Schneller durch Köln, weniger Stau, besserer Nahverkehr: Die Stadt plant seit Jahren Expressbus-Linien. Zwei solcher Linien sollen Stadtteile verbinden, die bisher schlecht erreichbar sind. Doch vor allem die Finanzierungsfrage ist noch offen.
Entlastung für ZehntausendeKöln plant neue Express-Linien – wichtige Frage ungeklärt

Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Wann kommen die Expressbus-Linien für Köln (Archivbild).
Fast zehn Jahre nach dem ersten Stadtratsbeschluss ist es nun so weit: Gutachter haben im vergangenen Jahr einen umfangreichen Abschlussbericht vorgelegt, der konkret beschreibt, wie zwei neue Expressbus-Linien Köln besser und schneller machen sollen.
Die Studie kommt zu einem klaren Ergebnis. Nun wird die Planung weiter vorangetrieben.
Köln wächst – und Schienenausbau dauert zu lange
Grundlage für das gesamte Projekt ist ein Beschluss des Kölner Stadtrats aus dem Jahr 2016: „KölnMobil – Express-Bus-Netz für Köln“. Seitdem ist viel Zeit vergangen, der 101-seitige Abschlussbericht liegt auf dem Tisch. Doch noch sind wichtige Fragen ungeklärt.
Das Ziel dahinter ist klar formuliert: „Ein Ziel der Stadt Köln ist die weitere Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Stärkung des Umweltverbundes.“ Eingebettet ist das Vorhaben in die Strategie „Klimaneutrales Köln“, die bis 2035 Klimaneutralität anstrebt.
Ein wichtiger Grund für den Expressbus: Der Schienenausbau dauert zu lange. Die Gutachter halten fest, dass der Ausbau von Schienenverkehren nicht kurzfristig umsetzbar sei. „Demgegenüber können Busverkehre deutlich schneller geplant und eingeführt werden“, heißt es.
Fünf mögliche Linien – zwei werden ins Auge gefasst
Zunächst untersuchten die Gutachter fünf mögliche Linienkorridore quer durch das Kölner Stadtgebiet:
- X1: Rodenkirchen – Lindenthal – Nippes – Kalk
- X2: Niehl – Longerich – Ossendorf – Junkersdorf – Frechen
- X3: Merkenich – Mülheim – Merheim
- X4: Gleuel/Hürth – Sülz – Lindenthal – Mediapark – Köln Hbf
- X5: Zollstock – Kalk – Holweide – Dellbrück – Bergisch Gladbach

Copyright: Stadt Köln / gdz.bkg.bund.de
Um diese Expressbus-Linien geht es.
Das Ergebnis ist eindeutig: „Die Ergebnisse der Planfallberechnung zeigen, dass die beiden Expressbuskorridore X1 und X5 mit Abstand die höchsten Nachfragepotenziale im Vergleich der fünf Linienvarianten aufweisen.“
Der Verkehrsausschuss der Stadt Köln folgte dieser Empfehlung bereits im Juni 2024 und beauftragte eine vertiefte Untersuchung dieser beiden Linien.
Was steckt hinter den Linien X1 und X5?
Linie X1 ist die klare Favoritin. Sie verbindet Rodenkirchen im Süden über Lindenthal und die Innere Kanalstraße mit Nippes und – über die Zoobrücke – mit Kalk auf der rechten Rheinseite. Damit entsteht ein neuer Ring um die Innenstadt. Täglich könnten bis zu 19.100 Menschen die Linie nutzen.
Linie X5 fährt von Zollstock über Kalk, Holweide und Dellbrück bis nach Bergisch Gladbach. Das ist besonders interessant: Erstmals gäbe es eine direkte Busverbindung aus dem linksrheinischen Köln in die Nachbarkreisstadt – eine Stadt mit hohem Pendleraufkommen. Täglich könnten laut Modell 14.500 Menschen zusteigen.
Zusammen sollen beide Linien rund 34.000 Fahrgäste pro Tag erreichen.
Fahrplan im 10-Minuten-Takt
Für beide Linien ist ein Konzept vorgesehen, das sich an der Stadtbahn orientiert: Von Montag bis Freitag sollen die Busse im Zehn-Minuten-Takt fahren, jeweils von 6 bis 20 Uhr. Samstags im 20-Minuten-Takt, von 9 bis 20 Uhr.
