Nach dem Großfeuer bei Swisttal geben Feuerwehr und Forstfachleute eine Einschätzung. Es hatten mehrere Hektar Felder, Weiden und Wald gebrannt.
Großfeuer bei BonnWie wehrhaft ist unser Wald?

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Eine Einsatzkraft der Feuerwehr bei Nachlöscharbeiten in der Waldville zwischen Swisttal und Alfter. Der Waldboden ist verbrannt.

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Es waren bange Stunden für Anwohner, Landwirte und Waldbesitzer – und kräftezehrende für die 220 Frauen und Männer der Feuerwehr, die am Montag und Dienstag (10. und 11. August 2026) das riesige Bodenfeuer an der Kiesgrube Flerzheim zunächst unter Kontrolle brachten und schließlich „ausmachten“. Rund 18 Hektar (entspricht etwa 25 Fußballfeldern) Felder, Wiesen und Wald – davon 5,4 Hektar Staatswald – brannten.
Zwar hatte der Wind das Feuer weg vom Swisttaler Ortsteil Buschhoven getrieben, allerding wüteten die Flammen dann auf dem Gebiet der Waldville. Eine Herausforderung für die Feuerwehr, wie Karsten Windolph, Sprecher der Swisttaler Wehr, dem EXPRESS erklärte: „Wegen des Windes ist das Feuer sozusagen in den Wald hineingelaufen – es haben hauptsächlich niedrige Pflanzen gebrannt, dazu Totholz.“
Die Herausforderungen beim Einsatz bei Swisttal-Buschhoven
Aus den Seen der nahen Kiesgrube nahm ein Polizeihubschrauber Wasser per Löschsack auf, flankierte aus der Luft die Löscharbeiten am Boden. „Auch das schnelle Eingreifen und die Hilfe der Landwirte vor Ort haben ganz entscheidend geholfen“, so Franz van Elsbergen, Leiter des Forstamts Rhein-Sieg-Erft, zum EXPRESS. „Sie haben die Feuerwehr unterstützt und sind im Pendelverkehr mit 7000-Liter-Wasserfässern gefahren.“
Nach der Brandwache in der Nacht, bei der immer wieder Glutnester abgelöscht wurden, hielten am Dienstag noch bis zu 40 Kräfte der Feuerwehren aus dem Rhein-Sieg-Kreis die Stellung. „Das Feuer hat sich durch den Boden gefressen, der glimmt noch nach mit Temperaturen von mehreren hundert Grad“, so Wehrsprecher Windolph, „kleinere Stellen am Boden müssen händisch geöffnet und nachgelöscht werden.“
Waldbrände einfach vermeiden
Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD steht in unserer Region derzeit auf Stufe 4 von 5. Deshalb:
- Im Wald nicht rauchen. Nein, gar nicht!
- Keine Zigarettenkippen in die Natur werfen – auch nicht aus dem fahrenden Auto
- Im Wald kein offenes Feuer machen
- Müll mitnehmen
- Nur auf befestigten Parkplätzen parken. Heiße Pkw-Teile entflammen trockenes Gras etc. sofort
- Rettungswege freihalten
Mit Wärmebildkameras suchten die Wehrleute nach weiteren Glutnestern. Zudem zog ein Forstunternehmen mit Spezialfahrzeugen, ähnlich einem Harvester zur Holzernte, einzelne, noch „kokelnde“ Bäume aus dem Wald. Die wurden von der Feuerwehr abgelöscht.

Copyright: Regionalforstamt Rhein-Sieg/Erft
Diese Drohnenaufnahme (zur Verfügung gestellt vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft) zeigt das Ausmaß des Brandes in der Waldville. Hier brannte insbesondere die Bodenvegetation. Derart in die Höhe lodernde Flammen wie beispielsweise jüngst in Südwestfrankreich gab es hier nicht. Zum Glück!
Eine der Herausforderungen in der Waldville war, so berichten Franz van Elsbergen und sein Kollege Simon Franz, das Totholz. Was aus ökologischer Sicht sehr wichtig ist, entpuppte sich bei den Löscharbeiten aber als „knifflig“: „Ein Hubschrauber musste zweimal einen Löschsack über einem einzigen Baum leeren, in den sich das Feuer hineingefressen hatte“, so van Elsbergen.
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Das Besondere an der Waldville ist die traditionelle „Mittelwaldbewirtschaftung“ – eine Art waldbautechnisches Multitalent. Im Mittelwald gibt es, so erläutert Simon Franz vom Regionalforstamt, immer eine „Hauschicht“ – junge Bäume nahe am Boden, auch Unterholz genannt – und eine Oberschicht. Alle 20 bis 30 Jahre werden aus der „Hauschicht“ Bäume geerntet, es bleiben allerdings „Lassreitel“ stehen; ein paar dicke Bäume, die eine neue Oberschicht bilden. Ein Top-Ökosystem also, aber „beim Brandgeschehen war es eher nachteilig. Weil Bäume am Waldrand, die schon komplett oder in Grundteilen abgestorben waren, schnell Feuer gefangen haben, was in die Kronen hochgezogen ist“, erklärt Forstfachmann Franz – und lobt die gute Arbeit der Feuerwehren: „Die haben alles gegeben!“
Ein kleiner Trost: Auf der Ville ist man in Sachen „Zukunftswald“ schon weit. „Wir haben eigentlich im gesamten Bereich Mischwälder – von Laubholz dominierte Wälder. Mit viel Unterstand, das ist wichtig für das Waldinnenklima. Es sorgt zum Beispiel dafür, dass der Boden nicht so schnell austrocknet. Die Natur macht ja viel selbst, aber ein bisschen muss man pflegen, mal etwas Holz machen – in einem nachhaltigen und schonenden Umfang.“
Wald der Zukunft: Alle können was tun
In Sachen Umweltschutz sehen insbesondere Politik und Wirtschaft bisweilen den Wald vor lauter Bäumen nicht – aber ohne Wald sehen wir alle alt aus! Das wichtige und ausgeklügelte Ökosystem gilt es zu bewahren. „Wer den Wald schützen will, muss das Klima schützen. Ein gesunder Wald kann natürlich auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber die großen Stellschrauben sind woanders. Wir müssen alle mit anpacken und irgendwie den Klimawandel zumindest entschleunigen“, sagt Simon Franz.
Die schrecklichen Fichtenmonokulturen, in denen die „Pinne“ dicht an dicht standen, sind im Rheinland zum Glück (weitestgehend) verschwunden. Zukunftsbaum ist das Stichwort, im Bereich Kottenforst/Ville stehen u. a. Hainbuche, Winterlinde, Stieleiche – außerdem Vogelkirsche, Esskastanien, Flatterulme, Elsbeere. Forstfachleute schauen aber auch auf „Zwillingsregionen“, also auf Gebiete, in denen heute die klimatischen Bedingungen herrschen, wie sie bei uns in 20 bis 30 Jahren erwartet werden. Die Bäume, die dort wachsen, könnten auch unsere Zukunft sein ...
