Weiße Tücher kühlen die Hohe Straße um bis zu 5 Grad! Doch dem genialen Kölner Hitze-Trick droht jetzt das Aus.
Bald überall in Deutschland?Genialer Trick: Weiße Fahnen mitten in Kölner City

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In diesem Jahr hingen nur noch 24 Fahnen. Wirkung zeigten sie trotzdem.
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Ein simpler Trick, aber mit gewaltiger Wirkung: Die weißen Tücher über der Hohe Straße sind Kölns coolste Idee gegen die Sommer-Glut. Doch ihre Zukunft ist ungewiss!
Bereits im dritten Sommer wehen die weißen Stoffbahnen über einem Abschnitt der Hohe Straße. Viele Leute, die dort entlangschlendern, rätseln weiterhin: Wozu dient diese Aktion? Sind das vergessene Wäschestücke? Oder eine Installation von Künstlern? Der wahre Grund ist jedoch sehr praktisch: Die Tücher sollen für Schatten sorgen und die Hitze auf der Shoppingmeile mildern.
Und dieser Zweck wurde vollends erfüllt. Forscher der Kölner Universität haben die Messwerte von 40 Fühlern analysiert. Diese erfassten rund um die Stoffbahnen in drei, neun und zwölf Metern Höhe Daten zu Temperatur, Luftfeuchte und Wind. Darüber berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Das Resultat ist beeindruckend: An extrem warmen Tagen bewirkten die Tücher nachmittags eine Abkühlung von zwei bis drei Grad. Bei Hitzetagen ohne Wind wurde es dank der Installation sogar um bis zu fünf Grad kühler. Für die Menschen auf der Straße fühlte es sich dadurch bis zu elf Grad angenehmer an.
Passanten meiden bei großer Hitze die Innenstadt
Ins Leben gerufen wurde die Aktion im Jahr 2024 vom Kölner Stadtmarketing gemeinsam mit der Aachener Grundvermögen, welcher zahlreiche Gebäude auf der Hohe Straße besitzt. Dahinter steckt auch ein klares wirtschaftliches Interesse. Der Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen, Frank Wenzel, äußerte sich am Freitag während eines Pressetermins am Wallrafplatz dazu: „Bei großer Hitze meiden Passanten die Innenstadt. Da müssen wir gegensteuern. Für Immobilienbesitzer ist das auch eine Frage des Werterhalts. Zwei bis drei Grad Kühleffekt sind sehr viel. Hier haben wir eine Maßnahme, die preiswert und sofort wirksam ist. Das könnte vielleicht sogar bundesweit ein Prototyp sein.“
Annett Polster, die Geschäftsführerin des Stadtmarketings, hob ebenfalls den Wert dieser Initiative für die Geschäfte hervor. Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester, der als Schirmherr der Aktion fungiert, sandte eine Botschaft aus seinen Ferien und unterstrich die Wichtigkeit dieser praxisnahen und wissenschaftlich begleiteten Maßnahme für die Einkaufsmeile Hohe Straße.

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Mit 40 solcher Sensoren werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit gemessen.
Aber trotz der klaren Erfolge ist die Zukunft des Projekts ungewiss. Es ist noch offen, ob und wo die Stoffbahnen im kommenden Jahr wieder wehen werden. Der Grund dafür ist der geplante Umbau des Mediamarkt-Gebäudes ab 2027, das sich auch im Besitz der Aachener Grundvermögen befindet. Aufgrund der umfangreichen Bauarbeiten können die Tücher in diesem Bereich nicht mehr montiert werden. Bereits heuer sank ihre Anzahl aufgrund von Baumaßnahmen von 40 auf nur 24 Stück, die zwischen dem Wallrafplatz und dem Mediamarkt hängen. Sie sind an den Vorrichtungen für die Festbeleuchtung zu Weihnachten befestigt. Die Anbringung fast aller Fühler an Gebäuden der Aachener Grundvermögen vereinfachte den Ablauf erheblich.
Viel Leidenschaft und persönlicher Einsatz sind bei diesem Vorhaben gefragt. So kümmert sich der Projektverantwortliche der Aachener Grundvermögen beispielsweise selbst darum, die Stoffbahnen zu entknoten, sollten sie sich bei heftigem Wind verheddern. Dies erledigt er vom Boden aus mit einer langen Stange.
Neuer Platz für die Flaggen wird gesucht
Jetzt ist die Suche nach alternativen Standorten in vollem Gange. „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um auch nächstes Jahr die Flaggen aufhängen zu können“, verspricht Frank Wenzel. Annett Polster ergänzt: „Wir sind durch die Ergebnisse sehr motiviert, weiterzumachen“. Man plant, auch andere Eigentümer von Immobilien zu kontaktieren und die Stadtverwaltung um Mithilfe zu ersuchen.
Die Forschung geht auf jeden Fall weiter: Im Rahmen eines „Klima-Labors“ kooperieren Stadtmarketing, Aachener Grundvermögen und die Forscher der Universität. An der Uni wurden bereits mehrere Abschlussarbeiten verfasst, die auf den Daten von der Hohe Straße basieren. Die Experten erstellten daraus ein Klimamodell und spielten durch, welche Effekte unterschiedliche Maßnahmen hätten. Die Begrünung von Fassaden verspricht den mit Abstand stärksten Kühleffekt. Das Versprühen feiner Wassernebel senkt die Lufttemperatur zwar deutlich, der Effekt ist jedoch örtlich sehr beschränkt und stark vom Wetter beeinflusst. Beschattung erzielt eine gute Wirkung vor Ort. Eine ideale Einzellösung existiert nicht, stattdessen sind Kombinationen und ständige Messungen erforderlich.
Eine waagerechte Beschattung, zum Beispiel durch ein Sonnensegel, sorgt tagsüber für noch mehr Kühlung als die vertikalen Stoffbahnen. Allerdings sammelt sich darunter in der Nacht die Hitze, was den positiven Effekt zunichtemacht. Eine Lösung wäre das nächtliche Einrollen der Segel, was jedoch mit großem Aufwand verbunden ist. Dasselbe Problem besteht bei den populären bunten Schirmen, die man in vielen Städten sieht.
Nils Eingrüber, der die wissenschaftliche Leitung am Geographischen Institut der Universität innehat, erzählt, dass schon zahlreiche andere Städte und Gemeinden Interesse an den Resultaten des Klima-Labors bekundet haben. „Der Versuch ist deutschlandweit einmalig.“ (red)

