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„Fast anderthalb Tonnen im Winter“Kölner Ofen: Um dieses Ding streiten sich die Geister

Ein eingebauter Ofen

Heinz S. aus Köln-Bilderstöckchen heizt noch mit Kohle und Holz. Das Foto zeigt seinen Ofen, darüber drei Regler. 

In einem GAG-Haus in Bilderstöckchen heizen die Mieterinnen und Mieter noch mit Kohle oder Holz. Einer von ihnen, Heinz S., setzt sich für mehr Umweltschutz ein. 

Wenn es kalt ist, einfach die Heizung aufdrehen – davon kann Heinz S. (74) nur träumen. Der Kölner, der in einem Mehrfamilienhaus in Bilderstöckchen wohnt, muss stattdessen erst mal den Ofen anfeuern. Und das mit schlechtem Gewissen. 

„Wir heizen noch mit Kohle und Holz und das an einer Hauptverkehrsstraße, neben einer Schule“, erzählt er gegenüber EXPRESS.de und beklagt: „Eigentlich wollen wir Mieter ja nicht die Umwelt verpesten, aber die GAG ist nicht bereit, das zu ändern.“ 

Erst vor kurzem sorgte eine Anzeige für eine GAG-Wohnung für Kopfschütteln, die sogar komplett ohne Heizmöglichkeit vermietet wird. „Die neuen Mieter/-in müssen sich eigenständig um eine Heizungsoption kümmern!“, heißt es darin. Die GAG Immobilien AG ist die größte Vermieterin im Raum Köln und gehört zu 88 Prozent der Stadt.

Heinz S. wohnt in einem Acht-Parteien-Haus am Schiefersburger Weg. „Die GAG beharrt darauf, dass wir eine Einzelraumfeuerungsanlage haben, meiner Überzeugung nach handelt es sich aber um einen zentralen Wärmeerzeuger“, behauptet er. Der Unterschied sei in Sachen Umweltschutz entscheidend. Heinz S. wirft der GAG vor, die Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) zu ignorieren.

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Demnach müssen bei einer Einzelraumfeuerungsanlage und einem zentralen Wärmeerzeuger unterschiedliche Grenzwerte für die Emissionen von Feinstaub und Kohlenstoffmonoxid erfüllt werden. Wird die Holzheizung als zentraler Wärmeerzeuger deklariert, gelten strengere Richtwerte. Auch muss der Schonsteinfeger alle zwei Jahre prüfen, ob diese eingehalten werden. Bei Einzelraumfeuerungsanlagen gilt keine Messpflicht, es reicht, wenn der Hersteller bescheinigt, dass die Grenzwerte auf dem Prüfstand eingehalten werden. 

„Die GAG sagt, wir haben eine Einzelraumfeuerungsanlage, weil sie dann nicht kontrollieren muss“, wirft Heinz S. dem Unternehmen vor. „Daher will ich, dass die anerkennen, dass es sich stattdessen um einen Wärmeerzeuger handelt. Wenn dann nämlich die Abgaswerte nicht eingehalten werden, müsste die GAG sich was überlegen. Entweder, wenn möglich, müssten Filter eingebaut oder die Anlage müsste stillgelegt und eine andere Heizalternative gesucht werden.“ 

Ihm sei es wichtig, dass nicht unnötig viele Schadstoffe durch den Kamin gepustet werden. Heinz S.: „Ich habe immer fast anderthalb Tonnen Kohle, die ich im Winter verheize. Das geht den anderen sieben Mietparteien wahrscheinlich nicht anders.“ 

Mit Einzelraumfeuerungsanlagen seien eigentlich Kamine oder Kachelöfen gemeint, die vorrangig einen Raum heizen, erklärt der 74-Jährige. „Bei uns sind aber oberhalb des Ofens Rohre, die die Wärme in die einzelnen Zimmer leiten. Mit einer Klappe kann ich sogar die Wärme regulieren.“

GAG-Sprecher: Öfen nicht von Austausch-/Nachrüstpflicht betroffen

EXPRESS.de hakte bei der GAG nach. „Das Haus wurde Anfang der 1960er Jahre errichtet und hat acht Wohnungen. Geheizt werden diese Wohnungen mittels sogenannter Einzelraumfeuerungsanlagen, sprich, mit Kohle oder Holz“, erklärt Sprecher Jörg Fleischer. 

Da die Wärmeversorgung der Wohnungen ausschließlich darüber erfolge, seien diese Anlagen nicht von einer Austausch- beziehungsweise Nachrüstpflicht gemäß der 1. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzgesetz/Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen) betroffen, sagt er. „Auch eine Messpflicht für diese Anlagen ist nicht vorgeschrieben. Das wurde auch bereits vom Bezirksschornsteinfeger bescheinigt.“

„Von daher ist die Behauptung des Bewohners, die GAG würde hier die BImSchV ignorieren, unzutreffend“, so Jörg Fleischer. „Nach wie vor gibt es einige GAG-Gebäude, in denen mittels Einzelraumfeuerungsanlagen geheizt wird und die bislang noch nicht in den umfangreichen Modernisierungsvorhaben berücksichtigt werden konnten.“

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