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„Was soll ich dann noch tun?“Parkplatz-Kahlschlag sorgt für Riesen-Frust in Köln

Parkplätze in Köln fallen weg: Anwohner Christof Preiß (rechts, Planungsingenieur in der Baubranche) war skeptisch und hat zusammen mit seinen Nachbarn Andreas Benez und Nadine Krachten nachgemessen.

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Parkplätze in Köln fallen weg: Anwohner Christof Preiß (rechts, Planungsingenieur in der Baubranche) war skeptisch und hat zusammen mit seinen Nachbarn Andreas Benez und Nadine Krachten nachgemessen.

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In Köln werden Hunderte Parkplätze gestrichen. Viele Anwohner kritisieren die Maßnahmen. Inzwischen gibt es eine Petition – die Kommentare sind deutlich.

Köln streicht massenhaft Parkplätze – doch stimmen die Begründungen überhaupt?

Im gesamten Innenstadtbezirk sollen 453 Stellplätze wegfallen, allein 72 davon im Griechenmarktviertel. Die Stadt begründet das mit einer zu geringen Restfahrbahnbreite: Mindestens 3,05 Meter müssten laut Straßenverkehrsordnung für Rettungsfahrzeuge freibleiben.

Parkplatz-Kahlschlag in Köln – Anwohner messen nach

Doch Anwohner Christof Preiß (42), von Beruf Planungsingenieur, wollte das nicht einfach so hinnehmen. Mit Maßband, Kamera und Notizblock zog er am 12. April 2026 gemeinsam mit seinen Nachbarn Andreas Benez (53) und Nadine Krachten (50) durch die betroffenen Straßen – und kam zu einem vernichtenden Ergebnis: Die Zahlen stimmen nicht!

In der Großen Telegraphenstraße etwa maßen die drei an den meisten Stellen mehr als fünf Meter Fahrbahnbreite – ausreichend Platz, selbst wenn Autos parken. In der Friedrichstraße beträgt die Restbreite bei beidseitig geparkten Fahrzeugen 3,10 bis 3,30 Meter. Nur an einer einzigen Engstelle wurden 3,01 Meter gemessen – an einer Stelle, die die Stadt selbst mit einer Temposchwelle verschmälert hat.

Eine Befahrung aller Straßen durch die Feuerwehr zur Überprüfung habe laut Stadtangaben übrigens nie stattgefunden, bestätigte die Stadt auf EXPRESS.de-Nachfrage.

Für die gesamte Innenstadt vermutet Preiß zudem, dass am Ende nicht 450, sondern rund 550 Parkplätze wegfallen.

Preiß hat unter openpetition.org/!nvrwz eine Petition gestartet – mehr als 1.600 Menschen haben bereits unterschrieben (Stand: 29. April, 11.20 Uhr). Die Forderung: erst Alternativen prüfen, bevor Parkplätze gestrichen werden.

Die Petition richtet sich bei Erfolg an Bezirksbürgermeisterin Julie Cazier und die weiteren 18 gewählten Vertreter und Vertreterinnen des Innenstadt-Bezirks und fordert unter anderem, dass die Stadt zunächst organisatorische und bauliche Alternativen prüft und umsetzt, bevor Parkplätze einfach gestrichen werden.

Großes Interesse an Petition – mehr als 800 Kommentare

Die Reaktionen aus dem Viertel sprechen für sich, die Petition wurde bereits mehr als 800 Mal kommentiert. „Parken in unserem Viertel ist zur Lotterie geworden. Es kann bis zu 1,5 Stunden dauern, einen Parkplatz zu finden“, schreibt ein Unterzeichner.

Ein anderer: „Irgendwo müssen die Autos stehen. Aktuell ist der öffentliche Nahverkehr nicht ausreichend ausgebaut, um auch nur über die Abschaffung privater Pkw nachdenken zu können.“

Dabei melden sich auch Anwohner aus anderen Vierteln und berichten über ihren Ärger: „Die Situation ist im Rathenauviertel nicht mehr tragbar. Überall werden Parkplätze weggenommen, aber es wird nicht daran gedacht, dass es deshalb nicht weniger Autos gibt. Uns wird keine Alternative geboten und einen Parkplatz nach Feierabend zu finden, ist fast unmöglich.“

Oder etwa: „In Nippes gibt es ab 17 Uhr gar keine Parkplätze mehr. Ich musste oft 30 Minuten fahren, um einen zu finden. Das nervt nicht nur Anwohner durch erhöhten Verkehr, sondern ist auch schlecht für die Umwelt.“

In Gesprächen mit Bürgern auf der Straße erhalten Preiß, Benez und Krachten großen Zuspruch.

Aussagen, wie von einer betroffenen Bürgerin auf der Straße, spiegeln die Sorge von Vielen wider: „Ich bin Krankenschwester und im Schichtdienst. Wenn ich nachts von der Arbeit komme, suche ich jetzt schon verzweifelt nach einem Parkplatz. Was soll ich dann noch tun?“ Oder eine andere Bürgerin: „Ich arbeite in der häuslichen Pflege. Ich weiß gar nicht, wie ich zukünftig noch zu meinen Patienten gelangen soll?“

Fahrbahnmarkierungen werden im Veedel bereits entfernt

Seit dem 13. April werden im Viertel bereits Fahrbahnmarkierungen entfernt.

Preiß, Benez und Krachten haben die Ergebnisse der Vor-Ort-Begehung, die Lösungsvorschläge zum Parkplatzerhalt und den Verweis auf die Petition in einem ausführlichen Beschwerdeschreiben am 13. April an die Stadt Köln und deren verantwortliche Dezernate geschickt.

Der Eingang des Schreibens sei erst am 24. April bestätigt worden. Eine Reaktion oder Antwort auf das Schreiben stehe bislang aus. Die Frist zur Unterschriftensammlung läuft bis Ende September 2026.

Für Preiß, Benez und Krachten steht fest: So einfach geben sie sich nicht geschlagen. „Wir kämpfen für den Erhalt der Parkplätze und ein ganzheitlich durchdachtes Verkehrskonzept für alle Bürgergruppen: für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner mit Pkw“, so Preiß.

Die von der Polizei sichergestellten Drogen, Waffen und Bargeld auf einem Tisch.

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