Stellenabbau in Köln Beschäftigte laufen Sturm gegen Ford-Pläne: „Kritik war nicht erwünscht“

Benjamin Gruschka, Betriebsratsvorsitzender von Ford, spricht am 23. Januar 2023 vor dem Kölner Werksgelände zu Journalisten.

Benjamin Gruschka, Betriebsratsvorsitzender von Ford, spricht am 23. Januar 2023 vor dem Kölner Werksgelände zu Journalistinnen und Journalisten.

Ford will sich in Europa gänzlich neu aufstellen. Im Zuge der Umstrukturierung sollen nun tausende Arbeitsplätze am Hauptsitz in Köln gestrichen werden.

Bei Ford in Köln geht die Angst um: Tausende Jobs stehen auf der Kippe.

Für Montag (23. Januar 2023) hat der Gesamtbetriebsrat eine außerordentliche Betriebsversammlung für die rund 14.000 Beschäftigten in Köln einberufen.

Ford Köln: 65 Prozent der Stellen im Entwicklungszentrum

Nun sind erste Details durchgesickert. 65 Prozent der Stellen im Entwicklungszentrum in Köln sollen wegfallen – und das bis 2024, berichtet Radio Köln. 3800 Menschen arbeiten derzeit in der Abteilung. 2500 Jobs könnten also gestrichen werden.

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Die Vize-Betriebsratschefin der Ford-Werke, Katharina von Hebel, sieht die Lage noch brisanter. Denn zudem würden 700 Jobs in der Verwaltung auf der Kippe stehen.

Sollte das Management sein bisheriges Vorhaben durchsetzen, könnten bis zu 3200 Stellen wegfallen, sagte von Hebel, am Montag in Köln der dpa. „Die Lage für die Beschäftigten ist erschütternd.“

Vor dem Tor 24 protestierten am Montagmittag Fordler und Fordlerinnen. Unter anderem stand auf einem roten Banner: „Kampf um jeden Arbeitsplatz.“ Per Megafon wurde mitgeteilt: „Im Februar werden wir erneut zeigen, dass wir diese Arbeitsplatzvernichtung nicht akzeptieren.“

In mehreren Versammlungen berichtete der Betriebsrat am Montag den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen von den Plänen und berief sich dabei auf interne Vorgaben des Managements für Ford in Europa.

Ulja Held, Lageristin in Merkenich, und Niko Held, Bandarbeiter bei Ford, demonstrieren am 23. Januar 2023 gegen die drohenden Stellenstreichungen.

Ulja Held (41), Lageristin in Merkenich, und Niko Held (37), Bandarbeiter, demonstrieren am 23. Januar 2023 gegen die drohenden Stellenstreichungen bei Ford in Köln.

„Ich war heute Morgen in der Versammlung. Da war eine sehr große Wut. Martin Sander, der Ford-Chef, hat zwei Sätze gesprochen, dann wurde er ausgebuht und ausgepfiffen“, schildert Niko Held (37), der am Band bei Ford arbeitet und in der IG Metall aktiv ist, gegenüber EXPRESS.de. 

„Aber es war auch echt frech, weil er im Grunde nichts gesagt hat. Die Geschäftsleitung hat alles abgeschoben. Das ist feige“, sagt Held, der die Stimmung als „kämpferisch“ wahrnimmt: „Wir führen einen Abwehrkampf gegen diese Arbeitsplatzvernichtung.“

Ehefrau Ulja Held (41), die als Ford-Lageristin in Merkenich arbeitet, sagt: „Es gab sehr viel Unmut heute, da die Belegschaft nicht zu Wort gekommen ist. Es gab heute keine Aussprache. Unbequeme Fragen und Kritiken waren heute offensichtlich nicht erwünscht.“

„Die Geschäftsleitung hat Angst vor der Belegschaft“, meint Ulja Held, die sich ebenfalls in der Gewerkschaft für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzt. Auch sie kritisiert die Kommunikation und die Vorgehensweise der Unternehmensführung scharf.

Um Arbeitsplätze zu retten, fordern Ulja und Niko Held eine drastische Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. „Wir senken die wöchentliche Arbeitszeit und erhalten damit Arbeitsplätze“, sagt Ulja Held. Ihr Mann ergänzt: „Vor 40 Jahren wurde die 35-Stunden-Woche eingeführt. Jetzt ist es Zeit für die 30-Stunden-Woche.“

Umbruch bei Ford: Elektromodelle sollen in Köln gebaut werden

Ford ist im Umbruch, der lange auf Verbrennungsmotoren fokussierte US-Autokonzern brachte sich erst relativ spät auf Elektrokurs.

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Dabei setzt die Firma auch künftig auf den Kölner Standort, der mit Milliardeninvestitionen für die Fertigung neuer Elektromodelle umgebaut wird.

Die jetzigen Personalpläne begründet das Management laut IG Metall unter anderem mit einer Zentralisierung in den USA. Ford hat schon eine Umstrukturierung hinter sich, vor drei Jahren hatte das Unternehmen noch knapp 18.000 Beschäftigte in Köln. (mt/jm/dpa)

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