommt es immer auch auf die Details an. Unter die Adenauer-Fotos in der Gaststätte, die den Kanzler mit Kennedy oder de Gaulle zeigen, will Gereon Adenauer demnächst kleine Gedenktäfelchen anbringen, die zu jedem Bild eine Geschichte erzählen.