Am Sonntag wäre kein Betrieb vorgesehen. Eingesetzt werden sollen Gelenkbusse – also die langen, zweigliedrigen Fahrzeuge, die mehr Fahrgäste aufnehmen können. Für die X1 werden zwölf, für die X5 13 solcher Busse benötigt.
Was kostet das?
Hier beginnt die ernüchternde Seite des Berichts. Die Gutachter rechnen mit jährlichen Betriebskosten von rund 7,9 Millionen Euro für beide Linien zusammen. Hinzu kommen einmalige Investitionskosten von rund 8,6 Millionen Euro für Infrastruktur – also neue Busspuren, Ampel-Anpassungen und Haltestellenumbauten .
Eine der wichtigsten Fragen ist dabei noch ungeklärt: die Finanzierung. Die Stadt Köln räumt in ihrer Ausschussmitteilung offen ein: „Die Finanzierung der Betriebskosten ist derzeit nicht absehbar.“
Hintergrund ist eine grundsätzliche Schieflage im KVB-Haushalt: Die Stadtwerke Köln GmbH (SWK) hat mitgeteilt, dass die ansteigenden Verluste der KVB das Potenzial der SWK zum Ausgleich dieser Verluste „dauerhaft übersteigen“ würden. Heißt: Schon heute kann der Konzern die laufenden Verluste der KVB kaum stemmen – zwei teure neue Expressbus-Linien obendrauf wären da eine enorme Herausforderung.
Neue Busspuren, Ampeln & Co.: Es ließe sich viel Zeit sparen
Damit die Expressbus-Linien ihrem Namen gerecht werden, sind auf der Strecke erhebliche Maßnahmen notwendig: neue Busspuren, Ampeln, die dem Bus Vorrang geben, und teils Umbauten an Haltestellen. Die Gutachter haben ausgerechnet, wie viel Zeit sich dadurch einsparen ließe:
Auf der Linie X1 (Richtung Kalk) wären die Menschen zwölf Minuten schneller (45 statt 57 Minuten); auf der Linie X5 (Richtung Bergisch Gladbach) neun Minuten (50 statt 59 Minuten).
Doch die Gutachter warnen ausdrücklich: Werden einzelne Maßnahmen nicht umgesetzt, leide das gesamte Konzept. Könnten etwa wesentliche Maßnahmen wie eine Busbeschleunigung im Bereich der Inneren Kanalstraße oder auf der Severinsbrücke nicht umgesetzt werden, hätte dies Auswirkungen auf die Fahrzeit „und würde somit dem Bestreben einer echten Expressbuslinie entgegenstehen“.
Und wenn die Busse nicht schnell genug sind, wären die Linien auch für Fahrgäste uninteressant.
Das weitere Vorgehen
Die Stadt Köln macht in ihrer Mitteilung an den Mobilitätsausschuss deutlich, dass vor einer Entscheidung über die Umsetzung mehrere offene Fragen zu klären sind. Zunächst werden die Ergebnisse des Abschlussberichts in den kommenden Wochen in mehreren Bezirksvertretungen und im Mobilitätsausschuss vorgestellt.
Parallel dazu läuft die Erarbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“, in dem verschiedene Finanzierungsszenarien für den künftigen ÖPNV entwickelt werden. Die Expressbus-Linien sind darin bereits als potenzielle Maßnahme hinterlegt.
Eine abschließende politische Entscheidung über die Umsetzung soll erst fallen, wenn diese Grundlagen vorliegen, vor allem wenn die Rahmenbedingungen für eine Finanzierung stimmen.
Unabhängig davon wollen Verwaltung und KVB die Erkenntnisse aus der Studie aber bereits jetzt nutzen: Bestehende Buslinien sollen durch Ampelvorrangschaltungen, Busspuren und angepasste Linienführungen attraktiver gemacht werden – auch wenn die Expressbus-Linien noch auf sich warten lassen.
Expressbusse in Köln sind grundsätzlich möglich und sinnvoll – das weiß auch die Stadt. Doch zwischen Studie und Straße liegt noch ein langer Weg. (mg)
Braucht Köln Expressbusse? Wie ist eure Meinung? Meldet euch bei uns! Jetzt hier schnell und einfach hochladen.
Hau raus!
Werde Leserreporter/in
